"Läuft sehr gut": Bouffier wirbt bei Thüringer Union für Schwarz-Grün

Erfurt. Die CDU-Landtagsfraktion sendete auf der Erfurter Messe zum Jahresempfang eindeutige Signale an die Ökopartei.

Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, Festredner und Hessischer Ministerpräsident Volker Bouffier und der Fraktionsvorsitzende Mike Mohring (von links) am Mittwoch vor dem Jahresempfang der CDU-Landtagsfraktion. Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion hat die Angewohnheit, mithilfe seiner Krawatten politische Botschaften zu fabrizieren. Bevor er gelegentlich der Fußball-WM wieder seinen Schwarz-Rot-Goldenen Schlips aufträgt, hat er gestern, zum Jahresempfang der Fraktion, einen grünen zum schwarzen Anzug angelegt.

Als passender Gastredner zur Botschaft ist Volker Bouffier geladen, den Mohring als "Freund, Wahlsieger und Nachbarn" vorstellt. Der hessische CDU-Ministerpräsident ist offenkundig sein neuestes Vorbild in der schwierigen Kunst der politischen Machterhaltung. Denn er hat gezeigt, dass alles geht, wenn man nur will - sogar eine Koalition des konservativsten Landesverbandes, den die CDU anzubieten hat, mit einer besonders linken Landespartei der Grünen.

Die Einheit von Ökologie und Ökonomie

Und, wie läuft es so, Herr Bouffier? "Es läuft sehr gut", sagt er auf der Pressekonferenz vor dem Empfang, zu dem mal wieder deutlich mehr als 1000 Menschen in die Erfurter Messehalle gekommen sind. Ökonomie und Ökologie würden verschmolzen. Die Schnittmengen, vor allem in der Haushalts- und Bildungspolitik, seien größer als die Unterschiede.

Da nicken Mohring und Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, die neben Bouffier saßen. "Alles ist möglich", sagt der Fraktionschef, obwohl er weiß, wie ungewiss die schwarz-grüne Option wirkt. So ist längst nicht sicher, ob die Grünen wieder in den Landtag gelangen. Wenn es denn die Partei schaffte, müsste es zusammen mit der CDU zu einer stabilen Mehrheit reichen. Und selbst falls es dazu käme: Ob die Landespartei, die in Thüringen immer gen links orientiert war, es am Ende wirklich mit der Union wagte, bleibt fraglich.

Doch dafür ist ja jetzt Bouffier da, dessen Schwärmerei für seinen grünen Partner nur noch von der Lobrede auf seine Thüringer Freunde übertroffen wird, die von Mohring und Lieberknecht in ähnlichem Ton erwidert wird. Alles wird artig erwähnt, die 25 Jahre Wende, die Hessenhilfe, die Thüringer "Erfolgsgeschichte" und natürlich der dazugehörige Beitrag der Union. Bei so viel demonstrativer Harmonie vermögen Nachfragen zum strittigen Länderfinanzausgleich (Bouffier: "Kann nicht so bleiben.") und zur AfD ("Nicht ignorieren - und nicht koalieren.") nicht zu stören.

Dann wird gemeinsam in die Halle einmarschiert, in der selbstverständlich auch Lieberknechts Vorgänger und Mohring-Mentor Dieter Althaus sitzt. Der jährliche Empfang der Fraktion ist das Hochamt für den Fraktionschef. Er amtiert seit 2008 und ist mit 42 der Dienstälteste auf dem Posten.

Allerdings stehen zwischen ihm und dem weiteren Aufstieg Lieberknecht und die Ambitionen ihrer Unterstützer wie Parteigeneralsekretär Mario Voigt. Dennoch ist das gemeinsame Interesse vorerst der Wahlsieg bei der Landtagswahl. Zumindest darf Mohring, der in der Opposition die besten Chancen auf die CDU-Führung hätte, keinen anderen Eindruck erwecken.

Das Wichtigste, sagt Bouffier, sei im September eine so starke CDU, dass ohne sie keine Regierung gebildet werden könnte. Dass der Satz zum Standardrepertoire Mohrings gehört, überrascht nicht: Dafür hatte er ja Freund Volker eingeladen.

Zu den Kommentaren