Matthias Reinz zieht ins Bad Langensalzaer Rathaus

Bad Langensalza  In der Stichwahl holte der Schönstedter 76,9 Prozent der Stimmen. SPD-Kandidatin Dagmar Kleemann gibt sich nach der Niederlage kämpferisch: Nach der Wahl ist vor der Wahl.

Matthias Reinz umarmt seine Frau Elfi, mit ihr und seinen drei Söhnen hat er die Auszählung im Rathaus verfolgt.

Matthias Reinz umarmt seine Frau Elfi, mit ihr und seinen drei Söhnen hat er die Auszählung im Rathaus verfolgt.

Foto: Sabine Spitzer

Als der erste Ton des Rathaus-Glockenspiels ertönt, klatscht Ronald Fromm in die Hände. Es ist Sonntag, 18 Uhr. Fromm ist Briefwahlvorsteher. Für ihn und seine Leute gibt es viel zu tun. Etwa 2000 Bürger haben per Briefwahl abgestimmt.

Im Nebenraum – dort wo sich sonst der Stadtrat zu seinen Sitzungen trifft – sind bereits die ersten Menschen da, welche die Auszählung der Stichwahl verfolgen wollen. Henryk Offenhammer sitzt am Computer und wartet darauf, die ersten Ergebnisse auf der Leinwand zeigen zu können. „Ich bin schon ziemlich gespannt“, sagt der IT-Verantwortliche der Stadtverwaltung, ich kriege ja schließlich einen neuen Chef.“

Um 18.08 Uhr ist das erste Balkendiagramm auf der Leinwand zu sehen. Eckardtsleben, Henningsleben, Großwelsbach und Ileben sind ausgezählt. Der parteilose Kandidat Matthias Reinz führt, hat 78,4 Prozent der Stimmen. Auf die SPD-Kandidatin Dagmar Kleemann entfallen 21,6 Prozent. Fast alle zücken die Handys, um die ersten Zahlen an Bekannte zu schicken. Und genau zu diesem Zeitpunkt betritt Reinz den Raum – mit seiner Frau Elfi und den drei Söhnen Fabian, Florian und Finnjo. Er scheint überrascht von den Zahlen und sucht sich einen Platz, wo er die Leinwand gut im Blick hat.

Wahlleiterin Sabine Hilbig hatte eigentlich vermutet, dass Waldstedt zuerst ausgezählt ist. Denn der Ortsteil hat mit 83 Wahlberechtigten die wenigsten Wähler. „Die haben wohl schon was getrunken“, scherzt einer. Wenig später sind die Ergebnisse von Waldstedt da. Die Wahlbeteiligung liegt bei 80,7 Prozent. Auch hier führt Reinz, er hat 83,6 Prozent, Kleemann nur 16,4.

Fast im Minutentakt folgen weitere Ergebnisse. Krumbach, Thamsbrück, Wiegleben und so weiter. Dann folgen die Stimmen aus den Wahlbezirken der Kernstadt. Der blaue Balken, der Reinz‘ Ergebnis zeigt, wächst und wächst. Schon als nur noch die Briefwählerstimmen fehlen, ist klar, dass der Schönstedter Bürgermeister nicht mehr einzuholen ist. Die ersten Gratulanten kommen. Darunter ist auch Ronny Thomas, Chef des SPD-Ortsverbands. Reinz umarmt seine Frau, die Söhne und fast jeden, der ihm zum Wahlsieg beglückwünscht – auch die Rathaus-Angestellten, deren Chef er ab 1. Juli sein wird.

„Ich weiß im Moment gar nicht, was ich sagen sollen“, meint Reinz. „Ich kann mich nur bedanken, dass mir die Wähler ihr Vertrauen geschenkt haben.“ Ihm sei egal, wer Kleemann gewählt habe. „Ich will als Bürgermeister für alle da sein.“

Während Reinz zu seiner Wahlparty nach Waldstedt eilt, herrscht im Café Schwesterherz bedrückte Stimmung. Kleemann hat hier ihre Anhänger um sich vereint. „Enttäuscht bin ich nicht, nur erleichtert“, sagt sie. Überraschend ist das Ergebnis dennoch für sie, weil die Signale aus der Kernstadt Bad Langensalzas andere gewesen waren. Sie sei froh, dass es vorbei ist. Die 40-Jährige wischt sich eine Träne aus dem Auge und gibt sich gleich wieder kämpferisch: „Nach der Wahl ist vor der Wahl.“

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