Eichsfelder Landrat: Pflegeeltern erbringen keine Dienstleistung

Eichsfeld. In der Debatte um die finanzielle Ausstattung der Pflegeeltern im Landkreis zeichnet sich weiter keine Lösung ab. Der Eichsfelder Landrat Werner Henning (CDU) hat jetzt auf die Aussagen des Vorsitzenden des Pflegeelternvereins, Wolfram Staufenbiel, reagiert.

Der Eichsfelder Landrat reagierte auf die Aussagen des Vorsitzenden des Pflegeelternvereins, Wolfram Staufenbiel.

Der Eichsfelder Landrat reagierte auf die Aussagen des Vorsitzenden des Pflegeelternvereins, Wolfram Staufenbiel.

Foto: zgt

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Der hatte in einem Interview mit unserer Zeitung schwere Vorwürfe auch gegen das Jugendamt des Landkreises erhoben. Henning schätzt die Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und dem Pflegeelternverein als "angemessen" ein.

Offenbar sieht er allerdings in Fragen des Verständnisses Probleme. "Diese betreffen insbesondere die sich hier abzeichnende Tendenz, aus der Aufnahme von Pflegekindern in die eigene Familie eine quasi berufliche Tätigkeit begründen zu wollen", sagt Henning, der das gänzlich anders sieht als der Pflegeelternchef Wolfram Staufenbiel. Insofern, sagt Henning, sei es vollkommen falsch, dass Staufenbiel von einer Dienstleistung spricht, die die Pflegeeltern für den Landkreis erbringen und wodurch dieser erhebliche Kosten einsparen würde.

"Ein solcher ‚Handel‘ wurde niemals abgeschlossen", erklärt Henning. Er macht deutlich, dass das Jugendamt künftig noch genauer hinschauen werde: "Das Jugendamt wird folglich um so mehr darauf zu achten haben, dass es keine weiteren Fehlentwicklungen in diese Richtung gibt." Der Landkreis gehe davon aus, dass das Engagement von einer grundsätzlich sozialen Motivation in den Pflegefamilien getragen wird, so Henning. Im Klartext: Man geht im Landkreis davon aus, dass die Pflegeeltern kein Geld mit ihrem Einsatz verdienen wollen.

Zum zweiten Streitthema Einzel- und Amtsvormund erklärt der Landrat, dass hier die Entscheidung immer noch vom Richter getroffen werde, ob ein Einzel- oder Amtsvormund eingesetzt werde. Beim Vorsitzenden des Vereins, der Einzelvormund für ein fremdes Mädchen werden wollte, sei dies von der Familie abgelehnt worden. Damit widerlegt Henning die Äußerungen Staufenbiels, dass sich das Jugendamt nicht an Recht und Gesetz halten würde. Eine Entscheidung darüber, sagt er, müsse immer noch vom Richter getroffen werden.

Eine ganz andere Sicht der Dinge hat Henning auch auf die Debatte zur finanziellen Unterstützung der Pflegeeltern. Die würden monatlich etwa 800 Euro erhalten, die sich aus verschiedenen Positionen zusammensetzen. Grundlage für die Festschreibung sei die sogenannte Regelbedarfsstufenfortschreibungsverordnung, die vom Bundesrat jährlich aktualisiert werde und mit den zu gewährenden Leistungen im Hartz IV-Bereich korrespondiere.

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