Jenaer Initiative „Nazis pro Asyl“ bringt 6000 Euro an Spenden

Jena  Engagierte Frauen und Männer übergeben das Geld an drei Jenaer Vereine. Professoren der Uni Jena widersprechen indes den Verwaltungsgerichten Gera und Weimar.

Die Initiative „Nazis pro Asyl" erreichte ihr Spendenziel und übergab jeweils 2000 Euro an drei Vereine: an JuMäx, Thüringer Flüchtlingspaten Syrien und Bürgerinitiative Pro Asyl. Unser Bild zeigt alle Akteure des Treffens im Gasthaus „Weintanne“. Foto: Thorsten Büker

Die Initiative „Nazis pro Asyl" erreichte ihr Spendenziel und übergab jeweils 2000 Euro an drei Vereine: an JuMäx, Thüringer Flüchtlingspaten Syrien und Bürgerinitiative Pro Asyl. Unser Bild zeigt alle Akteure des Treffens im Gasthaus „Weintanne“. Foto: Thorsten Büker

Foto: zgt

Wenn man dem braunen Spuk am 9. November etwas Positives abgewinnen konnte, dann hat die Initiative „Nazis pro Asyl“ dafür gesorgt. Sie sammelte 6000 Euro an Spenden ein, die an drei Vereine übergeben wurden.

Über die Kreidemalaktion im August kamen sie zusammen: ein Kern von vielleicht zehn Menschen, die den Aufmärschen im Damenviertel nicht tatenlos zusehen wollten. Für die Aktion „Nazis pro Asyl“ variierten sie eine Idee, die bereits im November 2014 in Wunsiedel für Furore gesorgt hat: Sie warben im Vorfeld um Spenden, um für jeden demonstrierenden Neonazi Geld zu spenden.

„Die Resonanz war enorm. Etwa zwei Wochen vor dem 9. November hatten wir unser Spendenziel bereits erreicht. 145 Bürger und Firmen machten mit, viele spendeten auch anonym“, sagte Wolfgang Volkmer von der Initiative. Es gebe viele Idealisten in dieser Stadt, viele Frauen und Männer engagierten sich gegen Rechts.

In Wunsiedel suchte man vor zwei Jahren nach anderen Formen des Protestes, da der Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß dort begraben war und die Stadt Jahr für Jahr von Rechtsextremen zum Volkstrauertag heimgesucht wurde und wird. Bei einem unfreiwilligen Spendenlauf gab es zehn Euro für jeden Meter, den ein Rechtsextremer zurücklegte.

Initiative will auf jeden Fall weitermachen

In Jena kommt das Geld zu gleichen Teilen drei Vereinen zugute: Die Vereine „JuMäx“ (Abenteuerspielplatz Lobeda), Thüringer Flüchtlingspaten Syrien und die Bürgerinitiative Asyl stünden exemplarisch für das dauerhafte Engagement in der Stadt im Sinne des friedlichen Zusammenlebens und der Toleranz, hieß es gestern. So will man künftig die Einzelfallhilfe für Flüchtlinge verbessern, jenen Flüchtlingen helfen, deren enge Verwandte noch in Syrien ausharren müssen, sowie den interkulturellen Garten „Buntes Gemüse“ auf dem Abenteuerspielplatz in Lobeda fördern, erzählten Clemens Wesselburg, Sabine Djimakong und Katja Reindl im Gasthaus „Weintanne“, wo die Spenden übergeben wurden.

Bereits am 6. November nutzten etwa 50 Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, Transparente und Banner für den friedlichen, aber deutlichen Protest an der eigenen Hauswand zu gestalten. Dass ein Banner der Initiative mit dem Spruch „Endspurt statt Endsieg“ mutwillig von den Nazi-Demonstranten abgerissen wurde, hat möglicherweise ein Nachspiel. So denkt die Initiative darüber nach, die Täter anzuzeigen. In jedem Fall, so war zu hören, wolle man zusammenbleiben, da mit weiteren Aufmärschen zu rechnen ist.

Kritisch mit der Entscheidung der beiden Verwaltungsgerichte auseinandergesetzt haben sich jetzt Professoren der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Uni Jena. Sie sahen durchaus Ansätze, mit denen die Richter in Gera und Weimar die Demonstration am 9. November hätten verbieten können.

Wer als rechtsextreme Gruppe in der Vergangenheit an sensiblen NS-Gedenktagen demonstriert habe, der werde beim Zusammentreffen eines weiteren, hochsensiblen Datums aus der NS-Zeit (1938) mit Ereignissen aus anderen Jahren (1989) im Regelfall nicht das andere Ereignis (hier: Mauerfall) zum Anlass seiner Demonstration nehmen, sondern in provokativer politischer Umsetzung seiner rechtsextremen Gesinnung doch „die Würde der Opfer nationalsozialistischer Gewalt- und Willkürherrschaft“ in beispielloser Weise angreifen, wodurch das sittliche Empfinden der breiten Bevölkerungsmehrheit in unerträglicher Weise verletzt werde, heißt es in dem Beitrag, der unter anderem vom Lehrstuhlinhaber Professor Walter Bayer verfasst wurde.

Die TLZ dokumentiert die Einschätzung auf tlz.de