Björn Hornschu aus Steinthaleben tritt als AfD-Kandidat an

Björn Hornschu aus Steinthaleben tritt als Kandidat der Alternative für Deutschland (AfD) bei der Landratswahl im Kreis an .

AfD-Landratskandidat Björn Hornschu (50) hat an seinem Haus in Steinthaleben seinen Heimatbegriff auf einer Steintafel verewigt .

AfD-Landratskandidat Björn Hornschu (50) hat an seinem Haus in Steinthaleben seinen Heimatbegriff auf einer Steintafel verewigt .

Foto: Timo Götz

Sie wollen zum Landrat gewählt werden, Herr Hornschu. Warum greifen Sie nach dem höchsten Amt im Landkreis?

Ich bin ausgebildeter Offizier im 30. Dienstjahr. Ich hatte in meiner Laufbahn verschiedenste Führungsverwendungen. Nach meiner Ausbildung zum Schlosser habe ich während meiner Dienstzeit eine Meister- und Technikerausbildung durchlaufen, ebenso die Laufbahnprüfung des mittleren Diensts und des gehobenen Diensts absolviert. Ich traue mir zu, als erster Kommunalbeamter einer unteren Kommunalbehörde – dies im Kyffhäuserkreis – zu dienen und diese zu führen!

Sollten Sie das Amt übernehmen, was würde sich dann in den kommenden sechs Jahren im Landkreis verändern?

Um mindestens 20 Plätze soll sich der Kyffhäuserkreis im Regionen-Ranking der Zeitschrift Focus verbessern, wenn ich sechs Jahre lang als oberster Kommunalbeamter im Landkreis arbeiten könnte. In diesem Vergleich fiel die Region zuletzt um mehr als zehn Ränge auf Platz 362 von insgesamt 381 bewerteten Landkreisen ab. Diesen Trend will ich auf jeden Fall umkehren. Um das zu erreichen, würde ich dafür sorgen, dass die Menschen hier ehrliche Arbeit, von der sie leben können, und eine gute Lebensqualität vorfinden. Viele Menschen werden dann wieder in ihre Heimat zurückkehren. Ich denke, dass es sogar gelingt, Leute aus einem überteuerten urbanen Umfeld zu überzeugen, ihren Lebensmittelpunkt in den ländlich geprägten Kyffhäuserkreis zu verlagern. Solche Zuwanderung würde ich so lenken, dass sie sich in vorhandenen Ortsstrukturen niederlassen – und dies im Einklang mit der Erschließung von Baugebieten.

Den Begriff Lebensmittelpunkt verwenden Sie häufig. Ist Heimat verbraucht?

Nein, ganz im Gegenteil! Heimat ist etwas, woran meine Herz hängt, die Scholle, auf der ich mich wohl und zuhause fühle. Das sollte natürlich auch mein Lebensmittelpunkt sein. Insofern unterscheiden sich die Begriffe in meinem Verständnis nicht. Das steht nicht immer im Einklang mit unserer Welt. Leider aber müssen viele Familien auch hier im Kyffhäuserkreis in ihrem Alltag mit zwei oder mehr Lebensmittelpunkten klarkommen. Arbeitsorte liegen zu oft fern der Heimat.

Politisch lag Ihre Heimat lange Zeit bei der CDU. Nun treten Sie für die AfD an. Warum der plötzliche Parteiwechsel?

Von einem plötzlichen Wechsel kann keine Rede sein. Ich bin bereits 2013 der AfD beigetreten. Bei der Landratswahl trete ich deshalb an, weil ich persönlich etwas für die Menschen in der Region tun möchte. Zur AfD bin ich gewechselt, weil ich mit der Unterstützung der Bundesregierung für das verschuldete Griechenland nicht einverstanden war. Deshalb kehrte ich damals auch der CDU den Rücken. Dort war ich zuvor mit einer Unterbrechung seit Mitte der 1990er-Jahre politisch aktiv gewesen.

Nun wird Spitzenvertretern der AfD immer wieder vorgeworfen, sich demokratiefeindlich, teilweise rechtsextrem zu äußern. Wie stehen Sie dazu?

Es gibt Statuten und Paragrafen in der Satzung der AfD, die regeln, wie mit derartigem Verhalten einzelner Personen umzugehen ist. Ich habe volles Vertrauen, dass diese Regelungen auch zur Anwendung kommen. Sicherlich sind manche Äußerungen wenig zweckmäßig für die Außenwirkung unserer Partei. Mich berührt nur indirekt, was auf Bundesebene oder in den Landesverbänden passiert, stehe aber für die Ziele des AfD-Landesprogramms für Thüringen. Ich sehe meinen Verantwortungsraum als Kandidat für das Landratsamt allein im Kyffhäuserkreis.

Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich die Region wirtschaftlich gut entwickelt hat. Prognosen gehen davon aus, dass neue Arbeitsplätze entstehen. Warum behaupten Sie in ihrem Programm, im Landkreis herrsche seit Jahren Stagnation?

Es passiert einfach nichts, was den Landkreis wirklich voranbringen könnte. Auf der Wirtschaftsfläche in Artern, die von der Landesentwicklungsgesellschaft vermarktet wird, hat sich seit 2014 nichts getan. Es gibt nicht mal einen ordentlichen Straßenanschluss an die räumlich nahen Autobahnen 38 und 71 und die Landesstraße 1172. Es ist aber auch kein Wunder, wenn man sich die Finanzen vom Landkreis ansieht: Von gut 120 Millionen Euro werden schon mehr als 70 Millionen für soziale Aufgaben ausgegeben, somit ist man nicht mehr handlungsfähig! Mit mehr verfügbarem Geld könnte auch die Entwicklung im Kyffhäuserkreis vorangetrieben werden. Das funktioniert doch woanders auch, in der Nordhäuser Region oder im Speckgürtel von Erfurt zum Beispiel. Da muss man als Landrat selbst mal aktiv was anschieben.

Was haben Sie denn vor?

Na, in erster Linie will ich es Unternehmen, die sich hier schon angesiedelt haben oder in der Region entstanden sind, deutlich leichter machen. Dafür würde ich mich als Landrat auch gegen Forderungen und Einschränkungen durch Europa, den Bund oder das Land persönlich stark machen. Und natürlich immer für die einheimischen Unternehmer als Ansprechpartner auf Augenhöhe zu Verfügung stehen.

Mit Neuansiedlungen von großen Firmen stehen Sie wohl eher auf Kriegsfuß?

Nur dann, wenn Unternehmen hier Zweigfirmen aufbauen, deren Erträge aber irgendwo im Mutterbetrieb abgeschöpft werden. Das bringt doch unserem Landkreis nichts. Außerdem haben wir eigene Firmen, vom Handwerker über Mittelständler bis hin zu Industriebetrieben, die wirtschaftlich und gewinnorientiert arbeiten. Ich würde trotzdem jede weitere Neuansiedlung unterstützen, die dem Landkreis wirtschaftlich nutzt. Den Erfolg sehe ich in einer Mischkalkulation für den Kyffhäuserkreis auf zwei Standbeinen: das touristische Standbein und das industrielle Standbein. Diese Mischkalkulation bringt rascher die Gewinnzone!

Klingt ja, als wollten Sie den Kyffhäuserkreis wirtschaftlich abschotten. Gleichzeitig fordern Sie, dass die Region mehr von der Globalisierung profitiert. Wie verträgt sich das?

Die hier ansässigen Unternehmen sollen schon an das globale Wirtschaftssystem oder den weltweiten Tourismus angeschlossen bleiben, um daraus so viel Gewinn wie möglich zu erwirtschaften. Dafür müssen sie hier auch die nötige Infrastruktur vorfinden. Der Profit sollte dann aber auch in der Region bleiben.

Sie wollen ja sogar geltende Rechtsverordnungen außer Kraft setzen, von denen Sie meinen, dass sie nicht zweckmäßig sind. Stellen Sie sich über das Gesetz?

Einige Regelungen sollte der Spitzenbeamte einer Kommunalverwaltung schon nach eigenem Ermessen außer Kraft setzen können, in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachreferaten, ohne die Sorg-faltspflicht zu verletzen, versteht sich. Eigentlich ist es sogar die Aufgabe eines Landrates, von vornherein zu verhindern, dass überhaupt Verordnungen entstehen, die den Menschen im Landkreis schaden.

Welche gültige Regelung ist denn zum Schaden der Bewohner vom Kyffhäuserkreis?

Beispielsweise das Verbot, Baumschnitt zu verbrennen. Das sollte in einer ländlichen Region wie dem Kyffhäuserkreis sofort aufgehoben werden, weil es den Leuten nur Ärger bereitet. Oder die Pflicht zu Straßenausbaubeiträgen; die sollte vom Landratsamt sofort außer Kraft gesetzt werden. Die Kosten dafür sind doch positive Schulden und für den Landkreis eine Investition; vergleichbar mit den Investitionen in Schulneubauten. Diese werden als positive Schulden im Haushaltsplan 2017/2018 transportiert!

Finanziell wollen Sie dem Landkreis mit einer Kyffhäuseranleihe auf die Sprünge helfen. Kann sich dann jeder ein Stück vom Landkreis kaufen, und wofür soll das damit eingenommene Geld verwendet werden?

Wer so eine Anleihe erwerben würde, bekäme damit kein Anrecht auf irgendeine Leistung. Es geht darum, etwas zu geben, damit für Vorhaben auf kommunaler Ebene immer Mittel zur Verfügung stehen, um kurzfristig etwas Sinnvolles zu bewegen. Diese Anleihe soll Teilhabe sein – ein Identifikationsmerkmal. Ich selber möchte mich mit monatlich 300 Euro beteiligen. Was damit geschieht, darüber könnte in den Kyffhäuserkonferenzen entschieden werden, zu denen ich Bürger, Kommunalpolitiker, Wirtschaftsvertreter, die Fachreferate des Landratsamts, aber auch aktive Ehrenamtliche des Landkreises einmal im Vierteljahr einladen würde.

Das Ehrenamt wollen Sie stärker würdigen. Soll es denn noch eine Gala oder Preisverleihung geben?

Auf keinen Fall! Stattdessen würde ich so oft es geht Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen, fragen, wo sie Unterstützung bräuchten. Ein Händedruck ist dabei mehr Anerkennung als irgendeine Medaille.

Sie wollen ein Bildungssystem, das Kinder vom frühesten Alter an stark auf ihre Heimat prägt. Bildung aber ist Landessache. Wie soll ein Landrat darauf Einfluss nehmen?

Es geht darum, die Kinder über Kindergarten oder Schule hinaus mit der eigenen Heimat zu verflechten. Das fängt damit an, dass ihre speziellen Talente frühzeitig in der Schule, in Vereinen oder Jugendeinrichtungen erkannt und gefördert werden. Später könnten sie dann zielgerichtet mit Unternehmen in Kontakt gebracht werden, in denen ihre Fähigkeiten gefragt sind. So verwurzeln sie auf Dauer mit der Region, weil sie hier als ganzheitliche Persönlichkeit anerkannt und unterstützt werden. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, da müssen alle Bewohner der Region mitwirken.

Deshalb sollen die Menschen wohl Bänke vor den eigenen Häusern aufstellen – um andere im Blick zu behalten?

Genau. Die Bänke vor den Türen muss es wieder geben, damit die Menschen wieder Orte finden, um die Gemeinschaft auch im Alltag zu pflegen. Nur so ist es möglich, wieder funktionierende Dorfgemeinschaften zu schaffen, Strukturen, in denen die Menschen Kommunikationsschnittpunkte haben.

Trotzdem verlangen Sie ein besseres Sicherheitskonzept für den Kyffhäuserkreis?

Die Polizei muss mehr Präsenz auf den Straßen im Landkreis zeigen. Das kann auch in den bestehenden Strukturen, in denen der Innenminister des Landes und der Thüringer Polizeipräsident die maßgeblichen Akteure sind, geregelt werden. Der Landkreis sollte sich keine eigene Entscheidungskompetenz in Sicherheitsfragen anmaßen. Aber der Landrat müsste auf Arbeitsebene schon ein gewichtiges Wort mitreden können, wenn es um die Strukturen und die Personalstärke der Polizei im Landkreis geht. Hier gibt es Möglichkeiten der Umgliederung auf Arbeitsebene und landkreisübergreifende Maßnahmen. Es muss so schnell wie möglich daran gearbeitet werden, die Polizeistärke im Kyffhäuserkreis zu erhöhen.

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