Mahnmal in Eisenach als Lernort und Ort der Umkehr

Eisenach  Es soll an einstiges „Entjudungsinstitut“ und damit an ein eigenes dunkles Kapitel in der Geschichte der evangelische Kirche erinnern.

Ulrich Oelschläger, Joachim Liebig und Karl W. Schwarz (von links) enthüllen mit Ilse Junkermann das zwei Meter hohe Mahnmal. Gestaltet hat es Marc Pethran aus Leipzig, nach inhaltlichen Anregungen der Stiftung Lutherhaus Eisenach.

Ulrich Oelschläger, Joachim Liebig und Karl W. Schwarz (von links) enthüllen mit Ilse Junkermann das zwei Meter hohe Mahnmal. Gestaltet hat es Marc Pethran aus Leipzig, nach inhaltlichen Anregungen der Stiftung Lutherhaus Eisenach.

Foto: Norman MeißneR

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In Eisenach erinnert seit Montag ein Mahnmal an das vor 80 Jahren gegründete Entjudungsinstitut. Dieses wurde am 6. Mai 1939 im Hotel auf der Wartburg gegründet. Seine erste Geschäftsstelle befand sich in der Bornstraße 11. Mit einem Gedenkakt wurde das Mahnmal eingeweiht. Vertreter von sechs Landeskirchen nahmen teil.

Das Mahnmal steht nur einige Meter von der einstigen Geschäftsstelle entfernt. Mit der Inschrift „Wir sind in die Irre gegangen...“ ist es auch ein sichtbares Schuldbekenntnis der acht evangelischen Landeskirchen für die einstige Gründung des „Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das kirchliche Leben“. Es ist zugleich mahnende Erinnerung an die Opfer von Rassismus, Antijudaismus und Antisemitismus.

„Jedes Leid, dass Menschen Menschen angetan haben, soll nicht der Vergessenheit preis gegeben werden“, betonte die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands, Ilse Junkermann. Das Mahnmal sei eine klare Absage an den Geist und Inhalt des Instituts.

„Ich sehe den Gedenkort als dauerhaften Lernort und Ort der Umkehr“, betonte Oberlandeskirchenrat Thilo Daniel als Vertreter der evangelischen Landeskirche Sachsens. Kirchenpräsident Joachim Liebig von der evangelischen Kirche Anhalts mahnte, dass „wir erneut in der immerwährenden Gefahr stehen, in die Irre zu gehen“. Präses Ulrich Oelschläger von der evangelischen Kirche Hessen und Nassau sagte, mit der Gründung des Institutes wurde „ohne Not die Verbindung zwischen jüdischen und christlichen Glauben zerschnitten.“

Landrat ist beeindruckt von der Inschrift

Aufgabe des Instituts war es, die jüdischen Wurzeln des Christentums zu tilgen, positive Hinweise auf das Volk Israel und das Judentum aus der heiligen Schrift zu entfernen sowie Lehre und gottesdienstliche Praxis an die NS-Ideologie anzupassen.

An dem Termin nahmen mit Rabbiner Alexander Nachama und dem Vorsitzenden der jüdischen Landesgemeinde Thüringens, Reinhard Schramm, Vertreter dieser Religionsgemeinschaft teil. Landesbischöfin Ilse Junkermann sagte berührt, sie sei dankbar für die Verbundenheit und Freundschaft.

Landrat Reinhard Krebs (CDU) betonte, er sei sehr dankbar, dass vor ein paar Jahren Schüler des Martin-Luther-Gymnasiums den Anstoß gaben, die Geschichte des Entjudungsinstitutes aufzuarbeiten. Ihn beeindrucke die Inschrift auf dem Mahnmal „Wir sind in die Irre gegangen“. Dass es nun gerade in Eisenach dieses Mahnmal mit dieser Botschaft gibt, sei gut und wichtig, verdeutlichte Krebs.

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