Fleischlos gegen die Übel der Welt: Erster Bundesparteitag der V-Partei 3

Weimar  Die V-Partei 3 will mit ihrem Programm gegen Massentierhaltung, Schlachtung und für eine fleischlose Ernährung in den Bundestagswahlkampf ziehen. 150 Delegierte der Splitterpartei hielten am Samstag in Weimar ihren ersten Bundesparteitag ab.

Landeschefin Lisa Walther. Foto: Elena Rauch

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Als der Versammlungsleiter Roland Wegner an das Mikro bittet, brandet Beifall auf, dazwischen fröhliches Bellen. Der erste Eindruck: „V-Partei 3“-Mitglieder sind Hundeliebhaber. Gut möglich, dass von allen Parteitagen in diesem Wahljahr dieser mit dem höchsten Hundeaufkommen im Sitzungssaal ist.

Dann redet Wegner. Mitarbeiter einer Kommunalverwaltung, Weltmeister im Rückwärtslaufen und Bundesvorsitzender einer Partei, die es erst seit elf Monaten gibt: Die V-Partei 3 (Veränderung, Vegetarier und Veganer). Die Partei, die die Massentierhaltung abschaffen will, das Schlachten von Tieren, die „Jagd als Hobby“. Er spricht von Bodenversiegelung, von den 200 Millionen Tonnen Gülle, die jedes Jahr auf Deutschlands Äcker ausgebracht werden („Das stinkt zum Himmel“), von genmanipuliertem Soja, der Abholzung des Regenwaldes, von Fluchtursachen („Wenn wir Europa retten wollen, müssen wir Afrika helfen“).

Denn am Ende geht es um nichts Geringeres als um die Rettung der Welt. Und die Antwort auf die Frage beginnt oder endet auf dem Teller. Hinter ihm, auf einem Parteiplakat leuchten Kartoffeln und Karotten. Die Botschaft ist klar: Die Zukunft ist vegan und Essen ist politisch. Damit will man es in den Bundestag schaffen? Nicht in diesem Herbst, aber 2021, prophezeit Bundesgeschäftsführer Konrad Harle, sehen Sie uns drinnen. Die Stimmung im Saal jedenfalls ist optimistisch und familiär. Kein Kunststück, die aktuelle Mitgliederzahl ist übersichtlich, in Thüringen bewegt sie sich zwischen 20 und 25, sagt die Landesvorsitzende Lisa Walther. Didem Aydurmus aus Berlin verteilt gut gelaunt Lehmkügelchen mit Samen vom Barbarakraut und der Nickenden Katzdistel als veritables Bienenfutter. Spätestens wenn die letzte Saat in Blüten aufgegangen ist, müssten die Landesverbände die Unterschriften zusammenhaben, um auf die Wahllisten zu kommen, in Thüringen sind es 1834. Vorerst stehen basisdemokratische Mühen an, die Änderungen im Parteiprogramm.

Derweil wird nebenan das Mittagsbüfett gerichtet: Geräuchertes Selleriesüppchen und Gemüsecurry. Bei der V-Partei 3 ist immer Veggie-Tag. Apropos, warum eigentlich nicht Grün? Zu etabliert, zu inkonsequent, sagt Konrad Harle. Sein Parteivorsitzender wird noch deutlicher: Die Grünen können wir vergessen. Wir sind die neuen Grünen, aber heller.

In einer Pause draußen vor der Tür radelt ein Weimarer am Parteitagsplakat vorbei: Ein Grünen-Ableger, wie? Nein, bekommt er zur Antwort, aber wir wollen wieder echte grüne Politik machen. Ach hör mir uff, brummt der Mann und fährt weiter, dorthin wo vor der Fußgängerzone ein Bratwurstrost dampft. Es gibt noch viel zu tun, für die V-Partei 3.

Leitartikel: Grüner als Grün

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