Jenaer Zentrum der Klimaskeptiker mit gutem Draht zur CDU

Dass der Klimawandel auch von Menschen gemacht ist, ist die derzeit gängige These. Ein vormaliger CDU-Funktionär kämpft von Thüringen aus dagegen an. Der Generalsekretär seiner Landespartei ist zumindest formal mit dabei.

Gibt die Linie vor: Mario Voigt im November auf dem CDU-Landesparteitag, der ihn zum Generalsekretär wählte. Foto: Marco Kneise

Gibt die Linie vor: Mario Voigt im November auf dem CDU-Landesparteitag, der ihn zum Generalsekretär wählte. Foto: Marco Kneise

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Jena. Es gibt Menschen, die über die Kälte meckern. Holger Thuß gehört nicht dazu. Er findet es eher hilfreich. Schließlich, sagt er, wirke "das Gerede über das Rekordwärmejahr 2010 besonders überzeugend, wenn man in einer Schneewehe steht".

Thuß, 41, ist eingeborener Jenaer. Hier ist er aufgewachsen und zur Schule gegangen. Hier hat er studiert, promoviert und eine Familie gegründet. Und hier hat er sein eigenes Institut gegründet, das Europäische Institut für Klima und Energie, kurz EIKE.

Thuß verfolgt eine Mission, die man auf der Eike-Seite im Internet nachlesen kann. Er und sein Institut streiten gegen "Horrorszenarien mit extremen Wettereignissen und dramatisch ansteigenden Meeresspiegeln". Die Wirkung des von Menschen produzierten Kohlendioxids werde "einseitig überbewertet". Eher sei etwa die Erdbahn um die Sonne entscheidend, weshalb man ab 2030 mit einer neuen Kältephase rechnen müsse.

Dass die Thesen den Erkenntnissen der übergroßen Mehrheit der Klimaforscher widersprechen, ficht Thuß nicht an. Diese Mehrheit sei ein "Scheinriese", von Interessen und vom politisch korrekten Zeitgeist gesteuert. Die Vereinbarungen von Kyoto, Stockholm, Cancùn - alles grober Unsinn.

Thuß ist in der Klimaskeptiker-Szene inzwischen recht bekannt, gerade hat er einen Kongress in Berlin organisiert, mit 150 Teilnehmern "und viel Medienecho". Der "Spiegel" hat über den Institutspräsidenten geschrieben und im ZDF war er auch schon. Dass die Beiträge "ausschließlich negativ" auffielen, ist ihm egal: "Hauptsache, sie schreiben meinen Namen richtig." Sein Institut sei inzwischen "die erste Adresse" für Klimaskeptiker in Deutschland - auch wenn diese Adresse bislang seine Privatanschrift ist.

Tatsächlich hat der Politikwissenschaftler ein großes Netzwerk aufgebaut. Im Beirat des Instituts, das sich laut Thuß keinesfalls nur über Spenden aus der Ölindustrie finanziert, sitzen zwei Dutzend Professoren. Dazu ist Thuß auch Vorsitzender vom europäischen Ableger der weltweit agierenden Organisation CFACT, die dieselben Ziele wie EIKE verfolgt.

Auch besitzt Thuß alte Kontakte in seine Partei, die Union. Immerhin war er mal in den 90er Jahren Bundeschef der parteinahen Studentenorganisation RCDS. Aus dieser Zeit stammt auch seine Bekanntschaft zu Mario Voigt, der inzwischen für die CDU im Thüringer Landtag sitzt und als Generalsekretär der Landespartei schon mal gegen Windräder kämpft.

Und, Voigt sitzt seit Jahren bei CFACT im Beirat - was er aber nicht zu hoch gehängt wissen will. Er sei da als Student aus alter Freundschaft zu Thuß eingetreten, sagt er, auch habe er nie eine Beirats-Sitzung erlebt. Ob er denn auch glaube, dass der Klimawandel nichts mit dem menschlichen Wirken zu tun habe? Nun, antwortet der Generalsekretär, so würde er das nicht behaupten, er sei ja kein Klimaforscher. Dennoch benötige man eine "offene Debatte", auch mit Menschen wie Thuß, dessen Widerspruchsgeist er sehr schätze.

Voigt will deshalb auch im Beirat von CFACT bleiben, alles andere wäre ja "illoyal". Dennoch ist er womöglich nicht betrübt darüber, dass Thuß selbst gar kein großes Interesse mehr an seiner Nebenorganisation hat - und auch nicht an der Union. Sein eigenes Institut laufe so gut, sagt er, da brauche er CFACT nicht mehr. Und in der CDU sei er ja eh nur noch "eine Karteileiche", seit sich die Partei auch noch dem Klimaschutz verschreiben musste.

Er, sagt Thuß und lacht dazu ein wenig, befinde sich dagegen ja jetzt "im Widerstand".

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