Weimar. Zum 100. Geburtstag des Schriftstellers und ehemaligen Buchenwald-Häftlings Jorge Semprun diskutierte ein Podium in Weimar über die Aktualität seines Denkens für die Gegenwart

Während des Podiumgespräches zum 100. Geburtstag des Schriftstellers und ehemaligen Buchenwald-Häftlings Jorge Semprun (1923-2011) am Donnerstagabend erzählte der Historiker Volkhard Knigge eine Anekdote vom Buchenwaldgedenken im Jahr 2010. Knigge war damals Gedenkstättenchef und mit Semprun im Auto unterwegs. Eine Frau habe den Gast entdeckt und überschwänglich Blumen durchs Fenster gereicht. Als Semprun den Strauß wenig später aus dem Fahrzeug geworfen habe, so Knigge, sei er irritiert gewesen – um dann die Geste zu verstehen. Ritualisierte Ehrungen, Gedenkfloskeln und Erinnerungspathos seien Sempruns Sache nicht gewesen. Macht es euch nicht zu leicht, in dem ihr uns Überlebende glorifiziert und vergöttert, so seine Forderung. Wenn man etwas von Semprun lernen konnte, dann sein Credo einer kritischen Auseinandersetzung Europas mit seiner blutigen Vorgeschichte, erinnerte sich Knigge.