Berlin. Sind sich Eltern eines Kindes uneins, erhalten Mütter die Rentenpunkte für die Erziehung. Für wen das Urteil eine Verpflichtung ist.

Wenn es um die Rente geht, zählt am Ende jeder Euro. Oder besser: jeder Rentenpunkt. Wer wie viel Geld im Ruhestand aufs Konto bekommt, kann dabei auch mit den eigenen Kindern zusammenhängen. Bis zu drei Jahre Kindererziehungszeiten, die nahezu drei Rentenpunkten entsprechen, werden Erziehungsberechtigten im eigenen Rentenkonto gut geschrieben – allerdings nur einem Elternteil, nicht beiden.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Ist man sich nicht einig und lässt sich auch gerichtlich nicht feststellen, wer die Hauptlast der Erziehung trug, profitiert die Frau. Das hat nun das Bundessozialgericht geurteilt und damit die bislang geltende Regelung gestärkt.

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Das Gericht hat dabei vor allem die Gemengelage insgesamt in Deutschland beurteilt. Dabei kamen die Richter zu dem Schluss, dass Frauen nach wie vor in Sachen Kindererziehung die Hauptlast tragen – mit direkten Folgen für Karriere, Gehalt und letztlich auch die eigene Rente. Für den deutschen Staat und für Väter ist das Urteil gleichermaßen eine Aufforderung, endlich für echte Gleichstellung einzustehen.

Deutschland ist in einer besorgniserregenden Statistik fast EU-Spitze

Abzulesen ist die Ungerechtigkeit in der Arbeitswelt, nachdem Frauen Kinder bekommen haben, unter anderem an der Teilzeitquote. Vor allem Mütter mit jüngeren Kindern stecken beruflich zurück. 2020 arbeiteten fast 70 Prozent der Frauen mit Nachwuchs unter zwölf Jahren nicht voll, bei Männern hingegen war es lediglich ein Bruchteil. Nur in den Niederlanden ist das Ungleichgewicht zulasten der Frauen innerhalb der EU noch größer.

Dominik Bath ist Wirtschafts-Korrespondent in der FUNKE Zentralredaktion.
Dominik Bath ist Wirtschafts-Korrespondent in der FUNKE Zentralredaktion. © FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Für Deutschlands Politik untermauern solche Zahlen den Handlungsbedarf. Bessere Betreuungsangebote, um für wirkliche Fortschritte bei der Vereinbarung von Familie und Beruf zu sorgen, dürfen nicht nur Wahlkampfgetöse sein. Gleichzeitig ist es richtig, systematische Nachteile für Frauen wie das Ehegattensplitting endlich abzubauen.