Ein Großteil der Rente geht für die Miete drauf

Erfurt  Das Deutsche Zentrum für Altersfragen warnt vor steigenden Belastungen durch Wohnkosten für Senioren.

Symbolbild.

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Foto: Stephan Scheuer/dpa

Immer mehr Haushalte von älteren Menschen sind von steigenden Wohnkosten betroffen. Nach einer Erhebung des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) trifft es vor allem Mieter.

Betrachtet wurden Haushalte mit Personen ab 65 Jahren. In dieser Altersgruppe habe sich der Anteil der Miethaushalte, die für Miete und Nebenkosten ein Drittel ihrer Altersbezüge aufwenden müssen, von 38 auf 63 Prozent im Jahr 2016 erhöht.

Nach Angaben der Forscher unterscheiden sich Ost- und Westdeutschland vor allem bei der Wohneigentumsquote. Im Jahr 2016 besaßen im Westteil des Landes knapp 60 Prozent der Haushalte älterer Menschen ihre Wohnung oder ihr Haus, im Osten waren es unter 40 Prozent. Gestiegen ist die Zahl der Eigentümerhaushalte vor allem unter älteren Personen mit höherem Einkommen. Deren Wohnkosten seien relativ gering im Vergleich zu denen von Mietern.

Die Forscher sprechen hier von einer doppelten Polarisierung: Einerseits gehe die Schere bei den Eigentumsformen Miete kontra Eigentum weiter auseinander. Andererseits treffe die Wohnkostenbelastung Mieter besonders hart. „Niedrigeinkommenshaushalte leben häufiger zur Miete und sind obendrein mit steigenden Mieten konfrontiert“, so die Studie.

Mieten gehen schneller nach oben als die Renten

Rein rechnerisch haben viele ältere Mieter weniger im Portemonnaie. Laut DZA-Studie entwickelten sich Immobilienpreise und Mieten schneller nach oben als die Renten.

Erstere erhöhten sich zwischen 2005 und 2017 um knapp 30 Prozent. Dagegen wuchs der durchschnittliche Zahlbetrag der Gesetzlichen Rentenversicherung im gleichen Zeitraum von 666 Euro auf 800 Euro und damit nur um 20 Prozent. Parallel hat das Armutsrisiko bei den über 65-Jährigen zugenommen.

Für einkommensschwächere Rentner werde es damit schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Auch ein Umzug in eine kleinere Wohnung bringt häufig keine Entlastung, da neue Mietverträge mit dem Risiko höherer Quadratmeterpreise einhergehen. Laut Studie sind vom Anstieg der Wohnkosten nicht mehr nur Mieterhaushalte betroffen, die eine neue Wohnung beziehen, sondern auch Bestandsmieter. Vielfach steigen deren monatliche Aufwendungen durch Modernisierungsmaßnahmen oder Staffelmieten.

Bestand an Sozialwohnungen soll ausgeweitet werden

Dabei sind die Entwicklungen bei Immobilienpreisen und Mieten nicht überall gleich. In Großstädten ziehen sie stärker an als in ländlicheren Regionen, zu denen auch Thüringen mit nur vier größeren Städten gehört.

Werden mehr als 40 Prozent des Haushaltseinkommens für Wohnkosten ausgegeben, liegt laut DZA eine Überbelastung durch Wohnkosten vor. Beinahe zwei Fünftel aller älteren Menschen leben demnach in nicht angemessen bezahlbarem Wohnraum und müssen – sofern kein Vermögen da ist – ihren privaten Konsum einschränken, damit es für Mieten und Nebenkosten reicht. Vor 20 Jahren lag der Anteil mit einem Fünftel deutlich niedriger.

Laut DZA ist die Politik sowohl bei der Verbesserung der Einkommenssituation von Rentnern als auch bei der Förderung des sozialen Wohnungsbaus gefordert. Aus der gewohnten Umgebung wegzuziehen, weil man sich die Wohnung nicht mehr leisten kann, sei oft mit dem Verlust der Selbstständigkeit, von Unterstützungsnetzwerken und sozialen Kontakten verbunden.

Deswegen habe der Verbleib für Ältere Priorität. Dafür sollte der Bestand an Sozialwohnungen ausgeweitet werden.

Zur Sache: Ökonomen: Höhere Steuer für die Rente

Die steigenden Rentenausgaben sollten nach Ansicht von Ökonomen durch eine Kombination aus höheren Beitragssätzen und Steuern finanziert werden. Dies geht aus einer Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Für die nächsten 15 Jahre wäre demnach eine Erhöhung der Rentenbeiträge um drei bis vier Prozentpunkte erforderlich. Dabei müssten „die Rentenbeiträge um ein bis zwei Prozent steigen und in gleicher Höhe die Einkommenssteuer“, heißt es vom IMK.

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