Das Grüne Band: „Lebendiges Symbol für die Überwindung des Kalten Krieges“

Eisenach  Europäische Initiative „Grünes Band“ als gutes Beispiel der Zusammenarbeit zwischen Mitgliedstaaten der EU und anderen europäischen Ländern.

Der Karstwanderweg Südharz ist ein Teilstück des Grünen Bandes in Thüringen.

Der Karstwanderweg Südharz ist ein Teilstück des Grünen Bandes in Thüringen.

Foto: Sebastian Grimm

Aus dem „Eisernen Vorhang“ – der Europa über Jahrzehnte teilte – ist inzwischen das Grüne Band geworden. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich auf einer Länge von rund 12.500 Kilometern durch Europa. Dabei schlängelt sich das Grüne Band vom Eismeer im Norden Norwegens bis zum Schwarzen Meer an der Grenze zur Türkei, wobei es durch 24 europäische Staaten verläuft, 16 davon sind Mitglied der Europäischen Union.

Die Vertreter der 24 Länder beraten seit gestern auf der 10. Paneuropäischen Grünes-Band-Konferenz auf der Wartburg bei Eisenach über den besseren Schutz dieses Areals. Veranstaltet wird die Konferenz durch den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Euronatur, das Thüringer Umweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz.

„In Anbetracht des fortschreitenden Verlustes der Artenvielfalt und der zunehmenden Fragmentierung von Lebensräumen in Europa“ komme dem Grünen Band ein besondere Bedeutung zu, heißt es in der „Eisenacher Entschließung“, die den 110 Konferenzteilnehmern zur Annahme vorliegt.

Darin erklärten die Vertreter der Länder ausdrücklich ihre Unterstützung für den laufenden Prozess, das Gebiet des innerdeutschen Grüngürtels als ein nationales Naturdenkmal zu schützen. „Wir haben jetzt eine einmalige historische Chance, das Grüne Band als bundesweit erstes flächiges Nationales Naturmonument auszuweisen – mit einem phänomenalen Artenreichtum“, sagte Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne).

Thüringen ist für 763 Kilometer zuständig

Im Thüringer Landtag ist bereits über einen Gesetzentwurf diskutiert worden, mit dem das Grüne Band in Thüringen zum Nationalen Naturmonument erklärt werden soll.

„Fast 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs brauchen wir dieses Mahnmal“, sagte Siegesmund. Hier entwickele sich ein Todesstreifen zur Lebenslinie. „Das Gedenken an die Opfer und die Perspektive nach vorn gehören dabei zusammen, insbesondere, wenn Populisten in ganz Europa demokratische und liberale Grundsätze infrage stellen“, sagte die Ministerin: „Thüringen trägt mit 763 Kilometern die Verantwortung für ein besonders langes Stück des Grünen Bandes. Wenn wir es nicht schützen, ist etwa der Kolonnenweg irgendwann so zurückgebaut und zerschnitten, dass sich an die Geschichte nicht mehr anknüpfen lässt.“

Zahlreiche Lern- und Erinnerungsorte am Grünen Band arbeiten unter oft schwierigen Rahmenbedingungen die deutsche Teilung auf. Mit dem Schutz als Nationales Naturmonument soll dieses Engagement unterstützt werden. Damit sollen Geschichte und Natur gleichermaßen von diesem neuen Schutzstatus profitieren, erklärten die Teilnehmer der Konferenz. „Die Initiative Grünes Band steht modellhaft für grenzübergreifende Zusammenarbeit von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen“, sagte der Vorsitzende des BUND, Hubert Weiger. Nur so könne das Grüne Band als Rückgrat eines europäischen Netzwerkes an Lebensraumkorridoren erhalten und entwickelt werden. Insbesondere in Zeiten einer zunehmenden Fokussierung der europäischen Staaten auf die jeweils eigenen Vorteile und Interessen auf Kosten der Staatengemeinschaft, wird mit der Initiative zum Grünen Band der europäische, völkerverbindende Gedanke gelebt“, so Weiger.

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