Aufbruchstimmung bei Arnstadts CDU - aber nur ein bisschen

Arnstadt (Ilm-Kreis). Knut Vettrich neuer Ortsvorsitzender. Kampfkandidatur um Vizeposten, aber kaum kritische Selbstreflektion.

 Der neue CDU-Ortsverband Knut Vettrich und der alte und neue Vize Sebastian Köhler (links) nach der Wahl- Mitgliederversammlung. Foto: Michael Keller

Der neue CDU-Ortsverband Knut Vettrich und der alte und neue Vize Sebastian Köhler (links) nach der Wahl- Mitgliederversammlung. Foto: Michael Keller

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Die große Abrechnung blieb aus bei Arnstadts CDU. Zwar wurde bei der Mitgliederversammlung im Keller der Stadtbrauerei am Dienstagabend der Blick nochmals zurück geworfen auf vergeigte Wahlen vergangener Jahre. Wer aber auf eine kritische Selbstanalyse gehofft hatte, wurde enttäuscht. Keine Spur davon, nur Kratzen an der Oberfläche. Vielleicht mit die Folge des recht spärlichen Zuspruchs. Von 81 Mitgliedern kamen nur 31.

Also alles Friede, Freude, Bierfleischsuppe? Mitnichten. Die Spezialität der Stadtbrauerei fand zwar einige Abnehmer, bei der Wahl des neuen Ortsvorsitzenden und seines Stellvertreters ging es allerdings sehr wählerisch zu. Denn es kam, für einige doch überraschend, zu einer Kampfabstimmung.

Zuvor hatte der aus dem Amt scheidende CDU-Ortschef Jürgen Hoffmann in aller Zurückhaltung ein Fazit der letzten beiden Jahre gezogen. Und seine Schwerpunkte als Empfehlung für seinen Nachfolger, da er sich nicht mehr zur Wahl stellte, aufgezählt: Wohnraumprobleme, eine Polizei, die man nicht mehr zu sehen bekommt, Erhalt der Kultur, Ärger mit der Wohnungsbaugesellschaft, sinkende Einwohnerzahlen.

Zu innerparteilicher Kritik wollte sich der 59-Jährige nicht hinreißen lassen. Doch dass in der Arnstädter Union ein Lagerkampf existiert, zeigte sich an der Sitzordnung, streng geteilt in Traditionalisten und die, die sich als Erneuerer sehen. Als Letzterer sieht sich der mit 23 Ja- und 7 Nein-Stimmen neu gewählte Ortsvorsitzende Knut Vettrich (55). Der seine Getreuen auf der Wandbank versammelt hatte, während sich die Antipoden in der Mitte des Kellergewölbes konzentrierten.

Friede, Freude, Bierfleischsuppe

Wagenburgmentalität kontra offener Austausch von Argumenten. Man rangelte lieber um die Posten. Rosemarie Dreißigacker, Urgestein der Arnstädter Christdemokraten, warf zuerst den Hut in den Ring. Ihr Vorschlag für den Vizevorsitz: Jan Kobel, Fotograf, Unternehmer, seit einem Jahr in der CDU. Und erbitterter Gegner des Bürgermeisters Alexander Dill - Kobels Triebfeder zur Kandidatur. So etwas wie "Aufbruchstimmung" würde mit dem 54-Jährigen in den Ortsvorstand einziehen, meinten die einen. Seine Auffassung sei viel zu radikal, die anderen. In der Tat. Kobels Rhetorik ließ an Schärfe nichts zu wünschen übrig. Er, der früher mit Alexander Dill sogar befreundet gewesen sein und dessen Wahlkampf protegiert haben will, attestiert Dill jetzt "autoritäres, kommunikationsunfähiges Macho-Gehabe". Daher unterstütze er nun die CDU, um Schaden von Arnstadt abzuwenden. Er wolle nicht zusehen, wie Dill die Stadt kaputt mache, so Kobel.

Der Gegenvorschlag zu Kobel kam von Winfried Neumann. Sein Mann: Sebastian Köhler, der bisherige Vize-Ortschef. Selbiger, überrascht, zumindest von der Mimik her, zierte sich ein wenig, nahm dann aber die Kandidatur an, um, wie der 35-Jährige sagte, "dem Gerücht der drohenden Lagerbildung entgegenzuwirken".

Konterkariert worden war er mit dieser Aussage allerdings schon kurz zuvor. Ausgerechnet von seiner Ehefrau Steffi. Die den Kontrahenten ihres Gatten allen Ernstes fragte, wie es wohl in einer Ehe zugehe, in dem er für den Vizeposten des CDU-Stadtchefs kandidiere, während seine Frau (Judith Rüber - Anm. d. Red.) für die Linke im Stadtrat sitze. Kurzes, betretenes Schweigen. Kobels Konter: "In jeder Partei gibt es vernünftige Leute." Wie dem auch sei, am Ende setzte sich Köhler mit 18:12 gegen seinen Widersacher durch.

Das rhetorische Ping-Pong wurde erst durch das Einbringen der Frauenquote zur Wahl der fünf Beisitzer eingedämmt. Sechs Kandidaten stellten sich, fünf wurden gewählt: Juliane Lips, Susan Braun, Günter Schneider, Jürgen Osburg und - genau, Jan Kobel. "Eine sehr gute Konstellation", lobte der neue Ortschef, der als einer gilt, der Arnstadts Bürgermeister auch gern den politischen Garaus machen würde. Und damit konträr zur Auffassung seines scheidenden Amtsvorgängers steht. Jürgen Hoffmann ist bekannt dafür, Sachpolitik zu bevorzugen, statt sich in Personalkämpfen aufzureiben. Es ist kein Geheimnis, dass Hoffmann in seiner Funktion im Stadtrat die Auffassung vertritt, dass man Bürgermeister Dill nicht in die Haftung für alle Dinge, die in der Vergangenheit schief gelaufen sind, nehmen könne.

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