Leitartikel: Zulieferland Thüringen

Martin Debes über die Strukturreform im MDR:

Das Internet macht alles neu, auch beim MDR. Ein zweistelliger Millionenbetrag unser aller Gebührengelder soll dafür ausgegeben werden, um die Sendekapazitäten in Leipzig und Halle trimedial aufzuhübschen. Erfurt bleibt mal wieder außen vor.

Der MDR zementiert seine Struktur als Zweiländeranstalt mit thüringischem Anhängsel. Das Erfurter Landesfunkhaus verkommt endgültig zu einem fernen Planeten, der um die Sonne Leipzig/Halle kreist.

Es klingt wie Hohn, dass auch das neue digitale Kinderradio in Halle produziert wird. Das Argument der MDR-Führung, dass von dort ja schon der Jugendsender Sputnik sende, mit dessen Synergien das neue Angebot entwickelt werde, wirkt geradezu grotesk.

Ist es nicht so, dass aus Erfurt ein gewisser Kinderkanal von ARD und ZDF sendet? Gibt es da etwa keine Synergien? Und wenn man schon mal dabei ist: Wie wäre es, Jugend- und Kindermedien in Thüringen zu konzentrieren, inklusive Sputnik?

Wenn man es recht betrachtet, wäre dies die halbwegs angemessene Kompensation dafür, dass in Sachsen und Sachsen-Anhalt 90 Prozent des MDR sitzen. Und: Es wäre die Rettung für das thüringische Kindermedienland, das spätestens seit dem Kika-Skandal abgebrannt ist. Die meisten Sendungen werden auswärts produziert.

Das Angebot hingegen, in Thüringen eine kleine Schlagerwelle zu etablieren, ist ein schlechter Witz. Ein bisschen nachrichtliche Zulieferung, Garten- oder Wandersendungen und ansonsten Folklore: Für mehr ist Erfurt aus Leipziger Sicht nicht zu gebrauchen.

Wer sich das gefallen lässt, hat es nicht anders verdient.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.