Collegium maius in Erfurt wird eingeweiht

Am 24. Juni wird das einstige Hauptgebäude der ältesten Universität Deutschlands als Landeskirchenamt eingeweiht. Das Collegium maius steht aber auch für bürgerschaftliches Engagement.

Gut 66 Jahre nach dessen Zerstörung erstrahlt das Collegium in neuem Glanz. Foto: Susann Fromm

Gut 66 Jahre nach dessen Zerstörung erstrahlt das Collegium in neuem Glanz. Foto: Susann Fromm

Foto: zgt

Erfurt. Jüngst vertrat der Jenaer Historiker Robert Gramsch in einem vielbeachteten Vortrag die Ansicht, dass die Universität Erfurt mit ihrem Privileg von 1379 als die älteste in Deutschland gelten könne. Bald wird er dies mit einem Buch des Geschichtsvereins untermauern.

Aber Erfurts Uni zeichnet sich auch durch ihren Charakter als Bürgeruniversität aus. Sie verdankt sich keinem Monarchen, sondern der Erfurter Bürgerschaft. 1816 geschlossen, war es erneut eine Bürgerinitiative, die die Wiedergründung einleitete. Die 1987 gegründete Universitätsgesellschaft hatte sich zwei Ziele gesetzt: Renaissance der Universität und Rekonstruktion von deren einstigem Hauptgebäude, dem Collegium maius in der Michaelisstraße. Das erste Ziel war 1994 erreicht, die Rekonstruktion brauchte etwas länger.

Das Collegium maius ist eines der bedeutendsten Kulturdenkmale der Stadt Erfurt. Es steht für das spätmittelalterliche Wissenschaftszentrum von europäischem Rang, dessen bekanntester Student und Lehrer Martin Luther war.

Die Vorgängergebäude wurden vermutlich von Beginn an von der Universität genutzt. Während des "Tollen Jahres" kam es im August 1510 zur Zerstörung des Kollegs. Beim anschließenden Wiederaufbau erhielt es seine spätgotische Gestalt mit dem markanten Portal. Im Zweiten Weltkrieg fiel das Collegium maius am 9. Februar 1945 Fliegerbomben zum Opfer. In der DDR-Zeit kam man über Aufbaupläne und die Rekonstruktion des Portals im Lutherjahr 1983 nicht hinaus.

Hier setzte die Universitätsgesellschaft 1987 an, um dem "lateinischen Viertel" sein Herzstück zurückzugeben. Das Collegium maius, dessen Portal man sich als Logo gewählt hatte, wurde darüber hinaus zu einem Symbol für den geistig-kulturellen Aufbruch der friedlichen Revolution 1989. Mit Straßenfesten, Spenden, Ausstellungen u. v. a. rückte die Gesellschaft ihrem Ziel näher.

Verkauf der Immobilie hat manchen geschmerzt

Nach der Errichtung des Rohbaus 1999 stifteten Erfurter die Fenster mit den Symbolen der vier Fakultäten für den Festsaal. Der unvermittelte Verkauf des Gebäudes durch die Stadt an die Evangelische Kirche 2008 hat deshalb manchen engagierten Bürger geschmerzt.

Wenn das Collegium maius am 24. Juni als Verwaltungssitz der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland feierlich eingeweiht wird, gehört aber auch die Universitätsgesellschaft zu den Gratulanten. Als passendes Geschenk hat sie zwei Informationstafeln zur Geschichte des Hauses anfertigen lassen.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.