Ein Zeichen für das bedingungsloses Grundeinkommen: Brockenbesteigung für die 1000-Euro-Freiheit

Nordhausen  So hoch wie der Brocken: Warum Aktivisten für ein bedingungsloses Grundeinkommen den höchsten Harz-Gipfel erklimmen wollen.

Walpurgis gehörte er den Hexen, am Samstag soll auf dem Brocken ein Zeichen für die 1000-Euro-Freiheit gesetzt werden.

Foto: Roland Obst

1142 Meter ist der Brocken hoch. In dieser Größenordnung bewegt sich auch die Summe, die Verfechter eines bedingungslosen Grundeinkommens veranschlagen. Weshalb die Akteure des Landesverbandes „Bündnis Grundeinkommen“ mit Mitstreitern aus den benachbarten Ländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt am Wochenende den Brocken erklimmen wollen, um auf dessen windigen Höhen ein Zeichen zu setzen: Für die große 1000-Euro-Freiheit.

Denn genau das versprechen sich die BGE-Aktivisten. Die sorgenfreie Deckung der Grundbedürfnisse, die frei machen würde, um den eigenen Talenten und Interessen folgen zu können. „Das würde aus Existenzängsten befreien, die Gesellschaft kreativer machen, und die Wirtschaft beflügeln“ schwärmt Susanne Schickschneit. Sie ist Vorsitzende des Thüringer Bündnisses, das sich vor gut zwei Jahren in Nordhausen gegründet hat.

Inzwischen gibt es Aktivisten von Eisenach bis Suhl. Die Mission ist einfach erklärt: Die Idee muss unter die Leute. Mit der Ausgestaltung ist es komplizierter. Es gibt Dutzende Modelle und Interpretationen, bei den Parteien ist das Thema auch längst angekommen. Thüringens Linke zum Beispiel favorisiert zum Testen ein Modellprojekt. Die Liste der Befürworter ist so lang wie die der Gegner, die das Ganze für eine utopische Spinnerei halten. Unbezahlbar und würde nur die menschliche Neigung zur Faulheit befördern.

Ein Argument, dem BGE-Aktivistin Schickschneit heftig widerspricht. Wenn das Bündnis mit seinen Infoständen unterwegs ist, stellen sie Passanten oft die Frage, was sie bei einem Grundeinkommen tun würden. Die Allerwenigsten würden antworten: nichts. Im Übrigen zeige das Engagement beim Ehrenamt, wie viele Menschen bereit sind, etwas zu tun, ohne es zu müssen.

Für den Tag der Brockenbesteigung sind hoch oben kühle 9 Grad angesagt. Der Weg ist steil und die Wanderer müssen sich warm anziehen. Ein schönes Gleichnis für ihre Mission.

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