Erfurt will die Wasserburg in Kapellendorf loswerden

Erfurt. Erfurt will sich von der Wasserburg in Kapellendorf trennen. Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) möchte sich "zeitnah" vom Stadtrat zu Verhandlungen ermächtigen lassen, die eine Kündigung des Betreibervertrages mit der Stiftung Schlösser und Gärten zum Ziel haben, bestätigte er am Freitag unserer Zeitung.

Die Wasserburg in Kapellendorf gehört der Stiftung Schlösser und Gärten. Doch das Museum ist dem Erfurter Stadtmuseum angeschlossen. Die Kosten für die Betreibung will der Oberbürgermeister sparen. Foto: Holger Wetzel

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Als Motivation nannte er die angespannte finanzielle Lage der Landeshauptstadt. "Angesichts der Haushaltslage müssen wir uns auf das beschränken, was den Erfurtern besonders wichtig ist", sagte Bausewein.

Es sei zwar attraktiv, als Landeshauptstadt eine Burg zu betreiben. Doch befinde sich die Wasserburg zu weit von der Stadt entfernt, um das Engagement in Zeiten knapper Kassen zu rechtfertigen. "Kapellendorf liegt ja sogar noch hinter Weimar", sagte Bausewein.

Die Wasserburg nahe Apolda im Weimarer Land gehört seit 1997 der Thüringer Stiftung Schlösser und Gärten. Der Betrieb des Museums ist jedoch dem Stadtmuseum Erfurt angegliedert. Einschließlich weiterer Kosten zahle Erfurt jährlich eine Summe "im knappen sechsstelligen Bereich", sagte Bausewein.

Mit der Wasserburg Kapellendorf und der Burg Gleichen in Wandersleben (Landkreis Gotha) betreibt Erfurt zwei kulturelle Einrichtungen außerhalb der Stadtgrenzen. An der Burg Gleichen hält Bausewein fest.

Sie liege nicht nur näher an Erfurt, sondern verursache auch weitaus weniger Kosten, begründete der OB. Es falle lediglich der Wachdienst für die nur im Frühjahr und Sommer geöffnete Burg an. Die rund 10"000 Euro, die dafür bezahlt werden müssen, "halte ich für vertretbar", meinte Bausewein.

In Kapellendorf mache das Gehalt der Museumsmitarbeiter den Großteil der Kosten aus. Nach den Plänen Bauseweins sollen die Mitarbeiter nach einer erfolgten Kündigung der Burg nicht entlassen, sondern nach Erfurt versetzt werden. Sie würden dort im kulturellen Bereich der Stadtverwaltung eingesetzt.

Im Gegenzug würden aus Altersgründen frei werdende Stellen in der Verwaltung nicht neu besetzt. Die Stelleneinsparung soll den Verwaltungshaushalt perspektivisch um rund 100"000 Euro pro Jahr entlasten.

Für das laufende Jahr scheint der Museumsbetrieb gesichert. Die Kündigung werde frühestens 2016 in Kraft treten, so der OB. Die Modalitäten müssten noch überprüft werden. "Aber man kann uns nicht auf Dauer zwingen, den Betreibervertrag einzuhalten", sagte Bausewein.

Der OB schloss nicht aus, dass die Verhandlungen mit der Stiftung auch mit einer Kostenreduzierung für Erfurt enden könnten. Er hoffe aber auf ein klares Votum des Stadtrates, das eine Kündigung des Betreibervertrags vorsieht, sollten die Verhandlungen ergebnislos bleiben.

Gespräche mit dem für Kapellendorf zuständigen Landrat des Weimarer Landes, Hans-Helmut Münchberg (parteilos), finden aktuell nicht statt, bestätigte Bausewein. In früheren Gesprächen habe Münchberg aber kein Interesse an der Burg gezeigt.

Erfurt ist historisch eng mit der Wasserburg Kapellendorf verknüpft. Die Stadt erwarb die Burg 1348, um ihre Handelswege weiträumig abzusichern. Umbauten in Erfurter Regie prägen das Bild der Burg bis heute.

1508 kauften die Wettiner die Burg, die 1806 in der Schlacht von Jena und Auerstedt als Hauptquartier preußischer Truppen diente. 1929 kam die Burg erneut in Erfurter Besitz, der nach der Wende auf Wunsch der Stadt bekräftigt wurde. 1997 wurde die Anlage Eigentum der Stiftung Schlösser und Gärten.

Bausewein plant, die Vorlage zur Wasserburg zeitgleich mit dem Haushalt in den Stadtrat einzubringen. "Das macht die Notwendigkeit der Einsparung bewusster", hofft er.

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