Hilferuf von der Ilmenauer Tafel

Ilmenau  Leiterin schildert katastrophale Zustände bei der Lebensmittelausgabe. Personal fehlt. Frauen an der Ausgabe wurden angegriffen

In diesem Gebäude am Homburger Platz, wo sich die Ilmenauer Tafel mit Teestube und Lebensmittelausgabe befindet, spielen sich Dramen ab, mit denen die Mitarbeiterinnen allein gelassen werden.

In diesem Gebäude am Homburger Platz, wo sich die Ilmenauer Tafel mit Teestube und Lebensmittelausgabe befindet, spielen sich Dramen ab, mit denen die Mitarbeiterinnen allein gelassen werden.

Foto: André Heß

Von katastrophalen, unhaltbaren Zuständen an der Ilmenauer Tafel berichtete deren Leiterin Christel Satzke am Donnerstag in der öffentlichen Sitzung des Sozialausschusses.

Da war von körperlichen Angriffen auf die Mitarbeiterinnen, fehlenden Lebensmitteln und Spenden, im Müll landenden Lebensmitteln, schlechtem Zustand des Gebäudes, fehlendem Personal die Rede.

Christel Satzke, die seit vier Jahren in der Tafel arbeitet, sehnt ihren vorzeitigen Ruhestand herbei. Sie war selbst schon Opfer eines Angriffes eines Asylbewerbers an der Tafel geworden. Der wurde daraufhin zu einer Geldstrafe verurteilt, geht aber in Berufung.

Mit den Flüchtlingsfamilien, die zur Tafel kommen, habe sich die Situation verschärft, sagte sie. Die ehrenamtlich arbeitenden Frauen würden von den männlichen Asylbewerbern und Familienvätern nicht anerkannt und respektiert. Insbesondere gäbe es Probleme mit etwa 13 Männern. „Die Frauen sind ja alle friedliche Leute.“

Derzeit nutzen die Ilmenauer Tafel 521 Bedarfsgemeinschaften im südlichen Ilm-Kreis, darunter 215 Flüchtlingsfamilien aus elf Nationalitäten.

Besonders schlimm sei es zur Lebensmittelausgabe montags und freitags, sagte sie. Obwohl man den Asylbewerbern die Lebensmittel vorher zeige, die ihnen auf Wunsch eingepackt werden, würden sie anschließend in den Mülltonnen vor der Tür landen. Es würden aber auch mal Stühle durch die Gegend geworfen, es würde geklaut.

Dann entlade sich auch Frust bei den Flüchtlingen, weil das Angebot nicht ausreichend ist. Man bekomme immer weniger Lebensmittel von den Supermärkten gespendet und in immer schlechterem Zustand, kritisierte Satzke weiter. Auch habe man bisher von Firmen oder Privatleuten noch keine Spenden für Weihnachten bekommen, selbst die Gaben zum Erntedankmarkt zugunsten der Tafel seien schon aufgebraucht. Dabei stehe eine Weihnachtsfeier am 14. Dezember in der katholischen Kirche bevor, für die sich bereits 64 Kinder, hauptsächlich aus Flüchtlingsfamilien angemeldet hätten.

Auch habe man ein Personalproblem. Die Mitarbeiter seien 59 bis 72 Jahre alt, Mitarbeiter über das Jobcenter „Soziale Teilhabe“ seien derzeit krank. Man habe nur einen Mitarbeiter mit Fahrerlaubnis für den Transport, keinen Hausmeister mehr, obwohl die Türen defekt sind, der Putz an der Fassade bröckelt, die steile Kellertreppe zu den Kühltruhen nicht mal ein Geländer hat. Satzke wünschte sich einen Sicherheitsdienst.

Die Stadträte hörten die Schilderungen mit Bestürzen und dankten für die Arbeit. Sie verwiesen jedoch zum einen wegen der Flüchtlinge auf das Landratsamt und zum anderen wegen der Personaldecke, dem Zustand des Gebäudes sowie eines Sicherheitsdienstes und Hausmeisters auf den Träger der Einrichtung, das ist das Marienstift in Arnstadt.

Satzke könne sich vorstellen, dass die Tafel in die Goethepas-sage in den leeren Einkaufmarkt zieht. Das hatte sie bisher abgelehnt, da der Standort am Homburger Platz zentral gelegen ist und eine Busanbindung hat. Es gäbe aber auch Positives, wie die Beteiligung von syrischen Familien beim Deutschkurs oder an der Lebensmittelausgabe.

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