Delegation sondierte in Taiwan Städte- und Hochschulpartnerschaften

Offiziell beendete die Weimar-Delegation gestern ihre Taiwan-Reise. Im Gespräch ist nun eine Partnerschaft zu Tainan, der ältesten Stadt auf der Pazifik-Insel.

Viel unterwegs: Die Weimarer Delegation  und ihre taiwanesischen Begleiter rasten in Taipeh von einem Termin zum nächsten. Foto: Klaus Bardenhagen

Viel unterwegs: Die Weimarer Delegation und ihre taiwanesischen Begleiter rasten in Taipeh von einem Termin zum nächsten. Foto: Klaus Bardenhagen

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Taipei. Kaum Zeit für eine Verschnaufpause fanden die sechs Weimarer gestern auf dem baumbestandenen Campus der Staatlichen Kunsthochschule, auf einem Hügel am Rand der Hauptstadt Taipeh. Hin- und hergeführt zwischen Ausstellungsräumen und Präsidentenbüro, Videoinstallationen und Studentenkonzerten, loteten sie aus, ob eine Zusammenarbeit denkbar wäre.

Helmut Well war beeindruckt vom 500 Zuhörer fassenden, drei Stockwerke hohen Konzertsaal samt deutscher Orgeltechnik. "Den hätten wir in Weimar auch gern", sagte der Vize-Rektor der Liszt-Hochschule.

Gern würde sie Studenten nach Weimar schicken und auch Deutsche empfangen, sagte Liu Hwei-Jin, Leiterin der Musikabteilung. Ihre Hochschule pflege zu mehr als dreißig Unis in aller Welt Partnerschaften, aus Deutschland seien auf dem Campus zurzeit aber nur eine Studentin aus Detmold und ein Klavierprofessor aktiv.

Ein weiterer Kontakt also, aus dem sich in den kommenden Jahren eine Zusammenarbeit zwischen Weimar und der High-Tech-Schmiede Taiwan entwickeln könnte. Bauhaus-Uni-Rektor Gerd Zimmermann hatte zuvor beim Besuch von Taiwans Nationaler Universität Bekanntschaft mit Bauingenieuren geschlossen, die sich auf Erdbebenforschung spezialisiert haben. Mit dem Feld beschäftigen sich die Weimarer auch, es hat in Taiwan mit seinen hunderten Beben pro Jahr aber weitaus größere Bedeutung. Ein Professor aus Taipeh reist im Juli nach Weimar.

Obwohl die Bauhaus-Uni zwei Partnerhochschulen in China hat und Peking eifersüchtig darüber wacht, dass Taiwan international möglichst wenig Aufmerksamkeit erhält, rechnet Zimmermann nicht mit Problemen: "In der akademischen Welt zählt die Facharbeit, da spielt der Konflikt keine große Rolle."

Politisch ist Taiwan aus deutscher Sicht dennoch kein Land wie jedes andere. Aus Rücksicht auf Pekings "Ein-China-Politik" heißt die Botschaft in Taipeh nur "Deutsches Institut" und unterhält keine diplomatischen Beziehungen. Als die Weimarer Delegation dort an ihrem ersten Tag in Taiwan vorbeigeschaut hatte, wurden ihr aber keine Warnungen auf den Weg gegeben, sagt OB Wolf: "Verbindungen auf lokaler Ebene werden sogar begrüßt."

Für die international isolierte Demokratie Taiwan sind Städtepartnerschaften ein Ersatz für offizielle Diplomatie geworden. So hat Taipeh mehr als 50 Partnerstädte im Ausland, die frühere Hauptstadt Tainan 24. Dort, im Südwesten Taiwans, waren auch die Weimarer zwei Tage zu Gast. Tainan mit seinen 770.000 Einwohnern wurde 1624 als holländischer Handelsposten gegründet. Die Stadt gilt als Taiwans kulturelle Schatztruhe und bietet sich daher an für eine Freundschaft mit Weimar.

Der Besuch bei Bürgermeister Hsu fiel allerdings kurz aus, denn der kämpft gerade um die Nominierung seiner Partei für den Wahlkampf. Tainan wird Ende November mit dem umliegenden Landkreis zusammengelegt und hat dann mehr als 1,8 Millionen Einwohner, die einen gemeinsamen Bürgermeister wählen. "Wir warten das Ergebnis ab", sagte Wolf. "Den Gewinner laden wir für kommendes Jahr nach Weimar ein."

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