Häusliche Gewalt in Thüringen: Frauen sollen besser vor aggressiven Partnern geschützt werden

Erfurt  Polizei erkennt erhebliches Ausmaß häuslicher Gewalt in Thüringen. Weißer Ring: Über 80 Prozent der Opfer sind Frauen.

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Foto: Maurizio Gambarini

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Die Polizei in Thüringen will die Bekämpfung häuslicher Gewalt verbessern und damit vor allem die Hauptopfergruppe der Frauen stärker schützen.

Gewalt in den eigenen vier Wänden habe in allen regionalen Bereichen Thüringens ein erhebliches Ausmaß erreicht und gehöre deshalb in den Fokus der Öffentlichkeit, teilte die Landespolizeidirektion (LPD) auf Anfrage der TA mit.

Potenzielle Täter sollten erkennen, „dass Gewalt keine Privatsache ist und es hierzu keine rechtsfreien Räume gibt“, so LPD-Sprecher Jens Heidenfeldt. Den Opfern solle so erleichtert werden, im Ernstfall die Polizei zu alarmieren. Die Ermittler hoffen, so mehr Licht in das große Dunkelfeld im Bereich der häusliche Gewalt bringen zu können.

„Der Staat muss deutlich machen, dass er solche Formen der Gewalt nicht durchgehen lässt“, fordert auch Marion Walsmann, Landesvorsitzende der Opferschutzorganisation Weißer Ring anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November.

Oft sei es eine Mauer des Schweigens, hinter der Gewalttäter im Privaten unsichtbar werden. Da viele Opfer Angst vor dem Täter im gemeinsamen Lebensumfeld haben, sich schämen und die Schuld für zugefügtes Leid sogar sich selbst geben, verzichten sie häufig auf eine Strafanzeige, weiß Walsmann. „Der Täter schafft es, sein Opfer zu isolieren.“ Das sei eine unerträgliche Situation.

Was Ermittlern bekannt wird, wirkt erschreckend genug: Allein zwischen 2015 und 2017 fielen nach Angaben der Thüringer Polizeibehörden mehr als 7.400 Frauen häuslicher Gewalt zum Opfer, zwölf wurden getötet. Männer sind auch unter den Opfern häuslicher Gewalt – 556 von 2932 waren es im vergangenen Jahr. Aber zu mehr als 80 Prozent sind Frauen die Opfer. „84 Prozent der von uns betreuten Opfer sind Frauen, die Gewalt erfahren haben“, betont Marion Walsmann vom Weißen Ring. Bundesweit wird alle drei Tage eine Frau von ihrem Partner umgebracht, wie ein Lagebild des Bundeskriminalamts darlegt.

Da die Schläger die Wohnung meistens nicht freiwillig verlassen, bleibt den Opfern oft nur die Flucht. „Schutz finden viele der betroffenen Frauen nur, wenn sie aus ihrer eigenen Wohnung fliehen – zu Verwandten, Freunden oder in ein Frauenhaus“, erklärt Thüringens Sozial- und Frauenministerin Heike Werner (Linke). In den neun Frauenhäusern und drei Frauenschutzwohnungen stehen 141 Plätze zur Verfügung.

Häusliche Gewalt gegen Frauen ist nach Erkenntnissen der Opferschutzorganisation Weißer Ring kein soziales Randproblem, sondern in allen Gesellschaftsbereichen sowie Bildungsschichten verbreitet. Doch ein Unterschied sei offenkundig: In den sogenannten besseren Kreisen wird häufiger versucht, den Umgang mit der Gewalttat ohne Polizei geräuschlos zu regeln.

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Der Weiße Ring ist täglich von 7 bis 22 Uhr unter der Nummer 11 60 06 erreichbar. Sagen Sie uns Ihre Meinung

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