Ex-Freund von Beate Zschäpe war Spitzel beim LKA in Berlin

Ein Foto zeigt die beiden nur wenige Kilometer von Heilbronn entfernt, wo eine Thüringer Polizistin ermordet wurde. Den Ermittlern ist auch bekannt, dass Thomas S. mindestens ein Mal im sächsischen Waldheim von Beate Zschäpe im Gefängnis besucht wurde.

Das Landeskriminalamt in Berlin soll einen mutmaßlichen Helfer des Terrortrios als Informanten angeheuert haben. Archivfoto: dapd

Das Landeskriminalamt in Berlin soll einen mutmaßlichen Helfer des Terrortrios als Informanten angeheuert haben. Archivfoto: dapd

Foto: zgt

Erfurt. Zwischen den Seiten des riesigen Aktenstapels, durch den sich der Berliner Untersuchungsausschuss zu den NSU-Morden derzeit arbeitet, liegt auch ein Foto. Es zeigt Beate Zschäpe und einen jungen Mann. Im Hintergrund ist das Residenzschloss von Ludwigsburg in Baden-Württemberg zu erkennen.

Wann genau die Aufnahme entstand, ist strittig. Es könnte das Bild Ende der 90er-Jahre oder kurz nach der Jahrtausendwende gemacht worden sein. Das wäre die Zeit kurz davor und als Beate Zschäpe mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in den Untergrund gegangen ist, weil nach ihnen wegen der gefundenen Rohrbomben in Jena gefahndet wurde.

Besondere Bedeutung erlangt das Foto jetzt, da bekannt wurde, dass das Berliner Landeskriminalamt (LKA) einen Spitzel hatte, der aus dem Umfeld der rechtsextremen Terrorszene stammte. Denn der junge Mann auf dem Bild könnte genau jener Thomas S. sein, der zwischen 2000 und 2011 als "Vertrauensperson" den Berliner Kriminalisten interne Informationen lieferte.

Foto unweit vom Tatort des Polizistenmordes

Stimmt der Zeitraum, in den das Foto eingeordnet wird, dann könnte sich Thomas S. mit Beate Zschäpe bereits während ihrer Flucht getroffen haben. Dann wusste er zumindest in diesem Fall, wie die Untergetauchten erreichbar waren. Tomas S. allerdings soll den Berliner Ermittlern gesagt haben, dass er das Trio letztmalig 1998 gesehen hatte.

Vielleicht ist es nur ein Zufall, dass Ludwigsburg nur etwa 20 Kilometer südlich von Heilbronn liegt. Jener Stadt, in der im April 2007 die aus Thüringen stammende Polizistin Michèle Kiesewetter kaltblütig erschossen wurde. Im Verdacht steht für die Tat das rechtsextreme Terrortrio.

Thomas S. gilt als Lebenspartner von Beate Zschäpe. Die Verbindung der beiden soll vor der Zeit des Untertauchens des Terrortrios liegen. Er wird bis zum Verbot im Jahr 2000 der sächsischen Sektion des Neonazi-Netzwerks Blood & Honour ("Blut & Ehre") zugerechnet. Damals lebte er in Chemnitz. Und er soll für das Terrortrio den Sprengstoff für den Bombenbau besorgt haben.

Den Ermittlern ist auch bekannt, dass Thomas S. mindestens ein Mal im sächsischen Waldheim von Beate Zschäpe im Gefängnis besucht wurde. Auch das geht aus den Unterlagen hervor, die dem Ausschuss vorliegen.

Zschäpe hatte sich damals für die "HNG" engagiert, einer Organisation der rechtsextremen Szene, mit der Gefangene unterstützt und ideologisiert wurden. Seit dem Vorjahr ist die HNG verboten.

Der Thüringer Verfassungsschutz wusste spätestens seit dem 9. September 1998 über die Beziehung zwischen Zschäpe und Thomas S. Bescheid.

Denn die Quelle mit der Nummer 2100 hatte den Geheimdienstler darüber erzählt. Mit dem Zahlenkürzel wurde Marcel D., ein Blood & Honour-Mann aus Thüringen, getarnt. Er soll der bundesweite Schatzmeister dieser Organisation gewesen sein.

Doch auch bei der missglückten Razzia am 26. Januar 1998 stolperten die Ermittler bereits über Thomas D. Denn in den damals sichergestellten Unterlagen befand sich auch eine Telefonliste, die auch den Namen Thomas S. beinhaltete. Sie fand offenbar keine Beachtung.

Im Jahr 2000 entdeckten sächsische Ermittler bei einer Razzia bei Thomas S. ein Adressbüchlein mit ebenfalls interessanten Namen. So waren Uwe Mundlos und Beate Zschäpe darin aufgeführt.

Unklar ist bisher auch, was Thomas S. der Berliner Polizei gesagt hat. Die Thüringer Sicherheitsbehörden behaupten, in ihren Akten dazu bisher keine Informationen gefunden zu haben. Das aber erklärte gestern auch der Berliner Verfassungsschutz.

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