Emotionen beim Schlachteessen des Eichsfelder CDU-Mittelstandes

Birkungen  CDU-Landesvorsitzender und sächsischer Ministerpräsident stimmen beim Schlachteessen der Mittelstandsvereinigung in Birkungen mit rund 600 Gästen auf das Wahljahr ein.

Zum Schlachteessen kam der CDU-Landesvorsitzende Mike Mohring (oben). Er bedankte sich für die vielen Genesungswünsche und stimmte auf das Wahljahr ein, ebenso wie Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (unten rechts). Fotos: Eckhard Jüngel

Zum Schlachteessen kam der CDU-Landesvorsitzende Mike Mohring (oben). Er bedankte sich für die vielen Genesungswünsche und stimmte auf das Wahljahr ein, ebenso wie Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (unten rechts). Fotos: Eckhard Jüngel

Foto: Eckhard Jüngel

Kämpferisch und emotional war es beim Schlachteessen, zu dem am Freitagabend die Kreisverbände der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU aus dem Eichsfeld, Nordhausen und dem Kyffhäuserkreis ebenso wie der Bundestagsabgeordnete Manfred Grund eingeladen hatten. Knapp 600 Gäste kamen zu der Traditionsveranstaltung, bei der zwei der Ehrengäste, der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer und der CDU-Landesvorsitzende Mike Mohring, auf die Wahlen in Thüringen einstimmten.

Und diesmal erhoben sich die Gäste, unter ihnen Landtagsabgeordnete, Kommunalpolitiker, Unternehmer,

Vertreter von Organisationen und Verbänden, allerdings nicht nur zum Eichsfeldlied von ihren Plätzen. Es gab auch Stehovationen für die Redner. Der ungarische Botschafter Péter Györkös, der wie Imre Ritter, Parlamentsabgeordneter der Ungarndeutschen, kam, zeigte sich angetan von der Einladung. Györkös richtete den Blick noch einmal auf die Wendezeit und auf eine besondere Verbalnote. Als junger Diplomat hatte er mit dieser die Grenzöffnung der Volksrepublik Ungarn zu Österreich angewiesen. So war es DDR-Bürgern im September 1989 möglich, ohne Grenzkontrollen via Ungarn und Österreich in die Bundesrepublik auszureisen. Györkös warb nun für sein Land und dafür, dieses zu besuchen. Er erinnerte an das Urlaubsland, in dem sich einst Menschen aus Ost und West trafen. An den Gesichtern im Saal war zu erkennen, dass diese Tage längst nicht vergessen sind. Und Manfred Grund hatte eine Idee: Er ernannte den Botschafter zum „Eichsfelder ehrenhalber“.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte derweil gedacht, dass es beim hiesigen Schlachteessen wohl wie in Bayern ist. Er gab aber dann zu, dass er, als er die vierte Strophe des Eichsfeldliedes las, schmunzelnd erkannte, dass es hier doch noch etwas anders ist. Dann wurde er ernst, sprach darüber, dass Ehrlichkeit das A und O ist, dass die Politiker den Menschen zuhören müssen und Ängste erlaubt sind. Klar machte der Politiker außerdem, dass der ländliche Raum Unterstützung braucht und der Breitbandausbau zwingend bis in den letzten Ort nötig ist – auch in Thüringen. Der Ministerpräsident betonte die Bedeutung des Öffentlichen Personennahverkehrs und der Schulen, aber auch dass Forschung und Innovationen nicht nur etwas mit großen Städten zu tun haben dürfen.

Nach ihm betrat CDU-Landeschef Mike Mohring die Bühne. „Die Krankheit, die mich davon abhält zum Schlachteessen zu kommen, muss erst noch erfunden werden“, meinte er und bedankte sich dann für die unzähligen Genesungswünsche, die ihm Kraft und Zuversicht gäben. Und schon war er beim politischen Alltag und machte klar, dass die CDU nicht länger auf der Oppositionsbank sitzen will und aus Erfahrungen gelernt habe. Das Ziel steht fest.

Nachdem der Kampf gegen die Gebietsreform gelungen sei, so Mohring, stehe nun jedoch neuer Ärger mit dem von der Landesregierung angestrebten Schulgesetz an. Nahezu jede Bildungseinrichtung könne die Kriterien nicht erfüllen. Der CDU-Chef setzt seinerseits auf kluge Landräte und Kreistage wie im Eichsfeld und eine Eigenverantwortung für die Schulnetzstrukturen. Klar sprach sich Mohring für den Erhalt der Schulen im ländlichen Raum aus und kündigte an, auch vor einem großen Volksbegehren nicht zurückzuschrecken und Unterschriften zu sammeln.

Es gab aber noch einen Punkt, der ihn beschäftigte: Viele Menschen sind verunsichert und suchen Orientierung. Letztere zu geben, sei Aufgabe einer Volkspartei, die Entscheidungskraft haben müsse und den Mut, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, meinte er.

Mohring hatte dann noch eine Bitte: Er bat darum, dass alle mithelfen, gut übereinander reden, diskutieren, sich nicht wegdrehen, sondern sich der Debatte stellen, und Lösungen suchen. Das Schlachtessen 2020 will er in der Regierungsverantwortung feiern. „Ein starkes Thüringen treibt mich an“, sagte er zum Abschluss. Die Gäste standen auf und applaudiertem ihm.

Klare und eindringliche Worte für das Wahljahr fand auch der Vorsitzende der Eichsfelder Mittelstandvereinigung, Heiko Steinecke, der forderte, die Bürger ernst und auf dem Weg mitzunehmen und dafür zu sorgen, dass sich die Gesellschaft nicht spaltet.

Zu den Kommentaren