Lokführer-Gewerkschaft schenkt Schlichter-Honorar dem Eichsfeld

Bischofferode (Eichsfeld)  Die Einigung im Bahn-Streik verdanke er auch dem Eichsfeld. Davon ist Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) überzeugt.

Wer Geld ins Eichsfeld bringt, fährt nicht mit leeren Händen nach Hause. Claus Weselsky (links) erhielt unter anderem diesen Wanderstock aus Lindewerra. Der nutze vielleicht auch bei Bahnkonflikten, scherzte Bodo Ramelow. Foto: Eckhard Jünge

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Er habe gerade unter dem Pilgerkreuz auf dem Hülfensberg bei Geismar gestanden, als ihn der entscheidende Anruf von Bahnchef Rüdiger Grube erreichte. Zuvor drohte die Schlichtung zu scheitern, erinnert sich Ramelow. Das Telefonat mit Grube brachte die Wende zum Guten.

Der zu dem Zeitpunkt schon ein Jahr dauernde Tarifkonflikt zwischen Lokführer-Gewerkschaft und dem Bahnkonzern konnte gelöst werden. Dank des Einsatzes von Bodo Ramelow, lobt ihn GDL-Chef Claus Weselsky. Bei den Verhandlungen vertrat Ramelow als Schlichter die Seite der Lokführer. „Obwohl er inzwischen Ministerpräsident ist, war immer spürbar: Hier spricht ein Gewerkschafter“, blickt Weselsky zurück.

Unter anderen Umständen hätte Ramelow ein Schlichter-Honorar zugestanden. Aber als „aktiver Ministerpräsident“ war ihm klar, „dass ich keinen Cent dafür nehme“, schildert er. Allein „aus fachlichen Gründen“ habe er schlichten wollen. Doch Ramelow hatte gleich zwei Vorschläge, wie das Schlichter-Entgelt der Gewerkschaft sinnvoll verwendet werden könnte. Und da kam das Eichsfeld wieder ins Spiel.

So trafen sich Claus Weselsky und Bodo Ramelow an diesem Freitagnachmittag in Bischofferode. Zwei große Schecks brachte der GDL-Chef mit: 10.000 Euro für den Eichsfelder Blinden- und Sehbehindertenverband sowie 20.000 Euro für den Kaliverein „Thomas Müntzer“. „Es ist mir eine Freude, Ihren Traditionsverein zu unterstützen“, sagt Weselsky zum Kalivereins-Vorsitzenden Gerhard Jüttemann. Schließlich halte dieser die wichtige Erinnerung an einen ganz besonderen Arbeitskampf wach.

Bodo Ramelow nickt: „Wenn man wissen will, was in den neuen Ländern falsch gelaufen ist, muss man nur nach Bischofferode kommen.“ Auch wenn sich manche wünschen würden, „dass hier Gras drüber wächst“, betont der Ministerpräsident, „Bischofferode ist nicht vergessen.“ Und es ärgere ihn, dass jetzt das benachbarte Bergwerksfeld im Ohmgebirge mit seinem Bodenschatz Kalisalz zum Verkauf angeboten wird. „Das ist bitter!“ Ramelow ist sich sicher: Bischofferode hätte als Bergwerk bis heute existieren können und auch Gewinn erwirtschaftet.

Dass ausgerechnet von der Lokführer-Gewerkschaft eine Spende in das Bergbaumuseum fließt, mache für ihn Sinn, erklärt der Ministerpräsident. Auch beim Bahnstreik sei es nicht nur um die Zukunft gegangen, sondern auch um Ehre und Stolz. Und außerdem: „Was damals als Erstes in Bischofferode stillgelegt wurde, war der Bahnanschluss“, erinnert sich Ramelow, der den Arbeitskampf der Kalikumpel vor 22 Jahren als Gewerkschaftsfunktionär miterlebte.

Gerhard Jüttemann freut sich sehr über den Geldsegen. Seit einem Jahr war das Museum nicht mehr durchgängig besetzt, konnte daher nur zu besonderen Führungen geöffnet werden. Mit der GDL-Spende kann sich der Verein nun wieder einen Betreuer der Ausstellung leisten. „Somit können wir ab August unser Museum zu festen Zeiten öffnen“, sagt Jüttemann. Die Lohnabrechnung übernehme die Landgemeinde. Das sei mit dem Bürgermeister schon vereinbart worden.

Claus Weselsky war zum ersten Mal in Bischofferode. Das Eichsfeld kenne er kaum. „Ich war nur schon einmal in Bad Heiligenstadt“, erinnert er sich. Das soll sich ändern. Der Gewerkschafter will sich nun häufiger hier blicken lassen. „Wir wären froh gewesen, wenn wir 1993 solch einen kämpferischen Vorsitzenden gehabt hätten“, sagt Jüttemann, „da hätten wir mehr erreicht.“

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