Eichsfelder Pflegeeltern wollen für mehr Geld demonstrieren

Wolfram Staufenbiel kämpft seit Monaten darum, dass Pflegeeltern in die Entscheidungsprozesse beim Landkreis einbezogen werden. Immerhin seien die Pflegeeltern jene, die an der Basis und bei der Betreuung der Kinder damit auch zurecht kommen müssen.

Vera Schade, Vorsitzende des Pflegeeltern-Landesverband, und Pflegeeltern aus Nordthüringen haben sich in Büttstedt zu einer Weiterbildung getroffen. Foto: Fabian Klaus

Vera Schade, Vorsitzende des Pflegeeltern-Landesverband, und Pflegeeltern aus Nordthüringen haben sich in Büttstedt zu einer Weiterbildung getroffen. Foto: Fabian Klaus

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Büttstedt. Schon vor einigen Monaten drohte die Situation zu eskalieren. Staufenbiel forderte Gespräche ein - über die Leistungen, die Pflegeeltern beziehen. Die finanzielle Unterstützung ist damals wie heute das Problem. "Denn bewegt hat sich nicht viel", sagt Staufenbiel. Er wirkt verbittert.

Eine zweite Chance für die Kinder

Denn eigentlich, sagt er, gehe es doch darum, dass die Kinder eine zweite Chance bekommen, bei denen in ihrem jungen Leben schon einmal etwas schiefgelaufen ist. "Aber wenn wir von Geld reden ..." Er stockt. Denn in dem Moment, sagt er dann, heiße es immer, dass die Pflegeeltern nur Geld fordern, möglicherweise damit Geld verdienen wollen und nur deshalb eine Pflegschaft für ein Kind übernehmen. Derlei Vorurteile sind dem Büttstedter nicht neu. Auch der Eichsfelder Landrat habe das ja schon so geäußert, erinnert sich Staufenbiel an eine vergangene Auseinandersetzung mit Werner Henning (CDU).

In Büttstedt sind am Donnerstag Pflegeeltern aus ganz Nordthüringen zusammengekommen. Vertreter der Jugendämter aus den Landkreisen Nordhausen und Unstrut-Hainich sind ebenfalls dabei. Die Eichsfelder fehlen. Es ist eine Weiterbildung des Landesverbandes der Pflege- und Adoptivfamilien, die hier angeboten wird. Auf der Tagesordnung stehen neben Erfahrungsaustausch auch Fachgespräche. Für die Eltern, sagt die Vorsitzende des Thüringer Landesverbandes, Vera Schade, würden diese Angebote acht bis neun Mal im Jahr unterbreitet. "Wir gehen dort hin, wo wir eingeladen sind oder wo es Bedarf gibt", sagt die Landesvorsitzende.

Anträge für Demo sind vorbereitet

Im Eichsfeld dürfte es sich um eine Mischung aus beidem handeln. Bedarf gibt es, so sieht es Wolfram Staufenbiel, vor allem bei der Kommunikation mit dem Jugendamt und dem Landrat. "Wir warten noch immer auf eine Einladung zum nächsten Jugendhilfeausschuss", berichtet Staufenbiel am Rande der Weiterbildung.

Seit der letzten Konfrontation mit Problemen hat sich dennoch einiges getan. Wolfram Staufenbiel berichtet beispielsweise von einem Unterausschuss, der eigens für das Pflegeelternwesen im Landkreis gegründet worden sei. Er sei direkt an den Jugendhilfeausschuss angeschlossen. Nur zusammenkommen müsse das Gremium auch einmal, denn die nächste Sitzung des Jugendhilfeausschusses steht im November an. "Bis dahin muss etwas passieren, ein Konzept für das Pflegeelternwesen erarbeitet werden", fordert Staufenbiel.

Die Pflegeelternvertreter wollen daran mitarbeiten. Wenn sie denn eingeladen würden. Passiere das nicht, droht der Vater, der selbst drei Pflegekinder betreut, "dann demonstrieren wir dafür, endlich angehört zu werden". Die Anträge dafür habe er bereits daheim liegen, sagt Staufenbiel - sie warten nur darauf, ausgefüllt und abgeschickt zu werden. Schon einmal, sagt er unserer Zeitung, habe man zu diesem drastischen Mittel greifen wollen. Eine Demonstration sei jedoch kurzerhand abgesagt worden, weil man auf Erkenntnisse aus der jüngsten Kreistagssitzung vor zwei Wochen hoffte. Er sei aber, sagt Staufenbiel, wieder einmal enttäuscht worden.

Beim Geld fangen die Probleme an

Und dabei gibt es im Eichsfeld an der fachlichen Arbeit des Jugendamtes in aller Regel überhaupt nichts auszusetzen. "Das läuft sehr gut", lobt Staufenbiel die Mitarbeiter des Landkreises, die oft in der Fläche vertreten seien. Nur an einer Stelle werde es immer problematisch - wenn es ums Geld gehe. Das seien allerdings Entscheidungen, die an anderer Stelle - vom Kreistag - getroffen oder mindestens im Jugendhilfeausschuss vorbereitet werden.

Staufenbiel will weiter dafür kämpfen, dass die Pflegeeltern eine bessere Finanzausstattung erhalten. Vielleicht nach dem Beispiel von Jena. Dort halte man sich an die Empfehlung des Deutschen Vereins, Pflegeeltern bekommen 235 Euro monatliche Pauschale. Im Eichsfeldkreis seien es 40 Euro weniger.