Bausewein verteidigt Baugenehmigung für Moschee in Marbach

Erfurt  Baustart für Projekt der Ahmadiyya frühestens Ende des Jahres. Kontroverse Reaktionen aus der Erfurter Stadtpolitik.

Abullah Uwe Wagishause und Suleman Malik mit den Bauplänen der geplanten Moschee in Marbach.

Abullah Uwe Wagishause und Suleman Malik mit den Bauplänen der geplanten Moschee in Marbach.

Foto: Marco Schmidt

Die von der Ahmadiyya-Gemeinde geplante Moschee am Rand von Marbach kann gebaut werden. „Die Baugenehmigung war für uns eine schöne Überraschung im neuen Jahr“, sagte der Ahmadiyya-Bundesvorsitzende Abdullah Uwe Wagishauser gestern am Rande des Neujahrsempfangs der Gemeinde, bei dem er mit dem Erfurter Sprecher Suleman Malik die genehmigten Pläne vorstellte.

Wie Wagishauser sagte, hoffe er, dass in diesem Jahr erste Bauvorbereitungen geschehen. Da aber in Fulda und Wiesbaden noch größere Moschee-Bauten begonnen wurden, könne er nicht abschätzen, wann genau Baubeginn in Erfurt sein werde.

Im März 2017 war der Bauantrag eingereicht worden. Als Änderungswünsche der Stadt seien im Verlauf eine komplette Dachbegrünung und eine Umzäunung des Grundstücks in die Pläne eingegangen. So werde das einstöckige Gebäude mit zwei Gebetsräumen und einer Wohnung gebaut. Ein acht Meter hohes Zierminarett soll das Haus als islamisches Gotteshaus ausweisen. Mit der Kuppel erreicht die Moschee eine maximale Höhe von 7,50 Metern.

Heftige Auseinandersetzungen im vergangenen Jahr

Suleman Malik sagte, dass die Gemeinde nach wie vor – vor allem in sozialen Netzwerken – angefeindet werde. „Ich erhalte jeden Tag Post, teilweise mit strafrechtlich relevantem Inhalt.“

Wegen der Moschee-Pläne hatte es im vorigen Jahr heftige Auseinandersetzungen gegeben. Gegner hatten mehrere hohe Holzkreuze errichtet und Schweinekadaver wurden auf das Grundstück geworfen.

Oberbürgermeister Andreas Bausewein verwies gegenüber unserer Zeitung gestern auf die geltenden Gesetze. Die Genehmigung sei zuerst einmal ein Verwaltungsvorgang gewesen. Und wenn Gesetze eingehalten werden, sei die Genehmigung zu geben. Wie es beim Bauantrag der Ahmadiyya-Gemeinde der Fall gewesen sei.

„Wir leben in einem Land, in dem glücklicherweise Religionsfreiheit herrscht“, äußerte sich Bausewein weiter. „Deutschland ist auch nicht mehr das Land, das es früher einmal war. Neben Christen und Juden – Erfurt hat glücklicherweise wieder eine starke jüdische Gemeinde – leben inzwischen zahlreiche Moslems in der Stadt, die auch ihren Platz haben wollen, um ihre Religion auszuüben.“

Die große Masse der hier lebenden Muslime sei, so der Oberbürgermeister, friedlich. „Nur eine geringe Anzahl sind radikale Islamisten“, so der Oberbürgermeister. „gegen die muss der Staat mit gebotener Härte vorgehen.“

Keine Suche mit Bürgern nach einem Kompromiss

Ablehnend kommentierte Marion Walsmann, CDU-Kreischefin und OB-Kandidatin, die Nachricht. „Wir bedauern die heute bekannt gewordene Entscheidung zum Moschee-Neubau im Ortsteil Marbach sehr“, schreibt Walsmann in einer von ihr unterzeichneten Erklärung. OB Bausewein wirft sie vor, ein „nicht transparentes Verwaltungsverfahren zum Bauantrag der Ahmadiyya-Gemeinde abgeschlossen“ zu haben. „Nun haben sich alle Bemühungen erübrigt, mit den Bürgern nach einem Kompromiss zu suchen.“

Worauf prompt SPD-Kreisvorsitzender Raik-Steffen Ulrich reagierte: „Solche Äußerungen lesen sich wie ein Auszug aus einer Rede von Bernd (eigentlich Björn – die Redaktion) Höcke. Sie haben das Ziel, unsere Stadtgesellschaft zu spalten, sie sind plump und unqualifiziert und reihen sich ein in das Trump’sche Agieren der Erfurter CDU der letzten Wochen.“ Mit den Äußerungen habe sich Walsmann für eine Führungsaufgabe in Erfurt disqualifiziert.

Die AfD kommentierte, „die rot-rot-grüne Rathauskoalition will Islamisten eine Moschee in Erfurt bauen lassen – gegen den Willen der Erfurter“, sagte Landessprecher Stefan Möller. Die Partei werde auf allen Ebenen gegen die rot-rot-grüne Politik gegenüber dem Islam vorgehen, juristisch und mit Demonstrationen.

Die Ahmadiyya-Gemeinde in Thüringen hat zwischen 50 und 70 Mitglieder, die die Moschee in Marbach nutzen wollen. Abdullah Uwe Wagishauser meinte, dass die Moschee ihnen in Zukunft die Möglichkeit biete, ihre Religion auszuüben und sie so eine Perspektive in Thüringen erhielten.

Stadt Erfurt erteilt Baugenehmigung für Moschee-Neubau im Ortsteil Marbach