Die Kritik am Wolf bringt diesen Thüringer CDU-Politiker in Schwierigkeiten

Erfurt  Nabu wirft Egon Primas vor, den Boden für illegale Bejagung des Raubtiers zu bereiten, und winkt mit dem Staatsanwalt.

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Foto: Lino Mirgeler

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Wegen wolfskritischer Bemerkungen in der Öffentlichkeit drohen dem CDU-Landtagsabgeordneten Egon Primas strafrechtliche Konsequenzen.

„Äußerungen wie von Egon Primas zum Abschuss von Wölfen“ seien „äußerst problematisch und könnten bei Bekanntwerden auch durch amtliche Stellen zur Strafanzeige gebracht werden“, teilte die Juristin des Naturschutzbundes Nabu, Katy Wächter, gestern mit.

Bei einer öffentlichen Veranstaltung in Nordhausen habe Primas gesagt: „Wir brauchen keinen Wolf. Wehret den Anfängen, weg, Schluss aus, weg damit – schießen.“ Äußerungen wie diese könnten den Boden für die illegale Tötung von Wölfen liefern, kritisierte der Nabu. 35 der streng geschützten Raubtiere seien seit 2003 in Deutschland illegal geschossen worden. Allein in diesem Jahr seien acht Wölfe mit Schussverletzungen tot aufgefunden worden.

Ansiedlung weiterer Wölfe in Thüringen steht bevor

Empört reagierte auch das Thüringer Umweltministerium. „Es ist schleierhaft, wie eine Rechtsstaatspartei solche Aussagen in den eigenen Reihen duldet“, sagte Staatssekretär Olaf Möller. „Beim vernünftigen Umgang mit dem Wolf helfen keine breitbeinigen Stammtischparolen, sondern nur klare rechtsstaatliche Verfahren, die den Schutz der Weidetierhalter genauso im Blick haben wie den Schutz des Wolfes.“

Er habe sich in Nordhausen „sehr deutlich geäußert“, räumte Primas auf Anfrage ein. Er habe jedoch nicht zur illegalen Tötung eines konkreten Wolfes aufgerufen, sondern vielmehr im Sinne eines CDU Parlamentsantrags dafür plädiert, in Thüringen sogenannte Schutzjagden zu ermöglichen – wie in Schweden, wo jedes Jahr etwa 200 Wölfe geschossen würden, um die Gesamtpopulation bei circa 300 Tieren stabil zu halten. „Es gibt in Thüringen für Wölfe keine Möglichkeit, konfliktfrei mit Menschen zu leben“, so Primas.

Die Wölfin von Ohrdruf und ihr Mischlingsnachwuchs haben in diesem Jahr etwa 60 Schafe und Ziegen gerissen. 2017 waren es mehr als 80 Nutztierrisse.

Die Ansiedlung weiterer Wölfe in Thüringen steht bevor. Im Juli wurde bereits an der bayerischen Grenze ein Wolf aus Brandenburg identifiziert, der Thüringen wohl durchquert hat.

Jedes Jahr wächst die Wolfspopulation in Deutschland um etwa 30 Prozent. Im vergangnen Jahr kamen etwa 270 Wolfswelpen zur Welt. Allerdings liegt die Sterblichkeit im ersten Lebensjahr bei 50 Prozent.

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