Kraniche in Gefahr - Windkraftanlage im Landkreis Gotha direkt im Flugkorridor der Vögel geplant

Dachwig/Döllstädt  Kraniche in Gefahr! Der Nabu kündigt für Bauvorhaben bei Dachwig Klage an. Auch sei eine Beschwerde an die EU-Umweltdirektion über den Umgang mit EU-geschützten Arten und deren Rastflächen längst überfällig.

Zurzeit fliegen die Kraniche noch an den Windkraftanlagen vorbei. Bisher wurde hinter Dachwig darauf geachtet, dass sich die Rotorblätter außerhalb der angestammten Flugrouten der Zugvögel drehen.

Zurzeit fliegen die Kraniche noch an den Windkraftanlagen vorbei. Bisher wurde hinter Dachwig darauf geachtet, dass sich die Rotorblätter außerhalb der angestammten Flugrouten der Zugvögel drehen.

Foto: Tino Sauer

Es geht um Geld, um sehr viel Geld. Deshalb befürchtet Tino Sauer, dass der Naturschutz bei den geplanten Windkraftanlagen im Dreieck Döllstädt, Dachwig, Herbsleben, auf der Strecke bleiben wird. Auf einer Fläche von etwa 25 Hektar wurde dort auf dem Regionalplan Mittelthüringen ein Vorzugsgebiet für Windkraftanlagen markiert. Genau auf der direkten Linie, die von den Kranichen alljährlich genutzt wird, wenn sie vom Speicher Döllstädt zu den Herbslebener Teichen an die Unstrut wechseln, beklagt der Vorsitzende der Ortsgruppe Großfahner des Naturschutzbundes. In den vergangenen Jahren wurden während des Vogelzuges bis zu 2000 Kraniche gezählt, die diese Strecke nutzen. Das Vorzugsgebiet wurden direkt in den Vogelzugkorridor geplant. Eine Einbeziehung des Naturschutzbundes habe es nicht gegeben, die seit 2016 von den Naturschützern geäußerten Bedenken wurden sprichwörtlich in den Wind geschrieben.

Noch sei dieser Regionale Raumordnungsplan nicht in Kraft getreten, noch liegt er bei Landwirtschaftsministerin Birgit Keller, die letztendlich zu entscheiden hat. Über insgesamt 15 Vorzugsgebiete, die in der Planung für Mittelthüringen festgelegt wurden. Gebaut werden können einzelne Anlagen jetzt aber trotzdem schon, weiß Tino Sauer. Die Landratsämter könnten jetzt schon Genehmigungen erteilen. Zwei Anlagen wurden im Landratsamt Gotha für das mit „W-4“ gekennzeichnete Vorzugsgebiet zwischen Döllstädt und Dachwig bereits beantragt – und Tino Sauer befürchtet, dass die auch genehmigt werden. Schließlich geht es um viel Geld, weiß er. Allein die Genehmigung einer Anlage würde etwa 25.000 Euro in die Kreiskasse fließen lassen. Dazu würden sich Pachtsummen in sechsstelliger Höhe addieren.

Windkraftanlagen würden sich für den Kreis rechnen – so wie auch für die Eigentümer der Flächen. Und der Betreiber, der Investor, würde dabei nicht einmal ein finanzielles Risiko eingehen. Denn wenn der Standort nach der Genehmigung des Landkreises vom Land letztendlich doch nicht genehmigt wird, stünde dem Investor ein Schadenersatz zu. Egal ob er schon gebaut hat, oder noch nicht. Schadensersatz über den langjährig bilanzierten Gewinn – ein Gewinn bringendes Geschäft, weiß Tino Sauer – zu Lasten des Steuerzahlers.

Er kündigt jetzt schon an, dass der Nabu gegen die Verbauung des Flugkorridores klagen wird. Auch sei eine Beschwerde an die EU-Umweltdirektion über den Umgang mit EU-geschützten Arten und deren Rastflächen längst überfällig. Und er betont dabei, dass man die Anlage keineswegs verhindern will – lediglich aus dem Korridor verschieben. In unmittelbarer Nachbarschaft in Richtung Tonna gibt es bereits einen Windpark, gibt es auch freie Flächen außerhalb des Naturreservates für weitere Windkraftanlagen.

Auf eine Änderung der Planung drängt der Naturschutzbund auch deswegen, weil hier erstmals im Thüringer Becken eine vollkommen neue Kraftwerk-Generation aufgestellt werden soll. Das Betreiberunternehmen, die PNE Cuxhaven, plane Windkraftanlagen, die mit einer Leistung von 5,3 Megawatt etwa das dreifache bisheriger Anlagen einspeisen können. Sie sind entsprechend größer dimensioniert und mit 240 Meter etwa 40 Meter höher als konventionelle Anlagen.

„Wir befürchten, dass die zwei derzeit beantragten Anlagen als Türöffner benutzt werden, um danach weiterederartige Anlagen zur Genehmigung einzureichen“, kritisiert Tino Sauer. Aufhorchen lässt ihn auch, dass der damit beauftragte Gutachter sowohl für die Planungsgemeinschaft arbeitet, als auch für den Auftraggeber.

Seine Bedenken hat er auch gegenüber Ministerpräsident Bodo Ramelow geäußert und ihm das zu erwartende Szenario bei weiteren Genehmigungen aufgezeichnet: Wird ein weiteres Planungsgebiet eröffnet, werden sich auch die bestehenden Anlagen erweitern wollen. Aus den derzeit zehn Anlagen, die seit einigen Jahren zur Skyline von Dachwig und Döllstädt gehören, wird so schnell ein Giga.Windpark mit mehr als 70 Anlagen. Tino Sauer beschreibt es als „geduldeten regionalplanerischen Dominoeffekt“. Die 2007 festgelegte Vogelschutzkulisse für das „Ackerhügelland westlich von Erfurt mit Fahnerscher Höhe“ werde im Gegenzug immer weiter abgespeckt.

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