Jeder zweite Thüringer ist laut einer Studie fremdenfeindlich

Erfurt  Die Zahl ist bedenklich: Jeder zweite Thüringer ist laut einer Studie fremdenfeindlich eingestellt. Angesichts vieler Flüchtlinge hatten Experten mit einem höheren Wert gerechnet.

37 Prozent vertraten die Auffassung, dass Flüchtlinge nur deshalb nach Deutschland kämen, um den Sozialstaat auszunutzen. Vor einem Jahr waren noch 40 Prozent dieser Meinung. Archivfoto: Sebastian Kahnert

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Jeder zweite Thüringer ist einer Studie zufolge fremdenfeindlich eingestellt. Trotz der deutlich gestiegenen Zahl von Flüchtlingen im vergangenen Jahr seien es aber nicht mehr geworden. Das geht aus dem „Thüringen Monitor“ zu den politischen Einstellungen im Land hervor, der am Dienstag in Erfurt vorgestellt wurde. Demnach waren 52 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Deutschland durch viele Ausländer in einem gefährlichen Maße überfremdet werde. Das entspreche dem Durchschnitt der vergangenen Jahre, sagte Autor und Soziologe Heinrich Best. Bei der gleichen Studie argumentierten vor einem Jahr noch 51 Prozent so. 2014 waren es 48 Prozent.

37 Prozent vertraten die Auffassung, dass Flüchtlinge nur deshalb nach Deutschland kämen, um den Sozialstaat auszunutzen. Vor einem Jahr waren noch 40 Prozent dieser Meinung. Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss: „Rechtsextreme Einstellungen haben im Verlauf der „Flüchtlingskrise“ keine weitere Verbreitung gefunden, sondern sind sogar zurückgegangen.“ Der „Thüringen Monitor“ wird seit dem Jahr 2000 im Auftrag der Landesregierung veröffentlicht und vom Kompetenzzentrum Rechtsextremismus der Universität Jena erstellt.

Als überraschend bezeichnete Best den Anteil der Thüringer, die rechtsextrem eingestellt sind. 16 Prozent der Befragten gelten als rechtsextrem. „Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Messung.“ Vor einem Jahr waren es noch 24 Prozent. Die Studie wurde im vergangenen Jahr erstellt, bevor besonders viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Die Experten des Instituts für Soziologie führen den Rückgang etwa auf die bessere wirtschaftliche Lage zurück.

Best wies Befürchtungen zurück, die Befragten trauten sich nicht ihre Meinung offen zu sagen, weshalb der Wert gesunken sei. „Wir kennen Anzeichen einer Normalisierung und Enttabuisierung bestimmter Positionen“, erklärte der Soziologe. So sei es bei Fragen zum Rechtsextremismus seltener als in den Vorjahren vorgekommen, dass Antworten verweigert worden seien.

In der Studie äußerten sich viele Thüringer kritisch zu Flüchtlingen: Demnach sagten 81 Prozent der Befragten, dass abgelehnte Asylbewerber abgeschoben werden sollten. 67 Prozent vertraten die Auffassung, dass Flüchtlinge wieder in ihre Heimatländer zurückkehren sollten, wenn die Fluchtgründe nicht mehr vorliegen. 72 Prozent sprachen sich für eine Obergrenze bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus. 73 Prozent lehnten eine großzügige Prüfung von Asylanträgen ab.

„Die Thüringer sind bereit, Kriegsflüchtlingen Hilfe und Schutz auf Zeit zu gewähren. Sie sehen darin aber kein Ticket für einen dauerhaften Zuzug nach Deutschland“, kommentierte die CDU-Fraktion die Studie. Die Grünen mahnten, die Verunsicherung in der Bevölkerung gegenüber Geflüchteten ernstzunehmen.

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