CDU holt beide Direktmandate im Kyffhäuserkreis

Kyffhäuserkreis. Manfred Scherer und Gudrun Holbe (beide CDU) haben die Direktmandate im Kreis gewonnen. Dorothea Marx (SPD) rückt über die Landesliste ins Parlament.

Manfred Scherer (CDU) gewann das Direktmandat im Westkreis und kritisierte deutlich die CDU-Ministerpräsidentin.

Manfred Scherer (CDU) gewann das Direktmandat im Westkreis und kritisierte deutlich die CDU-Ministerpräsidentin.

Foto: zgt

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<p>Scherer präsentierte sich dann auch angemessen zufrieden auf seiner Wahlparty in der "Alten Posthalterei" in Sondershausen. Aber nicht so ganz: "Ich bin freudig und erleichtert, dass es mit dem Direktmandat so ausgegangen ist", sagte Scherer.</p> <p>Allerdings war er mit dem Landesergebnis der CDU nicht zufrieden. Zu Recht: Bei den Zweitstimmen liegt die Union in beiden Kreisteilen hinter der Linken. Und da die Zweitstimme auch gern als Ministerpräsidentenstimme bezeichnet wird, ist für Scherer die Sache klar: "Mit jemand anderem in der Staatskanzlei hätten wir besser abgeschnitten." Das ist nicht einmal eine versteckte Kritik an Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU).</p> <p>So weit mochte der CDU-Kreischef Jens Krautwurst dann doch nicht gehen. "Zunächst einmal muss man sagen: Wir haben die Landtagswahl im Kyffhäuserkreis gewonnen", meinte er. Fakt sei natürlich auch, dass die Union das zweitschlechteste Ergebnis seit der Wende in Thüringen eingefahren habe. Aber: "Darüber müssen die Landesgremien beraten und ihre Schlüsse ziehen." Ein klares Bekenntnis zur Ministerpräsidentin sieht anders aus. Gedrückte Stimmung herrschte auch bei der Linken: "Wenn man knapp verliert, ist das sicher enttäuschend", sagte die Direktkandidatin Beatrice Ritzke. Sie hatte 31,9 Prozent der Stimmen bekommen.</p> <p>Dennoch sei man zufrieden, setzte sie hinzu: "Unser Ziel war, unser Ergebnis bei den Zweitstimmen - 2009 hatten wir 27,4 Prozent - zu steigern. Das haben wir mit 30,3 Prozent auch erreicht." Für sie war die spannende Frage, ob es rein rechnerisch am Ende des Abends doch noch für Rot-Rot-Grün auf Landesebene reichen wird.</p> <p>Ausgerechnet die SPD, die am Ende über die zukünftige Regierung im Land entscheiden wird, habe das "Projekt Regierungswechsel" mit ihrem schlechten Ergebnis gefährdet, so Ritzke. "Das Ergebnis tut uns für die SPD schon leid", sagte sie.</p> <p>Bei der Wahlparty der Sozialdemokraten herrschte dementsprechende Katerstimmung. Dabei tröstete die Anwesenden auch nicht mehr, dass die Kyffhäuser-SPD mit 20,8 Prozent für Dorothea Marx und 16,5 Prozent bei den Zweitstimmen eines der besten SPD-Ergebnisse in Thüringen hingelegt hatte.</p> <p>"Das ist nur ein schwacher Trost. Ich glaube, die Wähler hatten eine klare Koalitionsaussage von uns erwarte", sagte Landrätin Antje Hochwind (SPD). "Das war landesweit schon eine derbe Klatsche", meinte die Direktkandidatin Dorothea Marx. Und die Ursache? "Wir sind in der Umarmung der großen Parteien zerdrückt worden." Marx wird dank Listenplatz 3 dennoch auch im neuen Thüringer Landtag sitzen.</p> <p>Man habe es nicht geschafft, die Erfolge der SPD in der großen Koalition mit der CDU den Wählern zu vermitteln, meinte denn auch die SPD-Kreisvorsitzende Cornelia Kraffzick. Zufrieden könne sie nicht sein.</p> <p>Im Ostkreis ein ähnliches Bild: Als Gudrun Holbe (CDU) gestern Abend in der Klosterschenke in Kloster Donndorf das Sektglas erhob und allen Mitstreitern dankte, da war die große Anspannung der Stunden zuvor von ihr abgefallen.</p> <p>Denn dass sie das Direktmandat im östlichen Kyffhäuserkreis wieder gewinnen würde, dessen war sie sich alles andere als sicher gewesen, gab Holbe im TA-Gespräch unumwunden zu.</p> <p>Sie hatte mit einem engeren Rennen gegen den Direktkandidaten der Linken, Dietmar Strickrodt gerechnet. Deshalb wurde auf der CDU-Wahlparty gestern Abend mit dem Einschenken der Sektgläser auch gewartet, bis gegen 21 Uhr nur noch aus einem von 57 Stimmbezirken das Ergebnis fehlte und nichts mehr passieren konnte.</p> <p>Holbe gewann den Wahlkreis Kyffhäuserkreis II mit 36,1 Prozent der Erststimmen und damit deutlicher als vor fünf Jahren, als sie nur 424 Stimmen von Torsten Blümel (Linke) getrennt hatten. Diesmal lagen immerhin 839 Stimmen zwischen ihr und Dietmar Strickrodt von der Linkspartei. Parteifreunde aus dem gesamten östlichen Kyffhäuserkreis hatten ab 19 Uhr zusammen mit Holbe bei Würstchen und selbst gemachten Salaten abgewartet, wie die Wahlergebnisse einliefen. Dabei hatte man zunächst mal zu tun, die einzige Ecke der Klosterschenke mit WLAN-Empfang ausfindig zu machen.</p> <p>Holbe hatte den Nachmittag zu Hause mit Aufräumen verbracht, um sich abzulenken. Am Montagmorgen will sie sich nun als erstes ans Abhängen der Wahlplakate machen.</p> <p>Sie ist zuversichtlich, dass eine Regierungsbildung in Thüringen gelingen wird. "Wir werden schon was zustandebekommen", sagte sie gestern Abend. "Wir können ja nicht so oft wählen lassen, bis das Ergebnis uns Politikern passt."</p> <p>Freude auch bei den Linken, die im Wahlkreisbüro ihrer Bundestagsabgeordneten Kersten Steinke in Bad Frankenhausen bei Kürbissuppe und Wiener Würstchen feierten. Wie schon 2009 haben sie bei den Zweitstimmen den Wahlkreis Kyffhäuserkreis II gewonnen, holten 31,1 Prozent der Zweitstimmen, während auf die CDU 30,5 und auf die SPD 16,2 Prozent entfielen. Auch Direktkandidat Dietmar Strickrodt schien nicht enttäuscht, dass es mit dem Landtagsmandat nicht geklappt hat.</p> <p>"Ich habe in Artern, Bad Frankenhausen und Gorsleben gewonnen, meine Partei hat im Wahlkreis wieder gewonnen - ich bin zufrieden", sagte Gorslebens Bürgermeister im TA-Gespräch. Enttäuscht sei er am meisten über die erschreckend niedrige Wahlbeteiligung.</p> <p>Einen Achtungserfolg verbuchte SPD-Direktkandidat Uwe Ludwig. Er holte immerhin 20,7 Prozent der Erststimmen - deutlich mehr, als die Partei bei den Zweitstimmen für sich verbuchen konnte. Geradezu erdrutschartig hat Bürgermeister Ludwig daheim in Kalbsrieth gewonnen: 75, 3 Prozent kreuzten dort seinen Namen an.</p> <p>Das Wahlergebnis hatte er bei der Kirmes im Ort abgewartet und erst mal eine Runde ausgegeben. Erst später am Abend ging es dann zur SPD-Runde nach Sondershausen.</p> <p/>

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