Dicke Luft um die Lüftung in den Weimarer Schulen

Weimar.  Die einen reden von virenentlastenden Luftfilteranlagen, die anderen von modernen Lüftungsanlagen.

Der Schulcampus am Paradies mit der Albert-Schweitzer-Grundschule und der Carl-Zeiss-Gemeinschaftsschule in Weimar West besitzt eine moderne Lüftung.

Der Schulcampus am Paradies mit der Albert-Schweitzer-Grundschule und der Carl-Zeiss-Gemeinschaftsschule in Weimar West besitzt eine moderne Lüftung.

Foto: Michael Baar

Die Absage von Oberbürgermeister Peter Kleine hat die Diskussion um den testweisen Einsatz von Luftfilteranlagen in Weimarer Schulen nicht beendet. Dirk Möller, der Fraktionsvorsitzende der Linken im Stadtrat, hat den Vorstoß seiner Fraktion noch einmal bekräftigt: Er hält es für angeraten, zumindest mit der Weimarer Wohnstätte als Eigentümer, Gespräche über die Mach- und Finanzierbarkeit von Lüftungsanlagen zu führen.

Vorgeschlagen hatte die Fraktion die Teilnahme an „einem Pilotprojekt zur Erprobung und Datensammlung virenentlastender Luftfilteranlagen in Weimarer Schulen“. Weimars OB lehnte ab: Die Stadt werde nicht mit Grundschülern experimentieren. Die Geräte seien bisher nicht als wirksamer Corona-Schutz getestet.

Unterstützung erhielten die Linken überraschend vom FDP-Kreisvorsitzenden und Stadtrat Hagen Hultzsch. Der sah die Handlungsnotwendigkeit allerdings bei Land und Bund: „Wenn wir Milliardenhilfspakete für Corona geschnürt haben, sollten wir dann nicht auch einige Millionen in die umgehende Ausstattung unserer Schulen mit Luftfiltern gegen Corona investieren und riskieren?“ Schlimmstenfalls werde daraus ein Konjunkturpaket für Mittelständler. Hultzsch sprach sich für schnelles Handeln der Landesregierung aus. Sie solle Schulträgern wie der Stadt Weimar das Geld für die Luftfilter zur Verfügung stellen.

Wer sich in Thüringen wofür einsetzt, das ist in der politischen Auseinandersetzung derzeit ohnehin nur schwer zu überschauen. Das Bildungsministerium empfiehlt Stoßlüften. Ein Untersagen des probeweisen Einsatzes von Luftfiltern will Dirk Möller darin nicht erkennen. Die Stadt beruft sich dagegen auf eine solche Aussage aus einer Telefonkonferenz. Möller wiederum verweist auf Forderungen des Ministerpräsidenten und Vertretern mehrerer Landtagsfraktionen nach der flächendeckenden Versorgung mit Lüftungsanlagen. – Was aber etwas anderes ist als eine Luftfilteranlage.

Moderne Lüftungsanlagen gibt es bereits in einigen Weimarer Schulen. So wurden beispielsweise auf dem Schulcampus in West die Albert-Schweitzer-Grundschule und die Carl-Zeiss-Gemeinschaftsschule, in Nord die Lucas-Cranach-Grundschule und die Adolf-Diesterweg-Schule, in Schöndorf die Grund- und die Regelschule sowie in der Nördlichen Innenstadt die Johannes-Falk-Grundschule mit solchen Anlagen bei Sanierung und Neubau ausgestattet. Für die vor der Fertigstellung befindliche Park-Regelschule am Rathenauplatz ist das ebenso anzunehmen.

Allerdings sind diese Anlagen nicht zuerst für den Infektionsschutz errichtet. Diese Anlagen sollen stets für frische Luft sorgen, die mit Sauerstoff angereichert ist. Durch eine Wärmetauscherfunktion kommt die Frischluft auch nicht kalt, sondern vorgewärmt in die Klassenräume, erläutert Architekt Stefan Nitschke, dessen Büro an drei Schulen maßgeblich beteiligt war.

Einen Nebeneffekt für die Virusbelastung könne der Luftaustausch allerdings ebenfalls haben. Denn die eventuell virusbelastete Luft werde permanent mit frischer Luft verdünnt. Im Gegensatz zum derzeit empfohlenen Stoßlüften werde es durch die vorgewärmte Frischluft aber nicht kälter im Unterrichtsraum.