Hanno Müller über das Impfen beim Amtsarzt

Impfen schützt. Je niedriger die Hürden, desto höher die Impfquote, desto besser die Immunität. Die Diskussion gab es während der Corona-Pandemie schon mit Blick auf die Apotheken. Inzwischen darf dort gegen Influenza und Sars-Cov-2 gespritzt werden – wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören spezielle Schulungen und besondere räumliche Anforderungen. Auch deshalb wird längst nicht in allen Apotheken geimpft.

Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) soll auf eine verbindliche gesetzliche Grundlage gestellt werden. Auch das ist eine drängende Erkenntnis aus der Corona-Zeit. Kompetenzgerangel, fehlendes Personal, immer neue Überrumpelungen und mangelnde Kommunikation brachte die 23 Thüringer Gesundheitsämter ans Limit. Informationen erreichten das Amtspersonal häufig über die Medien statt direkt von übergeordneten Stellen. Ob das Kind künftig Thüringer Landeszentrum Gesundheit oder Landes-Gesundheitsbehörde heißt, wie es FDP und Ärzten vorschwebt, oder ob die Aufgaben im Landesamt für Verbraucherschutz gebündelt werden, wie von der Koalition favorisiert, ist nicht entscheidend. Wichtig sind Einheitlichkeit und Verbindlichkeit der ÖGD-Aufgaben sowie deren Orientierung auf mehr Gesundheit für alle.

Dass Amtsärzte und Kollegen in den Gesundheitsämtern künftig impfen sollen, könnte da der zweite Schritt vor dem ersten sein. Erst einmal geht es um besseres Krisenmanagement, wirksamere Gesundheitsaufklärung, ums genaue Hinsehen, auch bei Schuluntersuchungen, wo Handlungsbedarf besteht. So gut es gemeint sein kann, an der einen Stelle zu entlasten, darf an anderer Stelle der ÖGD nicht überlastet werden. Unnötige Parallelstrukturen gibt es im Gesundheitsbereich schon genug.