Gender-Debatte: 100.000 Euro für einen neuen Namen

Erfurt. Aus „Studentenwerk“ soll „Studierendenwerk“ werden. Für die Sprecherin des Werks ist das eine teure Sprachverbiegung.

Bereits 2014 hat Rot-Rot-Grün im Koalitionsvertrag versprochen, „Studentenwerk“ durch „Studierendenwerk“ zu ersetzen. Symbolfoto: Swen Pförtner

Bereits 2014 hat Rot-Rot-Grün im Koalitionsvertrag versprochen, „Studentenwerk“ durch „Studierendenwerk“ zu ersetzen. Symbolfoto: Swen Pförtner

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In dem Wort „Studentenwerk“ steckt „Student“ drin, also „der Student“ – und der ist männlich, sprachlich. Das kann dazu führen, dass Studentinnen sich nicht angesprochen fühlen, wenn das Wort „Studentenwerk“ irgendwo auftaucht.

Deshalb hat Rot-Rot-Grün bereits 2014 im Koalitionsvertrag versprochen, „Studentenwerk“ durch „Studierendenwerk“ zu ersetzen. Denn: Sagt man Studierende, können sich Studenten und Studentinnen gleichermaßen angesprochen wähnen.

Jetzt ist Gleichstellung in Sicht. Die Gespräche zur Novellierung des entsprechenden Gesetzes liefen, teilte das Wissenschaftsministerium am Donnerstag mit.

100.000 Euro soll die Namensänderung kosten

Die Änderung geschehe, „um einer geschlechtergerechten und -neutralen Sprache Rechnung zu tragen“, erläuterte der hochschulpolitische Sprecher der Linksfraktion, Christian Schaft, vor wenigen Tagen in einem Schreiben im Internet. Es beginnt mit der Anrede „Liebe Leser*innen“. Das Sternchen markiert den aktuellen Höhepunkt der sprachlichen Geschlechterneutralität.

100.000 Euro soll die Namensänderung nach momentaner Schätzung kosten. In Berlin, wo Ähnliches in Arbeit ist, werden sogar 800.000 Euro veranschlagt. Immerhin muss vieles neu gemacht werden: Schilder, Werbeprodukte, Briefköpfe. . .

Sprecherin des Thüringer Studentenwerks: „Die Kosten werden wir wohl tragen“

„Die Kosten werden wir wohl tragen“, sagte die Sprecherin des Thüringer Studentenwerks, Elke Voß, am Donnerstag unserer Zeitung. „Das ist viel Geld für uns.“

Vor allem dann, wenn man das Projekt für Unsinn hält. „Das Wort ,Studierende‘ zeigt an, dass Personen in einem Moment studieren“, erklärt Voß. „Abends sind Studenten aber Biertrinkende, Lernende oder Tanzende.“ Das Wort „Studierende“ sei eine „furchtbare Verbiegung der deutschen Sprache“. Und da Frauen in Deutschland seit mehr als Hundert Jahren studieren, könne im Prinzip auch niemand mehr auf die Idee kommen, dass mit „Student“ jemand ausgegrenzt werde.

Die Hochschulexpertin der AfD-Fraktion, Wiebke Muhsal, die das Thema parlamentarisch aufgespießt hat, sagte: „Die Umbenennung halte ich für Schwachsinn und hemmungslose Steuergeldverschwendung.“

Beim Studierendenrat der Universität Jena, wo man das sprachliche Neuland bereits erobert hat, sieht man das anders. „Für uns ist schon wichtig, dass er sprachneutral ist“, sagt Stura-Kassenwart Peter Held. „Aber ob die Schilder in einem Jahr ausgetauscht werden oder gar nicht, ist für uns sekundär.“

Ein weiterer Wortvorschlag sei vom Stura abgelehnt worden, betont Held. Der 36-jährige Student und Jenaer Linkspolitiker Mike Niederstraßer habe „Student*innenwerk“ vorgeschlagen. Held: „Das ist noch eine Stufe sprachneutraler.“

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