Großbreitenbacher wollen den Schützenhof abreißen lassen

Großbreitenbach (Ilmkreis). Nur der Faschingsverein würde gern in dem Bürgerhaus wieder feiern. Seit 1999 verfällt das ungenutzte Einzeldenkmal.

Das Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute Gebäude verfiel von Jahr zu Jahr. Der Abriss würde schätzungsweise 100 000 Euro kosten und noch nicht einmal von der Stadt Großbreitenbach bezahlt werden müssen. Foto: Ralf Ehrlich

Das Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute Gebäude verfiel von Jahr zu Jahr. Der Abriss würde schätzungsweise 100 000 Euro kosten und noch nicht einmal von der Stadt Großbreitenbach bezahlt werden müssen. Foto: Ralf Ehrlich

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Nachdem der Faschingsverein das Bürgerhaus in Großbreitenbach 1999 als Letzter genutzt hatte, schlossen sich die Pforten des früheren Tanzlokals mit Gaststätte für immer. Ruhe allerdings um das Schicksal des stadtbildprägenden Einzeldenkmals hat es seither nie gegeben. Dafür sorgten die Narren zu den Schlüsselübergaben im Rathaus, bei der sie die Stadtspitze immer wieder launig an einen seither fehlenden Saal zum Feiern erinnerten.

Die Präsidentin des "Bräetmicher Carneval Club", Gabi Heyder, fand dafür wohlgeformte Worte: "Nun elf Jahre schon Ruine, fault der Schützenhof hinweg, nicht mal Motte oder Biene suchen darin ein Versteck". Selbst ein Modell des Schützenhauses übergaben sie der damaligen Bürgermeisterin Petra Enders.

Allein, es half nichts. Das Mitte 19. Jahrhundert erbaute Gebäude im Stil des Historismus verfiel von Jahr zu Jahr mehr. Mittlerweile ist das frühere Gesellschaftshaus im Erdgeschoss von Schwamm befallen, schwere Schäden an der Holzkonstruktion gibt es schon seit der Schließung.

Nicht irgendeine Denkmalruine

Eine Sanierung würde schätzungsweise drei Millionen Euro kosten, sagte Bauamtsleiterin Kerstin Hoffmann auf Nachfrage unserer Zeitung. Dass es nicht irgendeine Denkmalruine in der Altstadt ist, haben Gespräche im Landratsamt und beim Landeskonservator in Erfurt gezeigt. Daran nahm auch die Landrätin teil, die das Gebäude noch aus ihrer Jugend von Tanzveranstaltungen her kennt.

Jahrelang wurde um ein tragfähiges Konzept gerungen. Im März 2006 schien sogar ein Investor gefunden, die Bürgermeisterin jubelte, doch auch daraus wurde nichts. Konzeptionen sahen vor, den Saal wieder nutzbar zu machen, eine Gaststätte reinzubringen, Vereinsräume einzurichten, einen Getränkemarkt anzusiedeln. All das blieb aber letzten Endes Wunschdenken. Jetzt denkt Bürgermeister Hans Jürgen Beier, wie er unserer Zeitung sagte, nur noch an eines: Abriss.

Auch das Meinungsbild der Großbreitenbacher, die mit ihrem Schützenhof Erinnerungen an vergnügte Stunden verbinden, änderte sich in den Jahren. Waren sie anfangs noch mehrheitlich für den Erhalt des Bürgerhauses, haben sie sich seit 2009 im Bürgerhaushalt für den Abriss entschieden.

Nur, sie sitzen nicht am längeren Hebel. Letztlich entscheidet über das Schicksal, Abriss oder weiterer Verfall, die Untere Denkmalschutzbehörde des Ilmkreises. Das Landesamt für Denkmalpflege verweist auf die historische thüringenweite Bedeutung eines solchen Schützenhauses, wo sich die Schützengesellschaft zum Vogelschießen traf, von denen es nicht mehr viele im Lande gebe.

Dabei ist es nach dem Archiv-Wissen von Bauamtsleiterin Hoffmann das dritte Schützenhaus am Platz. Das erste sei vor 1800 abgerissen worden, das zweite 1860 abgebrannt. Es wäre schon immer Gaststätte mit Pension gewesen. Später das Kulturhaus der Glaswerker, die auch Gästezimmer für ihre Arbeiter anboten Eine Studie von 2013 zur Brachflächenrevitalisierung empfahl den Abriss.

Abriss würde die Stadt vermutlich nichts kosten

Der würde schätzungsweise 100 000 Euro kosten und noch nicht einmal von der Stadt Großbreitenbach bezahlt werden müssen. Kommt es nämlich zum 3. Bauabschnitt an der 380 KV Trasse, würde der Abriss eine Ausgleichsmaßnahme von "50 Hertz" werden. Bisher läuft aber noch das Planfeststellungsverfahren. Wäre das Gebäude dann weg, würde dort wohl Grünfläche hinkommen, sagte der Bürgermeister. Er bedauert diesen Schritt, aber es sei inzwischen zu spät, das Gebäude zu erhalten. Es sei denn, ein Investor klopfte noch bei ihm an.

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