Berlin. Katholische Priester dürfen künftig homosexuelle Paare segnen. Damit folgt die Kirche der vielerorts gelebten Praxis. Mehr auch nicht.

Die vatikanische Glaubensbehörde ist nicht eben bekannt für reformerische Bestrebungen, nun veröffentlichte sie eine Grundsatzerklärung, wonach homosexuelle Paare ab sofort auch in der katholischen Kirche gesegnet werden können. Dieser Beschluss, der von Papst Franziskus ausdrücklich genehmigt wurde, ist ein bemerkenswerter Kurswechsel des Vatikans. Gerade unter den deutschen Bischöfen, die zuletzt vom Vatikan wegen des von ihnen angestoßenen Reformprozesses regelrecht abgekanzelt worden waren, dürfte die Nachricht aus Rom für Überraschung gesorgt haben.

Nach Informationen unserer Redaktion waren selbst Mitglieder der Bischofskonferenz nicht vorab über die Erklärung aus dem Vatikan informiert. In dem Text mit dem Titel „Fiducia supplicans“ (Das flehende Vertrauen) der Glaubensbehörde betont deren Chef, Kardinal Victor Fernandez, die Kirche habe ihr Verständnis von dem, was ein Segen ist, im Licht der seelsorgerischen Ideale von Papst Franziskus „erweitert und angereichert“. Mit diesem weiterentwickelten Verständnis des Segens sei es nunmehr möglich, „Paare in regelwidrigen Situationen und Paare desselben Geschlechts zu segnen, ohne damit ihren Status offiziell zu bestätigen oder die seit jeher gültige Lehre der Kirche über die Ehe in irgendeiner Weise zu ändern“.

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Doch der Vatikan setzt den Segnungen auch enge Grenzen. So dürfe solch ein Segen von den kirchlichen Autoritäten nicht rituell festgelegt werden, „um keine Verwechslung mit dem Ehesakrament hervorzurufen“. Weiter wird betont, dass sexuelle Beziehungen nur innerhalb der Ehe zwischen Mann und Frau als erlaubt gelten. Auch darf ein Geistlicher den Segen nicht im Rahmen eines Gottesdienstes erteilen.

Segensfeiern für homosexuelle Paare sind bislang eine Grauzone

So überraschend die Erklärung aus auch Rom kommt – sie vollzieht letztlich nur nach, was in vielen katholischen Gemeinden in der Welt bereits gelebte pastorale Praxis ist. In Deutschland beispielsweise werden Segensfeiern für homosexuelle Paare vielerorts heute schon praktiziert, sie finden aber in einer kirchenrechtlichen Grauzone statt. Viele Geistliche vor Ort haben längst, mit stillschweigender Duldung der meisten Bischöfe, die lange Zeit praktizierte Ausgrenzung gleichgeschlechtlicher Paare durchbrochen.

Papst Franziskus hat die Mitglieder der Bischofskonferenz mit seiner Entscheidung überrascht.
Papst Franziskus hat die Mitglieder der Bischofskonferenz mit seiner Entscheidung überrascht. © DPA Images | Andrew Medichini

Und die Zulassung von Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare war eine der Hauptforderungen für den katholischen Reformprozess in Deutschland, den sogenannten Synodalen Weg. Richtig ist aber auch: In anderen, eher traditionalistisch geprägten Teilen der Weltkirche, etwa in großen Teilen Asiens oder auch in konservativ-katholischen Ländern wie Polen, dürfte die Erklärung des Vatikan für weniger Applaus sorgen als etwa in Deutschland.

Nach katholischer Lehre ist homosexuelles Empfinden keine Sünde

Mit dieser Erklärung hat besonders der Papst, der ohnehin als sprunghaft in seinen Verlautbarungen gilt, viele auf dem falschen Fuß erwischt. Erst Anfang 2021 hatte seine Glaubensbehörde die Gläubigen noch wissen lassen, Segnungen homosexueller Paare seien in der katholischen Kirche nicht möglich. Damals hieß es, es sei „nicht erlaubt, Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (das heißt außerhalb einer unauflöslichen Verbindung eines Mannes und einer Frau, die an sich für die Lebensweitergabe offen ist) einschließen, wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist“.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Laut geltender katholischer Lehre ist es zwar keine Sünde, homosexuell zu empfinden, gleichwohl seien aber gleichgeschlechtliche intime Handlungen „in sich nicht in Ordnung“. Das Ausleben der Sexualität sei der Ehe vorbehalten, die nur von einem Mann und einer Frau geschlossen werden könne.