Kyffhäuserkreis wird auf Eignung als Endlagerstandort überprüft

Kyffhäuserkreis  Atommüll, nein danke! Aber irgendwo in Deutschland müssen die radioaktiven Abfälle ab 2050 gelagert werden. Das schreibt das Standortlager-Suchegesetz vor.

Der Landkreis wird auf Eignung als Endlagerstandort überprüft.

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Foto: dpa

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Der Kyffhäuserkreis mit seinen Salzlagerstätten könnte bei der Suche auf der noch „weißen Landkarte“, die das Gesetz verspricht, in den kommenden Jahren eine Rolle spielen. Keine Region soll bevorzugt, keine von vornherein ausgeschlossen werden, lautete die Ankündigung von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks im vergangenen Jahr.

Vielmehr sollen Wissenschaftler in einem mehrstufigen und mehrjährigen Prozess unter Beteiligung der Öffentlichkeit den passenden Platz für das Atommüll-Endlager in Deutschland suchen.

Dass die Kommission im Kyffhäuserkreis fündig werden könnte, bezweifelt die Umweltbehörde des Landkreises allerdings. Seit das Gesetz in Kraft ist und nach einem passenden Ort unter Tage für den Müll aus den Atommeilern gesucht wird, habe man sich im Landratsamt damit auch intensiv befasst und versucht Argumente zu finden, die gegen die Region sprechen könnten, erklärte Verwaltungschef Heinz-Ulrich Thiele.

An mehreren Veranstaltungen hat der Leiter der Kreis-Umweltbehörde, Michael Fruth, deshalb teilgenommen. Man wolle gewappnet sein, so Thiele. Und ist überzeugt: Der Kyffhäuserkreis ist keine geeignete Region. „Realistisch gesehen sind wir ausgeschlossen“, sagte Fruth. Das habe sich erst wieder an Heiligabend gezeigt, als bei Sondershausen ein Gebirgsschlag verzeichnet wurde.

Die Suche stehe zwar noch ganz am Anfang. Aber im Gesetz seien Mindestanforderungen und Ausschlusskriterien für das künftige Endlager festgelegt. „Ein Ausschlusskriterium sind Bergwerke, ehemalige wie aktuelle“, erklärte Fruth. Abgebaut werde zwar heute nur noch unter Sondershausen, aber Kalisalz wurde früher in der ganzen Region von Roßleben bis Göllingen abgebaut.

Probleme würden für eine für eine Million Jahre sichere Lagerstätte auch geologische Störungszonen bereiten. Auch davon gebe es in der Region zahlreiche. In Sondershausen die Wippertalstörungszone, die immer wieder auch durchaus über Tage spürbare Gebirgsschläge verursache. Störungszonen gebe es aber auch im Kyffhäusergebirge, so Fruth.

Und nennt noch weitere Kriterien, die in der ersten Phase der Suche eine Rolle spielen können. So wie Ballungszentren ausgeschlossen sind, will der Gesetzgeber auch den Naturschutz berücksichtigen. Naturschutzgebiete, Vogelschutz- und Fauna-Flora-Habitat-Gebiete werden ebenso beachtet. Auch von denen hat der Landkreis eine Vielzahl zu bieten, sagte der Umweltamtschef und wiederholte noch einmal, dass er „den Kyffhäuserkreis aus fachlicher Sicht betrachtet nicht an der ersten Stelle sieht“.

„Ausgeschlossen aber ist noch keine Region“, meinte auch Fruth. Momentan sei man erst bei der Datenauswertung. Dafür mussten die Bundesländer und Bergbehörden der Bundesgesellschaft zur Endlagersuche geologische Daten sammeln. Die werden nun nach den gesetzlich festgelegten Ausschlusskriterien und Mindestanforderungen geprüft. Erst dann werden erstmals Gebiete ausgewiesen, die die Auflagen erfüllen. Aber auch dann steht die Suche noch ganz am Anfang.

Die Standortsuche zur Endlagerung radioaktiver Abfälle

Wie ist der aktuelle Bearbeitungsstand? Eine neue Fassung des Standortauswahlgesetzes wurde im März 2017 von Bundestag und Bundesrat beschlossen. Bis 2031 sollen Standorte gefunden werden. Die Einlagerung soll um das Jahr 2050 beginnen.

Woher stammen die radioaktiven Abfälle? Es handelt sich vor allem um bestrahlte Brennelemente, die zur Stromerzeugung in Atomkraftwerken genutzt wurden, sowie die bei der Wiederaufbereitung von solchen Brennelementen entstandenen Abfälle.

Wie gefährlich sind die Abfälle?Radioaktive Strahlung kann Zellen im menschlichen Körper schädigen und unter anderem Krebs auslösen.

Gibt es schon Endlager in Deutschland?Für hochradioaktive Stoffe gibt es kein Endlager. Lediglich schwach- und mittelradioaktive Abfälle wurden in Morsleben und im Schacht Asse II bei Wolfenbüttel eingelagert. Beide Standorte sollen stillegelegt werden. Das erste genehmigte Endlager soll 2022 in Salzgitter in Betrieb gehen.

Wo sind die Abfälle jetzt? Sie werden in 15 Zwischenlagern aufbewahrt. Abfälle aus Kernkraftwerken werden seit 2002 an den Standorten in Castor-Behältern gelagert.

Wie muss ein Endlager beschaffen sein?Der Standort soll über eine Zeit von einer Million Jahre bestmögliche Sicherheit gewährleisten. Die Endlagerung ist tief unter der Erde, umgeben von Gesteinsschichten vorgesehen. Ziel ist es, die radioaktiven Abfälle von der Biosphäre fernzuhalten, aus welcher der Mensch seine Lebensmittel und Trinkwasser gewinnt.

Kann Atommüll nicht anders gelagert werden?Als Alternativen gelten die Lagerung in tiefen Bohrlöchern, die Versenkung im Meer oder die Verbringung ins Weltall. Die deutsche Endlagerkommission hat jedoch klar die Lagerung in tiefen geologischen Formationen empfohlen.

Wie findet die Suche nach einem Endlager statt?Zuerst erfolgt eine Vorauswahl nach Kriterien, anschließend eine untertägige Erkundung. Es werden dafür Erkundungsbergwerke gebaut. Der Bundestag legt nach einer weiteren Einbindung der Öffentlichkeit den Standort endgültig fest.

Was spricht gegen eine Endlagerung in den Salzgruben im Kyffhäuserkreis? Gebiete deren Untergrund beschädigt oder gefährdet ist, kommen als Endlagerstandort nicht in Frage. Damit werden Bergbaugebiete und Gegenden, in denen die Gefahr von Erdbeben besteht, ausgeschlossen.

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