Bei Direktwahl des Ministerpräsidenten hätte Bodo Ramelow die Nase vorn

Erfurt  Könnten die Thüringer den Ministerpräsidenten direkt wählen, wäre Amtsinhaber Bodo Ramelow weit vorn. Sogar 31 Prozent der CDU-Wähler wären für den Linke-Politiker. Mike Mohring liegt im eigenen Lager bei 42 Prozent.

Könnten die Thüringer den Ministerpräsidenten direkt wählen, wäre Bodo Ramelow (Linke) auch in der nächsten Legislatur der Amtsinhaber. Archiv-

Könnten die Thüringer den Ministerpräsidenten direkt wählen, wäre Bodo Ramelow (Linke) auch in der nächsten Legislatur der Amtsinhaber. Archiv-

Foto: Martin Schutt/dpa

Der Thüringer Ministerpräsident wird nicht direkt von den Bürgern, sondern von den Mitgliedern des Landtags gewählt. Aber bei der hypothetischen Direktwahl des Regierungschefs hätte Amtsinhaber Bodo Ramelow mit weitem Abstand die Nase vorn.

Einer repräsentativen Umfrage der Erfurter Meinungsforscher von Insa zufolge würden sich 42 Prozent für den Linke-Politiker entscheiden. CDU-Oppositionsführer Mike Mohring käme lediglich auf 15 Prozent, AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke sogar nur auf 8 Prozent. Ein Fünftel (21 Prozent) würde keinen dieser drei Kandidaten wählen. 11 Prozent wissen nicht, für wen sie bei einer Direktwahl stimmen würden.

Bei der Erhebung vom 11. bis 22. April mit 1001 Personen aus Thüringen ab 18 Jahren, die telefonisch sowie online befragt wurden, hat sich Insa im Auftrag dieser Zeitung auf die Spitzenpolitiker und -kandidaten der drei Parteien Linke, CDU und AfD konzentriert.

Ramelow, Mohring und Höcke ganz oben auf der Liste

Ramelow, Mohring und Höcke stehen auf der Liste der Thüringer Politikprominenz ganz oben. Alle drei haben Ambitionen auf das höchste Amt der Exekutive im Freistaat, wobei die reale Chance, es zu bekommen, bei Ramelow und Mohring liegt.

Ebenfalls ganz oben auf der Bekanntheitsskala steht der Landesvorsitzende der SPD, Wolfgang Tiefensee. Er ist zwar Spitzenkandidat seiner Partei, hat aber offiziell erklärt, keinen Anspruch auf das Ministerpräsidentenamt zu erheben.

Die Frage nach dem Verhalten bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten ist, wie eingangs erwähnt, hypothetisch. Dennoch geben die Antworten Aufschluss darüber, welchen Stand die drei Kandidaten bei den Wählern insgesamt, aber besonders auch innerhalb der Wählerschaft ihrer Partei haben. Hier sind die markantesten Schlussfolgerungen:

Ältere Wähler mögen Ramelow und Mohring. Den 63-jährigen Bodo Ramelow würden 57 Prozent der ab 60-Jährigen wählen, ebenso 41 Prozent der 50- bis 59-Jährigen. Bei den restlichen Altersgruppen würden ihm 26 bis 28 Prozent ihre Stimme geben. Mike Mohring (47) ist bei den Befragten ab 50 Jahren beliebter (17 bis 19 Prozent) als bei den jüngeren (11 bis 12 Prozent).

Höcke spricht eher Leute unter 50 an. Anders ist dies bei dem ebenfalls 47-jährigen Björn Höcke: Nur 3 bis 5 Prozent der Befragten ab 50 Jahren würden ihm bei einer Direktwahl seine Stimme geben. 16 Prozent der Befragten zwischen 18 und 29 Jahren sowie 17 Prozent der Befragten zwischen 40 und 49 Jahren würden ihn wählen. Bei den 30- bis 39-Jährigen kommt er genauso wie CDU-Mann Mohring auf 11 Prozent.

Ratlosigkeit und Ablehnung gibt es vor allem bei den jüngeren Wählern. Bei den Jüngeren und den Befragten mittleren Alters wissen 14 bis 24 Prozent keine Antwort, 10 Prozent der Jüngsten verweigern sie. Die Befragten zwischen 30 und 59 würden zu 26 bis 27 Prozent niemanden der drei Kandidaten wählen.

Ramelow punktet nicht nur in der eigenen Partei. Ein Blick auf die jeweilige Anhängerschaft zeigt, dass Ramelow im eigenen Lager großen Rückhalt besitzt. Laut Insa würden ihn 85 Prozent der aktuellen Linke-Wähler wählen. Auch bei SPD- und Grünen-Wählern käme Ramelow auf eine Mehrheit (62 beziehungsweise 50 Prozent). Von den CDU-Wählern würden sich immerhin noch 31 Prozent für den Linken entscheiden, 20 Prozent der FDP-Wähler und 13 Prozent der AfD-Wähler.

Mohring und Höcke haben keine Mehrheit in der Wählerschaft ihrer Parteien. Mohring findet unter den CDU-Wählern nur 42 Prozent Zustimmung, würde aber auch von 32 Prozent der FDP-Wähler gewählt werden. AfD-Herausforderer Höcke schafft es mit 39 Prozent ebenso nicht, eine Mehrheit der eigenen Wähler von sich zu überzeugen. Sowohl Mohring als auch Höcke können bei den Linke-, SPD- und Grünen-Wählern kaum punkten. Für Höcke würden zudem kaum FDP-Wähler stimmen.

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