Kritik an Jugendamt-Führung: "Wir sind Pflegeeltern und keine Bittsteller"

Eichsfeld. Lange hat Wolfram Staufenbiel hinter verschlossener Tür gestritten. Jetzt reicht es dem Vorsitzenden des Pflegeelternvereins Eichsfeld. Denn er sieht große Probleme in der Zusammenarbeit mit dem Jugendamt des Landkreises Eichsfeld. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Staufenbiel, was das Ziel der Pflegeeltern ist und warum sie jetzt an die Öffentlichkeit gehen.

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Was fordern Sie vom Landkreis?

Wir haben keine Forderungen an den Landkreis. Pflegeeltern erbringen für den Landkreis Eichsfeld eine Dienstleistung. Für sämtliche Kosten muss der Landkreis laut Gesetz aufkommen.

Die Eltern, die ein Pflegekind aufnehmen, erhalten Pflegegeld. Wo ist das Problem?

Das Problem ist, dass die Leistungen für Pflegeeltern in den vergangenen Jahren sukzessive gekürzt wurden und das Jugendamt geltende Gesetze ignoriert.

Der Reihe nach. Wie müssen wir uns das vorstellen, wenn das Jugendamt Gesetze ignoriert? Immerhin ist das ein schwerer Vorwurf.

Sicher. Seit zwei Jahren wird vom Gesetzgeber vorgegeben, dass an die Stelle von Amtsvormundschaften sogenannte Einzelvormundschaften treten sollen. Ich habe mich im Landkreis als ein solcher Einzelvormund angeboten. Es gibt weitere, die das ebenfalls getan haben. Nur das Jugendamt geht darauf überhaupt nicht ein.

Was sind die Folgen?

Es entsteht ein bürokratischer Schwachsinn, den sich niemand vorstellen kann.

Ein Beispiel bitte?

Der Amtsvormund hat unter anderem die sogenannte Gesundheitssorge für das Pflegekind. Braucht das nun eine neue Brille, laufen die gut bezahlten Beamten des Jugendamtes los und holen drei Kostenvoranschläge dafür ein. Die sollten doch eigentlich andere Aufgaben haben.

Sie selbst sind Pflegevater seit sieben Jahren. Wie viele Kinder haben Sie zur Pflege?

Drei Kinder in Vollzeitpflege und eins zur Kurzzeitpflege. Allein mit uns hat der Landkreis schon mehr als 300.000 Euro gespart. Es gibt Familien, da geht es in die Million.

Also geht es doch ums Geld, oder etwa nicht?

Ja, es geht ums Geld. Wir wollen erreichen, dass der Landkreis seiner Pflicht nachkommt und seine hoheitliche Aufgabe, die Versorgung der Kinder, die aus welchen Gründen auch immer aus ihrer Familie herausgenommen werden müssen, sicherstellt. Auch und vor allem finanziell. Wir sind Pflegeeltern, keine Bittsteller. So werden wir aber behandelt.

Woran machen Sie das fest?

Allein an der Tatsache, dass so getan wird, dass das Pflegegeld eine freiwillige Leistung ist. Es gibt hierzulande die niedrigsten Sätze in ganz Deutschland. Und das muss sich ändern.

Das ist aber in ganz Thüringen so. Warum soll man das gerade im Eichsfeld ändern?

Weil der Landkreis und der Landrat doch auch in anderen Bereichen schon eigene Lösungswege gefunden haben. Darauf hat Heinz Funke von der SPD zu recht hingewiesen.

Wie soll es weitergehen?

Das Tischtuch ist zerrissen. Zumindest zur Leitung des Jugendamtes und dem Landkreis. Im Gegensatz dazu machen die Mitarbeiter an der Basis hervorragende Arbeit. Wir warten jetzt auf ein Gesprächsangebot.

Aber Gespräche, sagt Landrat Henning, gab es auch in der Vergangenheit ausreichend und damit die Möglichkeit, Probleme zu artikulieren.

2013 gab es drei Termine. Alle vom Pflegeelternverein initiiert. Das spricht für sich ...

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