Erfurter Imam fordert Islamunterricht an Schulen - Ministerin gesprächsbereit

Islamunterricht an Thüringer Schulen? Das fordern Erfurter Muslime. Bildungsministerin Klaubert ist sich nicht sicher, ob der Bedarf hoch genug ist. Das könnte sich jedoch schnell ändern.

Der Erfurter Imam Abdullah Dündar fordert eine tolerante Behandlung des Islams und befürwortet daher Islamunterricht an Thüringer Schulen. Archivfoto: Marco Kneise/Thueringer Allgemeine

Foto: zgt

Erfurt. Der Erfurter Imam Abdullah Dündar hat sich für islamischen Religionsunterricht an Thüringer Schulen ausgesprochen. "Es fehlt muslimischen Kindern, Religion zu lernen", sagte der Vorsteher der Erfurter Moscheegemeinde am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Erfurt.


Es gebe an deutschen Schulen leider viele Lehrer, die wenig Respekt vor dem Islam hätten und diesen im Unterricht vernachlässigten. Dadurch ergebe sich in der pädagogischen Erziehung eine Lücke für die Kinder. "Muslime werden langsam religionslos hier", erklärte Dündar. Er betonte, der Islam sei eine tolerante Religion, erwarte aber genauso, tolerant behandelt zu werden.


Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) zeigte sich offen für den Vorschlag. Schon bei den rot-rot-grünen Koalitionsverhandlungen sei darüber nachgedacht worden, muslimischen Unterricht einzuführen. Bisher habe es die Notwendigkeit hierfür aber nicht gegeben, sagte sie mit Blick auf die derzeit geringe Zahl der Muslime in Thüringen.


Allerdings könnten die steigenden Flüchtlingszahlen die Situation schnell ändern. Die Asylbewerber kämen zum Großteil aus muslimisch geprägten Ländern. Beim raschen Anwachsen ihrer Zahl müsse gehandelt werden. Klaubert betonte, jeglicher Religionsunterricht an Schulen müsse staatlich anerkannt sein.


Im Freistaat leben nach Angaben des paritätischen Wohlfahrtsverbandes zurzeit etwa 7800 Muslime - dies entspricht einem Anteil von weniger als 0,4 Prozent an der Bevölkerung. Dieser Anteil könnte sich demnächst erhöhen: Das Migrationsministerium rechnet 2015 mit 9000 Asylbewerbern - im vergangenen Jahr waren es etwa 6000. Die Regierung sucht momentan nach einem geeigneten Standort für ein zusätzliches Erstaufnahmelager, um dem Bedarf gerecht zu werden.

Nachtrag der Redaktion um 19:10 Uhr:

Imam Abdullah Dündar ist in früheren Medienberichten als Salafist bezeichnet worden. Er bestritt dies. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte im Mai 2012 berichtet, dem Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz lägen "Hinweise vor, dass Dündar Bestrebungen verfolgt, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind"

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