Suchthilfe ist gegen geplante Legalisierung von Online-Casinos in Thüringen

Gerald Müller
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Das Glücksspiel am Automaten könnte sich  künftig auf das Internet verlagern. Foto:

Das Glücksspiel am Automaten könnte sich künftig auf das Internet verlagern. Foto:

Foto: Peter Endig / dpa

Erfurt.  Die geplante Legalisierung des Glücksspiels stößt auf Widerstand. Rund 11.000 Süchtige in Thüringen. Besonders anfällig für Sucht sind Ledige in dieser Altersklasse.

Die Thüringer Fachstelle für Glücksspielsucht kritisiert, dass der neue Glücksspielstaatsvertrag das bislang verbotene Online-Glücksspiel deutschlandweit legalisieren wird. Diese Regelung soll ab 1. Juli 2021 gelten, die länderspezifische Ausführung muss in Thüringen noch vom Landtag beschlossen werden.

„Dass Online-Poker und Glücksspiel in Online-Casinos in Zukunft erlaubt sein sollen, ist nicht nachvollziehbar und könnte großen Schaden bringen“, sagt Landeskoordinatorin Claudia Frisch von der Fachstelle im Freistaat. Diese Glücksspielformen hätten besonders hohes Suchtpotenzial.

Süchtige sind meist Männer zwischen 20 und 39

Sie schätzt, dass in Thüringen „ungefähr 11.000 Menschen leben, die ein Problem mit Glücksspiel entwickelt haben“. Pathologisch Betroffene im ambulanten Suchthilfesystem seien überwiegend männlich (81,4 Prozent), größtenteils zwischen 20 und 39 Jahren alt (67,0), ledig (70,8), deutsche Staatsangehörige (97,8), sie verfügen mindestens über einen Realschulabschluss (57,3), haben eine abgeschlossene Lehrausbildung (71,0) und wohnen selbstständig (79,1 Prozent.) Die durchschnittliche Verschuldung beläuft sich in Thüringen auf etwa 47.000 Euro pro Betroffenem, wobei Kontakt zu Beratungsstellen meist erst gesucht wird, „wenn massive soziale Probleme oder finanzielle Nöte bestehen.“

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Corona-Krise wegen geschlossener Spielhallen positiv für Sucht

Claudia Frisch verweist darauf, dass „wir aktuell für die Zulassung von Online-Casinos in Thüringen keinen Bedarf sehen“. Sie spricht von „drastischen Defiziten“ beim Spielerschutz. Selbst wenn wirtschaftliche Interessen und Staatseinnahmen aus dem Glücksspiel ein Motiv für die Genehmigung darstellen, dürfte das „nicht auf Kosten von Einzelschicksalen und des Gemeinwohls erfolgen.“

Zugleich macht Frisch deutlich, dass die Corona-Krise wegen der geschlossenen Spielhallen für die Sucht einen positiven Aspekt hätte. Nun bestehe allerdings die Gefahr, dass sich diese auf das Glücksspiel im virtuellen Raum verlagert.