Der AfD fehlt Personal für die Kommunalwahlen

Erfurt  Die Partei tritt im April nur mit 13 Kandidaten an. Sie positioniert sie in ausgesuchten Landkreisen und Städten.

Gerade einmal 13 Kandidaten für die Landrats- und Bürgermeisterwahlen im April hat die AfD aufgestellt.

Gerade einmal 13 Kandidaten für die Landrats- und Bürgermeisterwahlen im April hat die AfD aufgestellt.

Foto: Maja Hitij

Die AfD will zu den Landtagswahlen 2019 stärkste Partei in Thüringen werden. Dennoch hat sie gerade einmal 13 Kandidaten für die Landrats- und Bürgermeisterwahlen im April aufgestellt – alles Männer übrigens. Mehr, hieß es von der Partei, sei nicht geplant, zumal die Anmeldefrist Freitag endet.

Angesichts des Umstands, dass in deutlich mehr als 100 Thüringer Kreisen, Städten und Gemeinden abgestimmt wird, wirkt die Zahl 13 sehr übersichtlich. Einen Kontrast dazu bilden auch die jüngsten Wahlergebnisse und Umfragewerte der AfD. So erreichte die Partei bei der Bundestagswahl im vergangenen September in Thüringen 22,7 Prozent und lag damit auf Platz 2 hinter der CDU. In Umfragen für die Landtagswahl, die in eineinhalb Jahren stattfinden dürfte, steht sie mit knapp 20 Prozent auf Platz 3.

Grund für die unterschiedliche Lage in Land und Kommunen: Die AfD besitzt nur etwas mehr als 1000 Mitglieder – und noch eine sehr kleine örtliche Basis. Bei den letzten Wahlen für die Kreistage sowie Stadt- und Gemeinderäte im Jahr 2014 war die Partei gerade frisch gegründet und trat fast nirgendwo an. Zudem dominierten Personalquerelen und Flügelkämpfe.

Bis heute gilt: Der AfD fehlt es vielerorts an Menschen, die von der Partei selbst für wählbar gehalten werden. So ließ der Landesvorstand vor den Landratswahlen im Saale-Orla-Kreis im Januar die lokalen Bemühungen, einen Kandidaten aufzustellen, nach dem zweiten Anlauf stoppen: Man hielt, wie es hieß, die beiden Bewerber für nicht vorzeigbar.

Auch in Arnstadt verzichtete man auf den festen Plan, einen eigenen Bürgermeisterkandidaten zu nominieren. Man habe zu diesem Zeitpunkt „keinen kommunalpolitisch geeigneten und versierten Kandidaten“ gefunden, teilte der Chef des Kreisverbandes Ilmkreis-Gotha und Bundestagsabgeordnete Marcus Bühl mit.

Die Intrigen, Anzeigen und Vorwürfe, die zuletzt den Kreisparteitag bestimmten, mögen dabei eine Rolle gespielt haben. Allerdings schaffte es der Kreisverband, im Ilm-Kreis einen LKA-Beamten Sebastian Thieler als Landratskandidaten aufzustellen – und im Landkreis Gotha den Chef der Verwaltungsgemeinschaft Fahner Höhe, Stephan Müller, der bis voriges Jahr in der CDU war.

Überhaupt scheint die Partei erkennbar bemüht, ihre wenigen Kandidaten effektiv einzusetzen. So tritt sie in sechs der 14 Landkreise an, in denen Landräte gewählt werden.

Im Ilm-Kreis und im Altenburger Land greift sie die einzigen zwei Landrätinnen an, die von der Linken aufgestellt werden. In beiden Regionen erzielte sie zudem bei früheren Wahlen besonders hohe Ergebnisse.

In zwei weiteren Kreisen, in denen die AfD antritt (Sonneberg und Gotha), gehen die Amtsinhaber in Pension. Dort ist die Entscheidung also offener. Und: Auch hier waren die Bundestagswahlergebnisse überdurchschnittlich – genauso wie im Kyffhäuserkreis und Sömmerda, wo die Partei es zumindest schaffen könnte, die Amtsinhaber von SPD und CDU in die Stichwahl zu nötigen.

Die Konkurrenz wirkt besorgt

Dennoch steckt dahinter eher keine austarierte Strategie. In der Partei selbst heißt es, dass das wichtigste Kriterium immer die jeweilige Personallage war: Wo ein williger Kandidat existierte, der die eigenen Anhänger überzeugte, wurde er nominiert. Wo nicht, gibt es eben keinen.

Abgesehen von den Landratskandidaturen hat die AfD sieben Bewerber für Oberbürgermeister und Bürgermeister aufgestellt. In Erfurt tritt Landeschef Stefan Möller an, darüber hinaus gibt es AfD-Herausforderer in Gera, Jena, Eisenach, Gotha, Sömmerda und Zeulenroda-Triebes. Während die Kandidaturen in der Landeshauptstadt oder in der Universitätsstadt Jena wohl vorerst nur symbolische Bedeutung besitzen, scheint anderswo, wie etwa in Gera oder in Sömmerda, zumindest das Erreichen der Stichwahl nicht ausgeschlossen.

Bei CDU, SPD und Linken nimmt man die Kandidaturen jedenfalls ernst. Der AfD gehört derzeit das politische Momentum, zudem sind bei lokalen Wahlen immer mal wieder Überraschungen möglich.

Die SPD-Chefin im Ilm-Kreis, Alexandra Eckert, formulierte es zuletzt sogar so: „Die AfD kann einen Sack Kartoffeln aufstellen, 25 bis 30 Prozent der Wählerstimmen sind ihr sicher.“ Auch deshalb, sagte sie, verzichte man auf einen eigenen Kandidaten und unterstütze wieder Landrätin Petra Enders.

Sowieso gelten die Wahlen im April für die AfD nur als Testlauf. Im Frühjahr 2019 werden die Kommunalparlamente gewählt und im Herbst die Landtagsabgeordneten. Dann, sagt der Landesvorsitzende Stefan Möller, wolle man überall antreten, „flächendeckend“.

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