Hainich-Region wehrt sich: offener Brief gegen geplante Stromautobahn

Unstrut-Hainich-Kreis  Verwaltungschefs der Hainich-Region wehren sich in offenem Brief gegen die geplante Stromautobahn.

Wo jetzt 150 Kopfweiden stehen, sich ein Biotop befindet und auch der Stausee nicht weit ist, kurz vor dem Ortseingang von Heroldishausen, könnte einmal die Stromtrasse Suedlink gebaut werden. Foto: Alexander Volkmann

Wo jetzt 150 Kopfweiden stehen, sich ein Biotop befindet und auch der Stausee nicht weit ist, kurz vor dem Ortseingang von Heroldishausen, könnte einmal die Stromtrasse Suedlink gebaut werden. Foto: Alexander Volkmann

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Es ist ein Nadelöhr, durch das sich die Erdkabeltrasse Suedlink zwischen den ersten Wohnhäusern in Heroldishausen und der nahe gelegenen Talsperre zwängen soll. Diesen Verlauf sieht die derzeitige Planung des Stromnetzbetreibers Tennet für sein unterirdisches Starkstromkabel vor.

300 Meter liegen zwischen Wohnbebauung und Stausee. Auf der vorgesehenen Fläche befinden sich ein Biotop und 150 Kopfweiden. Die Zubringerstraße zur Ortsumfahrung Großengottern ist auf dem Areal bereits geplant. Es wird eng, wenn jetzt auch noch die Stromautobahn käme. Nicht auszuschließen, dass sich in ein paar Jahren Baufahrzeuge auf einer Breite von 40 Metern durch die Gemarkung fressen. Das will Heroldishausens Bürgermeister Uwe Zehaczek (parteilos) nicht hinnehmen.

Er stellt das gesamte Projekt Suedlink in Frage und hat dabei seine Bürgermeister-Kollegen von Altengottern, Flarchheim, Großengottern, Mülverstedt, Schönstedt, Weberstedt, Oppershausen und Kammerforst auf seiner Seite. Sie alle haben in der vergangenen Woche einen offenen Brief unterschrieben, der jetzt an Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sowie die Fraktionschefs im Thüringer Landtag geschickt wird.

"Es geht um den internationalen Börsenhandel"

Die gut 700 Kilometer lange Stromtrasse soll, wenn es nach dem Netzbetreiber Tennet geht, schon ab dem Jahr 2025 Strom von Nord- nach Süddeutschland leiten. Die Pläne, die Nord- und Westthüringen in die Route einbeziehen, stoßen im Freistaat seit Monaten auf Protest.

Der Zuwachs der Leistung auf bis zu acht Gigawatt, der durch Suedlink und die durch Ostthüringen geplante Trasse Sued-Ost-Link erreicht werden soll, lege laut den Verfassern des offenen Briefes nahe, dass es dabei längst nicht mehr nur um die Energiewende gehe. "Es geht um den internationalen Börsenhandel, Stromtransport von Norwegen bis Griechenland", vermutet Zehaczek, "und dann fließt auch Atomstrom durch die Leitungen".

Bei intensiver Betrachtung des Vorhabens hätten sich viele weitere Fragen ergeben – besonders, was das für die Strecke ursprünglich wesentliche Planungskriterium, die Geradlinigkeit, angeht. Ein Trassenverlauf durch Hessen wurde von Tennet verworfen. Die Verfasser des offenen Briefes sehen den Trassenvorschlag durch Thüringen "politisch motiviert".

Für die Planungsvariante durch Thüringen gebe es keine ökologisch und ökonomisch überzeugenden Gründe, heißt es im Brief. Rückwind bekommen die hiesigen Bürgermeister von Thüringens Infrastrukturministerin Birgit Keller (Linke). Sie hatte am Dienstag eine alternative Route vorgestellt.

"Wir sind die Versuchskaninchen für ein Projekt"

Danach soll das Erdkabel deutlich weiter westlich verlaufen und Thüringen überhaupt nicht berühren. "Die vorliegenden Planungen der Bundesnetzagentur widersprechen dem von der Bundesregierung selbst eingeführten Gebot der Geradlinigkeit", sagte Keller. Ein weiterer Aspekt, den Bürgermeister Zehaczek und der ebenfalls aus Heroldishausen stammende Landwirt und Gemeinderat Eckhard Meyer (parteilos) anführen, sind die nicht ausreichend erforschten gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen. Es gebe keine klare Gesetzeslage, die einen Mindestabstand regelt. "Wir sind die Versuchskaninchen für ein Projekt, das es so zuvor noch nie gegeben hat", meint Heroldishausens Verwaltungschef, "der Bau der Stromtrasse und die Eingriffe in die Natur kommen dem Bau einer Bundesstraße gleich". Elektrosmog, Verschandelung der Umwelt und negative Folgen für Landwirtschaft und Tourismus könnten die Folgen sein.

Die Suedlink-Gegner fordern ein Handeln der Landesregierung. Die Präsentation des Alternativvorschlages sei ein erster Schritt dazu, meint Zehaczek. Doch letztlich gilt es, das ganze Projekt zu verhindern und stattdessen auf alternative, möglichst dezentrale Lösungen zu setzen.

Die Antragskonferenz der Bundesnetzagentur für den Nordthüringer Abschnitt findet am 30. Mai in Gotha statt. Vertreter der Landesbehörden werden an den Antragskonferenzen in Thüringen teilnehmen und dafür sorgen, dass die Interessen Thüringens Eingang in das Verfahren finden, heißt es aus dem Infrastruktur-Ministerium. Die Landesregierung beabsichtigt, die Stellungnahme zum Suedlink in Ihrer Kabinettssitzung am 16. Mai zu beschließen.

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