Firmenchef zur Fernwärme: Stadt sichert Einnahmen durch Hintertür

Arne Martius
| Lesedauer: 4 Minuten
Über das Gelände des Globus-Baumarktes geht die Fernwärmeleitung vom Heizkraftwerk kommend Richtung Stadt. Der Baumarkt wollte von der Fernwärme zur Gasversorgung wechseln. Foto: Ralf Ehrlich

Über das Gelände des Globus-Baumarktes geht die Fernwärmeleitung vom Heizkraftwerk kommend Richtung Stadt. Der Baumarkt wollte von der Fernwärme zur Gasversorgung wechseln. Foto: Ralf Ehrlich

Foto: zgt

Ilmenau (Ilm-Kreis). Ilmenauer Unternehmen prüfen Sammelklage gegen die vom Stadtrat beschlossene Satzung zur Energie-Abnahmepflicht.

In den Chefetagen Ilmenauer Unternehmen wächst der Widerstand gegen die jüngst vom Stadtrat beschlossene Ausdehnung zur Verpflichtung zur Abnahme von Fernwärme. In dieser Woche trafen sich mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen Geschäftsführer und Betriebsleiter von Firmen mit rund 1000 Arbeitnehmern, um das weitere Vorgehen zu beraten. Nach Informationen unserer Zeitung überlegen Unternehmer, sich der vom Globus-Baumarkt angestrebten Klage gegen die Fernwärmesatzung anschließen. Gleichzeitig haben sich 38 Betriebe der Heizungs- und Sanitärinnung aus dem Ilm-Kreis an einer Unterschriftensammlung gegen die Abnahmepflicht beteiligt.

Der Ilmenauer Stadtrat hatte im März mit großer Mehrheit die erste Änderung der Fernwärmesatzung beschlossen, die eine Erweiterung des Gebiets um den Baumarkt herum vorsieht. Hintergrund war der bevorstehende Wechsel von Globus – weg von der Fernwärme, hin zur Gasversorgung.

Bei der IHK erntete das Vorgehen Kritik. „Das von Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber angeführte Argument der notwendigen Erreichung von Klimaschutzzielen in Ilmenau verliert dadurch an Glaubwürdigkeit, dass die Erweiterung des Satzungsgebietes in einer Nacht- und Nebelaktion genau zu dem Zeitpunkt beschlossen wurde, als der Globus-Baumarkt ein Projekt zur Umstellung seiner Wärmeversorgung auf den Weg gebracht hatte“, sagte Abteilungsleiter Hartmuth Röser.

Die Ilmenauer Unternehmer befürchten nun, dass der ersten Ausdehnung weitere folgen könnten. So sei durchaus vorstellbar, dass das benachbarte Gewerbegebiet „Am Wald“ in einem nächsten Schritt ebenfalls der Fernwärmesatzung unterliegen könnte, hieß es. Eine Vergrößerung des Kundenstamms sei für die Ilmenauer Wärmeversorgung (IWV) schon deshalb wichtig, weil Betriebe durch Dämmungen langfristig weniger Wärme abnehmen, schätzten Firmenchefs ein.

Firmenchefs hinterfragen ökologische Erzeugung

Wo die Fernwärmesatzung gilt, ist die Abnahme von Energie aus dem Ilmenauer Biomasse-Heizkraftwerk verpflichtend. Das ärgert die Unternehmer, weil sie keine Alternative zur Versorgung haben und sich überdies von den Preisen der IWV abhängig machen. Zunehmend wird auch hinterfragt, ob das Biomasse-Heizkraftwerk tatsächlich so ökologisch arbeitet, wie dargestellt. Bei der Anlieferung von Altholz seien Lastwagen selbst mit Cottbusser Kennzeichen gesehen worden. „Sonderlich nachhaltig scheint mir das nicht zu sein“, äußerte ein Betriebsleiter zur Versammlung. Ein Teil der Firmenchefs meint im Vorgehen der Kommune eine Taktik zu erkennen: „Durch die Beteiligung an der IWV sichert sich die Stadt Einnahmen durch die Hintertür“, sagte einer von ihnen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung wies IWV-Geschäftsführer Veit Sengeboden die Befürchtungen zurück. „Kein Kunde muss Angst haben, dass wir die Preise willkürlich hoch oder runter schrauben“, sagte er.

Das Versorgungsunternehmen unterliege der Aufsicht des Bundeskartellamts. Erst im vergangenen Jahr sei die IWV ohne Beanstandungen geprüft worden. „Es ist schon ein wenig ärgerlich, mit welchen Fernwärmekosten in der Öffentlichkeit gearbeitet wird. Unsere Preise sind im Internet klar dargelegt“, fügte Veit Sengeboden hinzu. Damit liege das Ilmenauer Unternehmen im Thüringer Mittelfeld.

Strenge Kontrolle bei Altholzlieferungen

Dass die Fernwärmesatzung noch weiter ausgedehnt wird, kann sich der IWV-Geschäftsführer nicht vorstellen – „das ist allerdings auch Sache des Stadtrats“, erklärte er. Hinsichtlich der Effizienz des Heizkraftwerks gebe es keine Abstriche, wenn Unternehmen durch Dämmmaßnahmen an ihren Betrieben weniger Wärme abnehmen. „Auch bei 10 Prozent Einsparung läuft das Kraftwerk immer noch optimal“, schätzte Sengeboden ein.

Dass ein Zulieferer aus dem Raum Cottbus gesehen wurde, sei allenfalls die Ausnahme. Der Großteil des Altholzes komme aus einem Radius von unter 100 Kilometern, betonte der IWV-Geschäftsführer. „Wir brauchen 46 000 Tonnen. Zum Vergleich: Ilmenau hat ein Sperrmüllaufkommen von 5000 Tonnen. Deswegen müssen wir ins Umland gehen“, betonte er.

Bei der Beschaffenheit des Altholzes gebe es überdies strenge Vorgaben. Werden Grenzwerte des verbrannten Materials nicht eingehalten, fahre die Anlage von selbst herunter, erklärte Veit Sengeboden. Stimmt die Qualität der Lieferung nicht, werde auch schon mal ein Lastwagen wieder vom Hof geschickt, fügte er hinzu.