„Gesicht gegen Nazis zeigen“ - NPD-nahe Thügida meldet Demo in Erfurt an

Erfurt. Die fremdenfeindliche „Thügida“-Bewegung will am kommenden Montag quer durch die Erfurter Innenstadt demonstrieren. Ein NPD-Mitglied aus Greiz hat den Aufzug am Freitag angemeldet.

Die erste "ThüGIDA"- Demonstration startete vom Europaplatz und sollte bis zur Flüchtlingsunterkunft in der Ulan-Bator-Straße verlaufen. Im Bild: Sitzblockade der Gegendemonstranten. Archivfoto: Marco Schmidt

Die erste "ThüGIDA"- Demonstration startete vom Europaplatz und sollte bis zur Flüchtlingsunterkunft in der Ulan-Bator-Straße verlaufen. Im Bild: Sitzblockade der Gegendemonstranten. Archivfoto: Marco Schmidt

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Der ursprüngliche „Thügida“-Plan, erneut im Stadtgebiet Moskauer Platz aufzumarschieren, ist indes gescheitert. Erfurter hatten hier zuvor so viele Gegenveranstaltungen im Umfeld der Flüchtlingsunterkunft an der Ulan-Bator-Straße angemeldet, dass für die Rechten kein Platz mehr war.

Die Stadt soll der „Thügida“ daraufhin eine wenig besiedelte Route im Bereich Gispersleben vorgeschlagen haben. Doch ging der Greizer NPD-Mann nicht auf das Angebot ein und meldete die Innenstadtroute an.

Die neue Strecke soll Montag 19 Uhr am alten Angerbrunnen starten und offenbar zum Juri-Gagarin-Ring führen. Der Weg über die Schlösserstraße zum Fischmarkt wird durch andere Veranstaltungen blockiert.

Wie der Lokale Aktionsplan gegen Rechts am Freitag informierte, sind für Montag bereits zwei Gegendemonstrationen angemeldet. Sie finden demnach an der Kreuzung von Weitergasse und Anger sowie an der Kreuzung von Hirschlachufer und Neuwerkstraße statt.

Die „Thügida“ ging aus der Suhler „Sügida“ hervor. Ihre über das Bundesland verstreuten Anhänger wollten eigentlich wöchentlich neue Aufmarschorte wählen, haben sich zuletzt aber auf Erfurt fokussiert.

Bereits zwei Mal hat die NPD-nahe Bewegung am Moskauer Platz demonstriert. Bei der Stadt gingen daraufhin Dutzende Anwohnerbeschwerden ein, die sich über die Lärmbelästigung und die Hassparolen vor ihrer Haustür beklagten.

Die Erfurter Jusos rufen zu Gegendemonstrationen auf. „Uns ist eigentlich egal, in welchem Stadtteil uns die Neonazis beehren“, so SPD-Stadtratsmitglied Kevin Groß am Freitag. „Klar ist, dass wir ihnen den Protest der Zivilgesellschaft entgegensetzen.“ Juso-Sprecher Toni Lüttgenau fordert die Erfurter dazu auf, „sich der Neonazi-Clique in den Weg zu stellen“. Erfurt dürfe nicht zum Tummelplatz der extrem Rechten werden.

In seiner Eigenschaft als SPD-Landesvorsitzender kritisiert auch Andreas Bausewein die Thügida-Demonstration in der Erfurter Innenstadt scharf: „Jetzt kommt es darauf an, dass sich am Montag alle Erfurter gegen den rechten Aufmarsch wehren. Dann bleibt uns das in Zukunft hoffentlich erspart. Ich fordere alle Erfurter auf, bei der Gegendemo Gesicht zu zeigen“, sagte er am Freitag.

Dessen ungeachtet sei der Umstand, dass die Thügida-Demonstranten in die Innenstadt ausweichen mussten, „ein Sieg der Zivilgesellschaft, die verhindert hat, dass die Rechten weiterhin am Moskauer Platz vor der Flüchtlingsunterkunft aufmarschieren.“

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