Michael Panse will für die CDU das Rathaus zurückerobern

Wahlplakate ohne Parteiangabe kämen für ihn nicht in Frage. Michael Panse will derjenige sein, der an der Spitze in Erfurt die Ideen und Visionen hat.

Für sein Foto hat sich Michael Panse den Aussichtsturm des Egaparks ausgesucht. Er geht auch mit seinen Kindern gerne auf die Ega und kann dort den Blick über die Landeshauptstadt genießen. Foto: Marco Schmidt

Für sein Foto hat sich Michael Panse den Aussichtsturm des Egaparks ausgesucht. Er geht auch mit seinen Kindern gerne auf die Ega und kann dort den Blick über die Landeshauptstadt genießen. Foto: Marco Schmidt

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Erfurt. Schon wieder ist er verwechselt worden. Michael Panse, Kandidat der CDU für das Oberbürgermeisteramt, schaufelt zwar auf dem Foto in der Zeitung beherzt Erde in ein Loch. Versehentlich wird er im Bildtext aber als Jens Panse bezeichnet. Den gibt es auch, er ist seit knapp zwei Jahren Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, ebenfalls ein politisch engagierter Mensch. Und Michael Panses Zwillingsbruder, das könnten sich die Journalisten in Thüringen endlich mal merken. "Wir sehen uns ja nicht einmal ähnlich", sagt Michael Panse.

Die Zwillingsbrüder wuchsen in einem politischen Haus auf. Der Vater war anfangs SPD-Mitglied, fand sich aber schnell ungewollt in der SED wieder. Als der Lehrer vor die Wahl gestellt wurde, ob er in der Einheitspartei oder in seinem Amt als Gemeindekirchenrat bleiben wolle, entschied er sich für die Kirche. Ein prägendes Elternhaus habe er gehabt, sagt Michael Panse, in dem kritisch diskutiert worden sei. Auch heute ist er kaum zu bremsen, wenn er über politische Ziele spricht.

Als junger Mann leistete er zwar den Grundwehrdienst bei der NVA in Gotha. Drei Jahre in der Armee wollte er aber selbst für einen Studienplatz in Dresden nicht auf sich nehmen.

Neben Amtsinhaber Andreas Bausewein, die beiden duzen sich, wirkt Panse jünger und manchmal unsicher, obwohl er der Ältere ist. Politische Erfahrungen sammelte er schon in den Umbruchzeiten von 1989 und 1990.

Einmal hat Panse gegen den SPD-Konkurrenten einen Wahlkreis gewonnen, das war bei den Landtagswahlen 2004. Fünf Jahre später endete seine Zeit als Abgeordneter jedoch. Er verlor nach zehn Jahren im Landtag seinen Wahlkreis an die Linkspartei.

"Dann fällt man in ein tiefes Loch", erinnert sich Panse. Nach dem Wahlkampf brach eine Hirnhautentzündung durch, die seit Wochen auf einen Augenblick der Schwäche gelauert hatte. Tage im Koma und ein halbes Jahr für die Genesung folgten.

Von der Politik wollte Panse trotzdem nicht lassen. Sein Konterfei blickt den Erfurtern von den Wahlplakaten entgegen, darunter steht die Parteizugehörigkeit. Anders als bei Bausewein und dem FDP-Kandidaten Thomas Kemmerich, die beide voll auf die Wirkung ihrer Persönlichkeit setzen und die Partei nicht nennen. "Solche Erwägungen halte ich für grundfalsch", stellt Panse fest. Die Kandidatur erfolgte insbesondere aus parteipolitischer Überzeugung, sagt er.

Seine Chancen, gegen den derzeit omnipräsenten Amtsinhaber zu gewinnen, schätzt Panse realistisch ein. "Als Fraktionschef trage ich Verantwortung. Wenn man authentisch für die Ziele seiner Partei werben will, muss man den Kopf auf Wahlplakaten hinhalten."

Der Politiker und der Privatmensch sind eng miteinander verbunden. Panse versucht, regelmäßig für seinen jüngsten Sohn, den vierjährigen Julian, dazusein. Der Älteste, Maximilian, ist politisch interessiert und in der Jungen Union.

Die Politik hat Spuren in seinem Privatleben hinterlassen, lässt Panse durchblicken. Familie bedeutet dem Generationenbeauftragten viel. Lebensgefährtin und Kinder müssten auch viel erdulden, weiß er. "Politik ist nichts familienfreundliches."

Er spielt Squash und Badminton, um abzuschalten, geht ins Fitnessstudio, außerdem ist er Präsident des SWE-Volley-Teams. Seit er 1992 zum ersten Mal Israel besuchte, fasziniert ihn das Land. Die Reiselust führte ihn auch nach Kroatien, wo ein Freund lebt. "Ich schaue gerne über den Tellerrand", so Panse. Albanien, Zypern, Jordanien. "Reisen erdet."

Was reizt ihn am angestrebten Amt und dem damit verbundenen Termindruck? "Gestaltungsspielraum, andere Möglichkeiten, eine Stadt zu prägen", antwortet Panse. Er wolle derjenige sein, der vorne die Ideen und Visionen hat. Als Verwaltungsbetriebswirt bringe er Wissen mit. In seiner jetzigen Position fühlt er sich nach eigenen Worten aber auch wohl. Mit seiner SPD-Chefin, Sozialministerin Heike Taubert, klappt es. In Absprache mit ihr nimmt er zwei Wochen Urlaub, um in der heißen Wahlkampfphase Präsenz zu zeigen.

Persönliches

  • Geboren am 15.7.1966 in Erfurt, lebt in einer Beziehung, drei Kinder, evangelisch
  • seit Dezember 1989 Mitglied im Demokratischen Aufbruch, später CDU
  • Kfz-Elektriker, Verwaltunsgbetriebswirt und Betriebswirt
  • 1991 bis 1999 verschiedene politische Ämter, u.a. Landes- und Bundesgeschäftsführer der Jungen Union
  • 1999 bis 2009 Mitglied im Thüringer Landtag
  • seit Oktober 2010 Landesbeauftragter für das Zusammenleben der Generationen

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