Landkreis Gotha: Onno Eckert und Holger Kruse gehen in Stichwahl

Gotha  Der SPD-Kandidat für das Amt des Landrates liegt deutlich vorn. CDU-Bewerber will bürgerliches Lager mobilisieren.

Zwei Stimmzettel gibt Andreas Güth ­ in Gotha, im Stimmbezirk 19 ab, für die Landrats- und die Oberbürgermeisterwahl. Brigitte Brückner verfolgt als Wahlhelferin den ordnungsgemäßen Verlauf.

Foto: Wieland Fischer

Wer Konrad Gießmann (CDU) als Landrat beerbt, das entscheidet sich am 29. April in einer Stichwahl zwischen Onno Eckert (SPD) und Holger Kruse (CDU). Im ersten Wahlgang konnten sie ihre Mitbewerber deutlich auf die Plätze verweisen. Eckert aus Crawinkel erzielte 37,8 Prozent, Kruse 24,9 Prozent. Deutlich dahinter folgten Stephan Müller (AfD) mit 18,0 Prozent und Klaus Schmitz-Gielsdorf (Einzelbewerber (10,9). Abgeschlagen landeten Steffen Fuchs (Grüne / 5,6) und Jens Seeber (FDP / 2,9) auf den hinteren Plätzen.

Als Onno Eckert im Tivoli in Gotha eintraf, hatte er noch das Schiedsrichtertrikot an. Er kam geradewegs von einem Fußballspiel, das er gepfiffen hatte. Ehe er sich umziehen und in Schale schmeißen konnte, musste er schon viele Hände schütteln und viele Gratulanten umarmen. „Dieses tolle Ergebnis gibt uns Rückenwind, aber die Wahl ist noch nicht gewonnen“, wollte der SPD-Kandidat ein wenig die Euphorie dämpfen. „Aber es ist in Ordnung, wenn wir die 50 Prozent plus x in der Verlängerung erreichen“, sagte der Crawinkler. Neben seinen Wahlkampfhelfern dankte Onno Eckert auch der Partei Die Linke, die seine Kandidatur im Landkreis unterstützt hat. „Sonst wäre dieses Ergebnis nicht möglich gewesen.“

Frieder Eccarius, der im Tivoli die Ergebnisse auf einer Leinwand immer wieder aktuell anzeigte, freute sich, dass der SPD-Kandidat auch bei der Landbevölkerung punkten konnte, wie Ergebnisse aus vielen Dörfern deutlich machen. „Im ersten Wahlgang hat ein SPD-Kandidat bei einer Landratswahl noch nie vorn gelegen. Das freut mich riesig“, sagte David Ortmann, SPD-Bürgermeister von Bad Tabarz. „Der Landkreis Gotha ist kein CDU-Landkreis. Das wollen wir auch bei der Stichwahl zeigen“, gab sich Onno Eckert entschlossen.

Holger Kruse verfolgte in der CDU-Kreisgeschäftsstelle den Wahlausgang. Er habe gehofft, dass ihm der Einzug in die Stichwahl gelinge, sagt der Eschenberger. Jetzt gelte es, in den Regionen, in denen er hinten gelegen habe, noch mal aktiv zu werden. Kruse verweist auf Ohrdruf und Umgebung, das Mittlere Nessetal und die Fahner Höhne.

Dort hätten sicherlich nicht nur die drei Buchstaben AfD für Stephan Müller den Ausschlag gegeben, sondern dessen Amt als Leiter der Verwaltungsgemeinschaft. Auch bei den Wählern von Klaus Schmitz-Gielsdorf (Einzelbewerber) sieht Kruse Potenzial. „Das bürgerliche Lager, so wie es sich jetzt darstellt , ist groß genug, um in 14 Tagen die Wahl zu gewinnen.“

Eine Wahlempfehlung will Stephan Müller nicht aussprechen. Mit seinem Einzug in die Stichwahl habe er nicht gerechnet, sagte er und fügte hinzu: „Ich bin Realist.“ Er fühle sich in jedem Fall als VG-Chef der Fahner Höhe bestätigt. Er habe in jeder Gemeinde dort mit Abstand gewonnen. „Das war für mich ein Stimmungstest.“

Müller habe seine 18 Prozent bei der CDU geholt, deswegen liege die SPD vorne, stellte Klaus Schmitz-Gielsdorf fest. Er selbst hatte sich ausgerechnet, in die Stichwahl zu kommen. Die vergleichsweise mageren zehn Prozent nimmt er gelassen. Er spielte zu seiner Wahlparty Swing im „Londoner“. Mit seinen bescheidenen Mitteln habe er als Einzelbewerber gegen die etablierten Partien nicht mithalten können. Kleiner Trost für ihn: Immerhin habe er mehr Stimmen als die Kandidaten der Grünen und der FDP zusammen bekommen. Er wolle sich wieder als Bürgermeister von Gotha am Ende seiner Amtszeit bewerben. „Ob ich dann gewählt werde, das überlasse ich dem Stadtrat.“

Steffen Fuchs hatte sich am Wahlabend mit Grünen im „S‘Limerick“ versammelt. Er sei enttäuscht, dass ihm der Einzug in die Stichwahl nicht gelungen sei, gestand er. Immerhin sei er in Schnepfenthal Wahlsieger gewesen. Enttäuschend sei die Wahlbeteiligung von 46 Prozent – obwohl viele Themen angesprochen worden seien und es sechs Kandidaten gab.

Jens Seeber, Kandidat der Liberalen, war am Wahlabend telefonisch nicht zu erreichen.

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