CDU-Kreisvorstand diskutiert Führungspersonal in Sondershausen

Die CDU im Kyffhäuserkreis startete Donnerstagabend mit einer Kreisvorstandssitzung den Versuch, die gravierenden Probleme in den Griff zu bekommen. Neben der Zukunft der Koalition geht es vor allem darum, einen Vorsitzenden zu finden, der die Partei in ruhigeres Gewässer führt.

Jörg Steinmetz werden Ambitionen auf ein Landtagsmandat nachgesagt. Für ihn wäre der Kreisvorsitz ein Sprungbrett auf dem Weg dahin. Foto: Nico Kiesel

Jörg Steinmetz werden Ambitionen auf ein Landtagsmandat nachgesagt. Für ihn wäre der Kreisvorsitz ein Sprungbrett auf dem Weg dahin. Foto: Nico Kiesel

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Sondershausen. Das Programm hatte es in sich: Donnerstagabend trat der Kreisvorstand der CDU zusammen, um die Lage der Partei und die künftige Richtung zu besprechen.

Gleich mehrere Baustellen müssen abgearbeitet werden. Zunächst gilt es, die heillos zerstrittene Kreispartei wieder halbwegs zu einigen - schließlich steht unter anderem im kommenden Jahr ein Bundestagswahlkampf an.

Danach muss die Frage diskutiert werden, wie es mit der großen Koalition auf Kreisebene weitergehen soll. Auch in dieser Frage ist die CDU tief gespalten.

Und dann gilt es natürlich, völlig neues Führungspersonal für Partei und Fraktion zu finden, nachdem Maik Göllert (CDU) vergangene Woche alle Ämter niederlegte.

Kein Wunder, dass sich im Kreisvorstand vor der Sitzung am Donnerstag Unsicherheit breit machte. Unisono verwiesen die von unserer Zeitung befragten Unionspolitiker auf die Sitzung an jenem Tag.

Um dann schließlich doch noch ihre – natürlich rein private – Meinung zu sagen. So meinte Kreisvorstandsmitglied Silvana Schäffer: "Es gibt keinen Grund zur Aufregung, wir sind arbeitsfähig."

Jetzt sei es wichtig, die offenen Fragen zu klären und anschließend "ganz normale Parteiarbeit zu machen", sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Zur Zukunft der Koalition im Kreis sagte sie: "Ich würde mir wünschen, dass es eine Möglichkeit gibt, weiter zusammenzuarbeiten. Daher ist es jetzt wichtig, vorsichtig miteinander umzugehen."

Das sieht CDU-Schwergewicht Jörg Steinmetz ganz anders: "Es wäre mir lieber gewesen, wir wären aus der Koalition ausgestiegen, als die SPD unseren demokratisch ausgewählten Kandidaten Jens Krautwurst abgelehnt hatte." Dadurch dass man sich in der Frage des Ersten Kreis-Beigeordneten von der SPD vorführen ließen, "haben wir am Ende gar nichts erreicht", so Steinmetz.

Aber auch er verbreitete gute Laune: "Die CDU darf an den derzeitigen Problemen nicht zerbrechen, sondern muss daran wachsen."

Lieberknecht will sich heraushalten

Das klingt zwar ein bisschen nach Pfeifen im Wald. Zumindest die Erfurter, die in den Wochen vor der Wahl massiv in die parteiinterne Debatte eingegriffen hatten, dürften sich allerdings nun in etwas mehr Zurückhaltung üben.

"Das ist ein regionales Problem, das auch regional gelöst werden muss", sagte Ministerpräsidentin und Parteivorsitzende Christine Lieberknecht im Gespräch mit unserer Zeitung. Unterstützung vom Landesverband gebe es nur, wenn sie erwünscht sei, setzte sie hinzu. Maik Göllert hatte vor der Entscheidung, wer an der Stelle von Jens Krautwurst kandidieren soll, in Erfurt um Schützenhilfe gebeten. Und sie in persona von Andreas Trautvetter und Mike Mohring bekommen.

Was ihm aber am Ende wohl mehr schadete als nützte.

Doch wie nun weiter? Die Koalitionsfrage ist problematisch. Denn SPD-Landrätin Antje Hochwind hat mittlerweile nachgerechnet: Gemeinsam mit der Linken und ihrer Landratsstimme hätte die SPD 24 Stimmen im Kreistag. Die Mehrheit der 46 Abgeordneten, wenngleich auch ausgesprochen knapp. Sie braucht die derzeit notorisch zerstrittene Union nicht unbedingt.

Die CDU wiederum muss sich fragen, ob sie nach dem Theater, das die SPD in Sachen Kreis-Beigeordnetenwahl veranstaltete, noch eine Vertrauensbasis mit den Sozialdemokraten sieht.

Bei den Personalfragen herrscht auch innerhalb der Union große Unklarheit. Henry Hunger könnte vergleichsweise leicht die Fraktionsführung übernehmen, er gilt als relativ unbeschädigt vom Theater der vergangenen Wochen und erfahrener Kreispolitiker. In Sachen Parteivorsitz sieht es schwieriger aus. Da wäre Gudrun Holbe, die sich offiziell nicht äußern will. Sie war bereits schon einmal Parteivorsitzende, und ihr wird nachgesagt, sie würde sich in Zeiten der Not gern wieder mehr für die Partei engagieren.

Da wäre Jörg Steinmetz, der als erfolgreicher Bürgermeister für viele durchaus wählbar scheint. Andere wiederum meinen, dass sich der Sondershäuser Bürgermeister Joachim Kreyer stärker für die Kreis-CDU engagieren müsse.

Problematisch bei ihm ist allerdings, dass er als Unterstützer von Stefan Schard galt, der als Kandidat für das Amt des Ersten Kreis-Beigeordneten durchgefallen ist.

Eines ist auf alle Fälle klar: Wer auch immer neuer Parteichef wird –- er hat ein hartes Stück Arbeit vor sich. Denn die Christdemokraten sind noch lange nicht über den Berg.

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