Der Kampf um die Macht in Thüringen: Die SPD

Erfurt. Wir stellen vor der Landtagswahl am 14. September die zwölf zur Wahl zugelassenen Parteien vor. Ungeachtet ihrer politischen Inhalte und Ausrichtungen. Heute: Die SPD. CDU, Linke und SPD haben in Thüringen in 25 Jahren so manche Krise durchlebt. Jetzt könnte die nächste drohen. Warum die SPD an ihrer Mittelposition leidet.

Heike Taubert ist Spitzenkandidatin der SPD. Foto: Alexander Volkmann

Heike Taubert ist Spitzenkandidatin der SPD. Foto: Alexander Volkmann

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Zwischen Einfluss und Ohnmacht

Die neuere Geschichte der Thüringer SPD lässt sich am besten anhand des Mannes erzählen, der sie mindestens 15 Jahre lang prägte. Als sich am 7. Oktober 1989, zum 40. Jahrestag der DDR, die Sozialdemokratische Partei (SDP) gründete, war er von Anfang an dabei. Der gerade mit einem Abschluss versehene Theologe aus Jena saß plötzlich im Parteivorstand in Berlin und danach im Bundestag in Bonn.

Daheim in Thüringen hatte da die SPD schon ihre erste Wahl mit 22,8 Prozent verloren. Sie setzte dummerweise mit Friedhelm Farthmann auf einen Spitzenkandidaten von außen. Die CDU kam auf doppelt so viele Stimmen wie die Sozialdemokraten und regierte mit der FDP. Partei- und Fraktionschef Gerd Schuchardt musste mit der SED-Nachfolgepartei und einer zerstrittenen Bürgerrechtler-Fraktion die Opposition geben.

Die Erleichterung war umso größer, als 1994 eine entzauberte Union nur noch auf gut 40 Prozent kam, derweil die SPD auf fast 30 Prozent anwuchs. Da die Liberalen aus dem Landtag geflogen waren, blieb der CDU nur die Große Koalition, die damals noch diesen Namen verdiente.

Ministerpräsident Bernhard Vogel pflegte Schuchardt, so gut er konnte, was dieser wiederum mit übergroßer Loyalität zurückzahlte. Der einzige, der die Harmonie störte, war der aus dem Saarland importierte Innenminister Richard Dewes, der sich auf Kosten der Union profilierte und bald die Macht in der Partei übernahm.

Die Abstimmung 1999 wurde zur Schicksalwahl. Die SPD stürzte unter Dewes um zehn Prozentpunkte auf 18,5 Prozent ab, was mit dem Bundestrend, aber eben auch mit dem streitbaren Spitzenkandidaten zu tun hatte.

Und wieder ging es in die Opposition. Zudem mussten nun die Jungen ran. Der Bundestagsabgeordnete Matschie, damals gerade 38, wurde Landeschef - und eine gewisse Heike Taubert seine Stellvertreterin.

Doch der Neue bekam die zutiefst gespaltene Partei nicht diszipliniert, was insbesondere an dem ungeklärten Verhältnis zur PDS lag - und natürlich an Richard Dewes, der zurück an die Spitze drängte. Matschie schlug die Angriffe mit rabiaten Methoden zurück, konnte aber nicht verhindern, dass die SPD im Jahr 2004 - auch Hartz-IV-bedingt - auf 14,5 Prozent absackte. Der Parteichef überlebte politisch nur knapp und wurde ebenso knapp zum Fraktionschef gewählt.

So begehrt wie nie

Einen Vorteil besaß die Situation: Tiefer konnte die Partei kaum mehr sinken. Oder doch? 2008 forderte Dewes den Parteichef ein letztes Mal heraus. Matschie vermochte ihn in einer Urabstimmung zu schlagen, in der die rot-rote Frage aber nur halb beantwortet wurde. Koalition ja, aber nicht unter einem linken Ministerpräsidenten, lautete der Formelkompromiss.

Dank einer ordentlichen Oppositionsarbeit und der Krise der CDU, die nach dem Unfall von Dieter Althaus eskalierte, erreichte die SPD immerhin wieder 18,5 Prozent - und war begehrt wie nie. Ohne sie konnten weder CDU noch Linke regieren.

Matschie spielte beide Seiten gegeneinander aus, bis er vier Ministerposten und fast alle Ziele durchgesetzt hatte - und wählte dann die sicherere Koalition mit der CDU. Doch trotz dieser guten Basis und mancher Erfolge blieb er als Minister blass, derweil Wirtschaftsminister Matthias Machnig Dewes-artig dominierte, bis ihn die Pensionsaffäre zur Rückkehr nach Berlin nötigte.

Das Ergebnis all dessen heißt Heike Taubert, die, weil Matschie bis zuletzt pokerte, viel zu spät als Spitzenkandidatin nominiert wurde. Ihr Ergebnis dürfte am Sonntag im Rahmen früherer Ergebnisse bleiben - was bedeutete, dass es nicht für die Staatskanzlei reicht. Aber sie darf wohl entscheiden, wer statt ihrer dort einziehen darf.

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