Bundeswehr grundsätzlich bereit, bei Waldrettung in Thüringen zu helfen

Erfurt  CDU-Chef Mike Mohring fordert die Bundeswehr bei der Rettung des Waldes in Thüringen einzusetzen. Thüringenforst will sich den Vorschlag überlegen. Die Truppe wäre bereit.

Der Borkenkäfer setzt derzeit dem Wald in Thüringen zu. Etwa vier Millionen Festmeter Fichten und Buchen sind 2019 im Freistaat betroffen.

Der Borkenkäfer setzt derzeit dem Wald in Thüringen zu. Etwa vier Millionen Festmeter Fichten und Buchen sind 2019 im Freistaat betroffen.

Foto: Sascha Fromm

Die von CDU-Landeschef Mike Mohring am Dienstag erhobene Forderung, die Bundeswehr um Amtshilfe bei der Bewältigung der Waldkrise zu bitten, ist bei den Fachleuten von Thüringenforst auf offene Ohren gestoßen.

„Diese Option wird durchdacht“, sagte Thüringenforst-Sprecher Horst Sproßmann auf Anfrage unserer Zeitung. Man habe zwar noch keinen Kontakt zur Bundeswehr aufgenommen, „doch wir wissen nicht, was noch kommt.“

Oberstleutnant Michael Weckbach, Sprecher des Landeskommandos, bestätigte auf Nachfrage: „Grundsätzlich ist solche Amtshilfe möglich.“ Ein Beispiel aus Thüringen gibt es bereits: Nach Kyrill, dem Winterorkan 2007, stellte die Bundeswehr bei Ohrdruf Zwischenlagerplatz für Holz bereit. Auch mit Technik könne die Bundeswehr aushelfen, so Weckbach.

Waldschutz mit Zivilisten

Der Weg für den Einsatz der Truppe im Wald ist also prinzipiell frei. Für CDU-Chef Mohring ist die Zeit der Amtshilfe bereits gekommen. „Die Forstbediensteten und die Waldeigentümer arbeiten bereits über der Belastungsgrenze.“ Vom Borkenkäfer befallenes Holz müsse unverzüglich aus dem Wald geschafft werden, um die Käferplage einzudämmen und das Bäumesterben zu begrenzen.

Noch setzt Thüringenforst, als Anstalt öffentlichen Rechts dem Ressort von Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (Linke) unterstellt, auf Waldschutz mit Zivilisten.

Circa hundert ehemalige Revierförster, Waldarbeiter und Jäger werden ab Ende August als Forstschutzhelfer im staatlichen Auftrag die Wälder nach Borkenkäfern durchsuchen. Befallene Bäume werden mit Farbe markiert und auf Landkarten lokalisiert, damit sie später abtransportiert werden können. 200 bis 500 Hektar groß sind die Flächen, die jeder Forstschutzhelfer kontrollieren soll. Vergütet wird die Arbeit mit 630 Euro brutto im Monat.

Aufenthalt im Wald momentan riskant

Allein schon die Suche und der Aufenthalt im Wald sind momentan riskant. Das gilt nicht nur für den Nationalpark Hainich. Erstmals in dessen Geschichte wird vor dem Betreten des Waldes mit Schildern „Vorsicht Bruchgefahr“ gewarnt.

Wirklich lebensgefährlich ist das Fällen ausgedörrter Bäume. Wenn Waldarbeiter, wie üblich, Keile in die Stämme hämmern, können die Erschütterungen sogar vertrocknete Kronen jäh zum Einsturz bringen.

Zum Schutz der Mitarbeiter hat Thüringenforst jetzt 27 hydraulische Fällkeile (Stückpreis 2700 Euro) bestellt, die am Stamm angebracht und per Funk aus sicherem Abstand gesteuert werden.

Aktionsplan zur Rettung des Waldes in Thüringen:

Angesichts der besorgniserregenden Entwicklung des Waldes in Thüringen, in dem etwa 15.000 Pflanzen- und Tierarten leben, hat die Landesregierung einen „Aktionsplan Wald 2030“ mit zwölf Maßnahmenpunkte beschlossen.

  • 1. Schadenserkennung: Erfassung der Borkenkäferbefallsherde technisch verbessern und regional erweitern.
  • 2. Lagerung, Logistik: Lagerkapazität für Schadholz aufbauen. Für schnellere Vernichtung Transportgewicht bei LKW auf 44 Tonnen erhöhen.
  • 3. Nachhaltiger Waldumbau: Aufbau artenreicher Mischwälder; Wasserspeicher und Moore sanieren; Dezimierung des Wildtierbestandes.
  • 4. Waldbrandschutz: Sanierung von Feuerlösch- und Dorfteichen; mehr Waldbrandausstattung für Feuerwehren.
  • 5. Nachhaltig bauen: Bei Schulen, Kitas, Sportstätten vorbildhaft verstärkt Holz verbauen.
  • 6. Thüringenforst-Kompetenzzentrum für Waldumbau: stärken.
  • 7. Forstliche Forschung: stärken.
  • 8. Landwirtschaft hilft Forstwirtschaft: Kommunikation verbessern.
  • 9. Private Waldeigentümer beraten und Ordnungsrecht anwenden: Unterstützung beim Aufbau empfohlener Waldbestände; Maßnahmen gegen Waldbesitzer, die ihre Eigentumsverantwortung nicht wahrnehmen.
  • 10. Kommunalwald nachhaltig umbauen: Verwaltungsvorschriften ändern, damit Kommunen ihre Wälder nicht verkaufen müssen.
  • 11. Bund muss Verantwortung übernehmen.
  • 12. Kosten des Aktionsplans: 500 Millionen Euro über zehn Jahre.

jj

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