Energiegenossenschaft für Nordhausen rückt näher

Nordhausen  Seit zwei Jahren können Studenten in Nordhausen einen Mastertitel in energetisch-ökologischem Stadtumbau erwerben. Am heutigen Mittwochabend können sich Bürger mit Fachleuten treffen und die Stadt der Zukunft entwerfen.

Professorin Dagmar Everding von der Hochschule Nordhausen ist beim Wettbewerb Zukunftsstadt dabei. Foto: Thomas Müller

Professorin Dagmar Everding von der Hochschule Nordhausen ist beim Wettbewerb Zukunftsstadt dabei. Foto: Thomas Müller

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Das Fachwissen der hiesigen Hochschule, die sich schon vor Jahren einen Namen auch in Recyclingtechnik gemacht hat, ist ein wesentlicher Bestandteil in einem Wett­bewerb, für den sich die Stadt Nordhausen beworben hat. „Zukunftsstadt“ heißt er (wir berichteten). Heute Abend wird es im Bürgerhaus die erste Werkstatt mit Bürgern geben. Es gilt, sich Gedanken über die Energie-Zukunft der Stadt zu machen.

Mit dabei ist Professorin Dagmar Everding von der hiesigen Hochschule. Impulse möchte sie geben für die sich anschließende Gruppenarbeit. Sparen, Teilen, Verantworten – lautet ein Thema an diesem Abend.

Dabei gehe es, meint die Dozentin, nicht nur darum, Geld einzusparen. „Nein, Sparen heißt auch, beispielsweise Produkte mit anderen Menschen zu teilen. Alles, was man kauft, kostet schon in der Herstellung jede Menge Energie. Muss diesen Gegenstand wirklich jeder besitzen? Oder kann man ihn auch anderen zur Nutzung überlassen? Das ist eine Frage, die man sich stellen könnte.

Immer wieder taucht in diesem Wettbewerb das Schlagwort der Verhaltensänderung auf. Doch ist es nicht eine alte Weisheit, dass Gewohnheiten sich nur mit finanziellen Anreizen ändern lassen? Everding sieht es nicht so. Auch Anerkennung und ein entstehendes Gemeinschaftsgefühl trügen dazu bei, meint sie.

„Ein gutes Beispiel für das Thema Verantwortung finden wir im Park Hohenrode“, ergänzt die Professorin. Die dortige Bürgerstiftung beweise, wie künftig in Nordhausen Projekte gestemmt werden könnten. Solche konkreten Vorlagen ließen sich im Prozess der Zukunftsstadt nutzen. Immerhin soll am Ende des Wettbewerbes ganz Konkretes stehen. Beispiel: Carsharing. Dabei teilen sich mehrere Menschen wie in einer Genossenschaft ein Fahrzeug. Aber wo genau könnte man einen Parkplatz dafür errichten? Am Ende wird es immer konkret.

Fest überzeugt ist Professorin Ever-ding, dass über Energiegenossenschaften gesprochen wird, wie sie in einigen Nachbarorten bereits bestehen. Der Gedanke hier: die Last – ob finanziell oder vom Arbeitsaufwand – lastet auf mehreren Schultern. Nicht einer macht alles, sondern viele übernehmen einen Teil. Everding regt an, mit den Dörfern zusammenarbeiten. Davon könne die Stadt profitieren.

Natürlich weiß sie, dass die Grundlagen verschiedene sind. Im Dorf kennt man sich, „oft gibt es einen besonders interessierten und aktiven Initiator, der voran geht“, sagt sie. Dagegen ist die Stadt oft anonymer. Dennoch ist sie überzeugt: Auch hier gibt es Gruppen, die sich für solche Vorhaben finden. Nicht zufällig heißt eine der heutigen Arbeitsgruppen: gemeinsam investieren, gemeinsam motivieren.

Schon dank der Studenten und Professoren gebe es Zielgruppen für Projekte zum Teilen wie das Carsharing. Die Wissenschaftlerin begleitet den Prozess, auch Studenten und Professorenkollegen sind dabei. Unter anderem steht die Frage, wie man den Energie-Wandel denn am Ende messen kann.

Die Werkstatt beginnt am Mittwoch, 25. November um 18 Uhr im Bürgerhaus. Es sind ausdrücklich alle Bürger eingeladen.