Mehrkosten beim Stadionbau weil Erfurt offenbar ohne Küche plante

Erfurt. Die Stadtverwaltung hat den Wirtschaftsausschuss überraschend um die Bewilligung von 110.000 Euro für die Vergabe von Planungsleistungen für die künftige Verteilküche in der Multifunktionsarena gebeten.

Die Baustelle im Steigerwaldstadion ist immer wieder für Überraschungen gut. Foto: Susann Fromm

Die Baustelle im Steigerwaldstadion ist immer wieder für Überraschungen gut. Foto: Susann Fromm

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Der Eigenbetrieb Sport solle den Auftrag vornehmen, weil es für die Arena nach wie vor keinen unterschriebenen Betreibervertrag gebe. Der Ausschuss stimmte der Ausgabe mehrheitlich zu.

Dies führt zu der vergleichsweise seltenen Konstellation, dass nun eine Planung für einen Betreiber in Auftrag gegeben wurde, der noch nicht feststeht. Und das auf einer Baustelle, für die noch gar keine rechtsgültige Baugenehmigung vorliegt.

Zu Details der Debatte wollte sich Peter Stampf (Bunte Fraktion/Freie Wähler) nicht äußern, wohl aber zu seiner Gefühlslage: "Ich bin nicht glücklich damit. Es sieht so aus, als sei die Küche in den Planungen schlicht vergessen worden."

Selbst gekocht werden soll in der Multifunktionsarena nicht. Stattdessen ist beabsichtigt, jeweils ein vorbereitetes Speisen- und Getränkeangebot von auswärts liefern zu lassen und in der Multifunktionsarena servierfertig zuzubereiten. Allein das erfordert eine Investition in Küchentechnik in Höhe von geschätzten 500.000 Euro. Das Spektrum der Versorgung reicht dabei von der Geschäftsbesprechung mit wenigen Teilnehmern und kleinem Imbiss über Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern bis zu Großveranstaltungen mit Massenversorgung von über 18.000 Besuchern.

"Das gastronomische Konzept muss in der Anordnung der Funktionen und der Ausstattung diesem Spektrum gerecht werden", heißt es in der Vorlage an den Wirtschaftsausschuss.

Angeschafft werden soll diese Technik von der künftigen Betreibergesellschaft, aller Voraussicht nach einem Gemeinschaftsunternehmen aus Messe GmbH und Stadtwerken. Die allerdings hat die Verträge noch nicht unterschrieben. Ob darin die Bereitschaft zum Küchenkauf geregelt ist, lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit sagen.

Am 4. März soll der Stadtrat grünes Licht für die Unterzeichnung der Verträge geben. Doch in den Unterlagen, die dem Stadtrat vorliegen, ist das Angebot der Betreibergesellschaft noch nicht enthalten.

Ein starkes Indiz dafür, dass die Stadt wenigstens die Planungskosten für die Küche, wenn nicht gar die Küche insgesamt, schlicht vergessen hat, bietet die "Anlage 2" zur Entscheidung des Stadtrates aus dem vergangenen Dezember, den Auftrag für Planung und Bau an die Kösterbau GmbH zu vergeben.

Dieses Papier listet detailliert auf, welche Kosten die Stadt als Auftraggeber beim Stadionbau übernehmen muss - es reicht von A wie "Ausstattung Hausmeisterzimmer" über K wie "Kunst am Bau" bis V wie "Videoarbeitsplätze". Von P wie "Planungskosten/Küche" ist hingegen kein Wort zu lesen.

Planung durch den Generalbauunternehmer

Ein weiteres Indiz: Im Dezember hat der Stadtrat sowohl den Bau als auch die Planung der Multifunktionsarena an den Generalbauunternehmer, der Kösterbau GmbH, zum Festpreis von über 30 Millionen Euro übertragen. Offenkundig ist die Küchenplanung jedoch nicht zwischen Stadt und Kösterbau geregelt worden.

Die Verwaltung hat den Mitgliedern des Wirtschaftaussschusses dennoch versichert, dass die rund 110"000 Euro im Budget des städtischen Anteils von vorneherein eingepreist gewesen sind. Die Dringlichkeit der überraschend vorgelegten Ausschreibung begründete sie mit dem Umstand, "eine Verschiebung der Auftragsvergabe Küchenplanung auf den nächsten Ausschusstermin würde bereits beim Baubeginn der Haupttribüne eine Zeitverzögerung zum geplanten Bauablauf mit sich bringen."

Wegen der engen Terminkette für das Gesamtvorhaben könne dieses vermieden werden, wenn die vorgeschlagene Beauftragung in der Ausschusssitzung beschlossen werde.

Das erklärt nach Auffassung des CDU-Fraktionsvorsitzenden Michael Panse jedoch nicht, warum die Küchenplanung nicht schon vor Monaten in Auftrag gegeben wurde. "Meine Befürchtungen, wonach die Stadt häppchenweise immer neue Kosten entdeckt, die irgendwie zusätzlich bezahlt werden müssen, scheint sich zu bewahrheiten." Er erinnerte daran, dass der Eigenanteil der Stadt per Ratsbeschluss vor drei Jahren auf rund fünf Millionen Euro gedeckelt worden sei. Selbst wenn Rot-Rot-Grün nun alle Extras nachträglich genehmige, messe sich die Fähigkeiten der Stadt diese Investition zu stemmen, am Ende des Bauvorhabens daran, inwieweit der vorgegebene Kostenrahmen eingehalten werde. Eine offenkundig vergessene Küche lasse nichts Gutes ahnen.

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